Sinkende Renditen
Finanzinvestoren im Anlagestress

Die erfolgsverwöhnte Private-Equity-Branche muss sich auf schärferen Gegenwind einstellen. „Der zunehmende Wettbewerb der Finanzinvestoren untereinander sorgt für sinkende Renditen“, sagte Joachim Spill von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young am Montag in Frankfurt.

FRANKFURT. Zu den weiteren Gründen für die rückläufigen Renditeerwartungen zählt der Spezialist für den Beteiligungsmarkt die steigenden Zinsen an den Kapitalmärkten. Da die Herauskäufe von Konzernteilen durch Finanzinvestoren in der Regel zu 60 bis 70 Prozent mit Krediten finanziert werden, entstehe hier zusätzlicher Renditedruck.

Hellmut Kirchner, Geschäftsführer von VCM Capital Management, glaubt, dass vor allem die Buyout-Manager der großen angelsächsischen Milliardenfonds derzeit nicht mehr so günstig einkaufen können wie früher. Man sehe auch relativ wenige Mega-Deals, sagt er. Dagegen sei bei den Fonds, die sich auf mittelständische Firmen konzentrieren, die Lage besser.

Stefan Hepp von der schweizerischen Strategic Capital Management AG (SCM) rät nach dem für die Beteiligungsindustrie sehr guten Jahr 2005 zur Vorsicht. Die Bereiche des Marktes, in denen viel Fremdkapital eingesetzt werde – beispielsweise Immobilientransaktionen –, seien schon sehr heiß gelaufen. 2005 habe sich ein Investment in Beteiligungskapital allerdings gelohnt. So habe Private Equity in den USA um 20 Prozent besser abgeschnitten als die Aktienbörsen, in Europa habe diese „Outperformance“ bei neun Prozent gelegen (siehe „Überdurchschnittliche Renditen“). In den ersten sechs Monaten 2006 haben die Beteiligungshäuser laut Ernst & Young den Rekordwert von 20,8 Mrd. Euro in Deutschland investiert, entsprechend einem Plus von 17 Prozent zum zweiten Halbjahr 2005. Allerdings waren darunter viele Immobilientransaktionen. So kaufte der Whitehall-Fonds die Karstadt-Quelle-Warenhäuser für 4,5 Mrd. Euro, Fortress übernahm die Wohnungsbaugesellschaft Dresden für 1,7 Mrd. Euro. Auch der Kauf eines Minderheitsanteils von 4,5 Prozent an der Deutschen Telekom durch Blackstone ging mit 1,7 Mrd. Euro in die Statistik ein, obwohl auch dies eher nicht zu den klassischen Private-Equity-Investments zählt.

Üblicherweise erwerben die Finanzinvestoren Mehrheitsanteile an Konzerntöchtern oder Mittelständlern, um sie nach vier bis sechs Jahren der Restrukturierung weiterzuveräußern oder an die Börse zu bringen. Die Mittel dazu erhalten sie von institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versorgungswerken, Versicherern oder Vermögensverwaltern wohlhabender Familien. Spill geht davon aus, dass wegen des hohen Anlagedrucks in den nächsten zwölf bis 18 Monaten auch ein Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) an ein oder mehrere Private-Equity-Haus gehen könnte. Die Beteiligungsmanager hätten sich dazu schon alle relevanten Dax-Firmen angeschaut, sagt der Experte.

Laut der „Annual Exit Analysis 2005“ von SCM haben die Finanzinvestoren das günstige Umfeld im Vorjahr genutzt, um sich in großem Stil von Beteiligungen zu trennen. Die Erlöse aus Verkäufen und Börsengängen kletterten in Europa um 32 Prozent auf 14,5 Mrd. Dollar, in den USA wurde ein Plus von zwei Prozent auf 54,6 Mrd. Dollar verzeichnet. Weltweit blieben Verkäufe an Industriekonzerne der wichtigste Kanal, Börsengänge machten nur sechs Prozent aus.

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