Sinneswandel der Analysten
Investoren suchen nach Wahlprofiteuren

Wie schnell sich die Zeiten ändern: Sagten Analysten auf die Frage, welche Branchen von einem möglichen Regierungswechsel profitieren werden, unmittelbar nach der Ankündigung von Neuwahlen am 22. Mai meist dasselbe, so hören sich ihre Aussagen heute deutlich differenzierter an.

HB FRANKFURT/M. Der wesentliche Grund: Damals gingen Analysten unisono davon aus, dass es zu einem Regierungswechsel von der aktuellen rot-grünen Bundesregierung zu einer Koalition aus CDU/CSU und FDP kommt. „Ein zusehends offeneres Rennen“, nennen es die Experten von Goldman Sachs nun. Trotzdem geht die breite Masse der Investoren davon aus, dass es zu einem Regierungswechsel kommt. Das Taktieren und Spekulieren ist allerdings für die Masse der Anleger damit deutlich schwieriger geworden. Die ersten Analysen, die allesamt noch von einem großen Überraschungsmoment über die angekündigten Neuwahlen geprägt waren, haben viele Experten im Laufe der vergangenen drei Monate überdacht, überarbeitet und weiterentwickelt. Dabei kam innerhalb der einzelnen Brancheneinschätzungen manch überraschender Sinneswechsel zu Stande. Hier die bei den Analysten meistdiskutierten Branchen.

Versorger: Die Aktien von Eon und RWE wurden unmittelbar nach der Ankündigung von Neuwahlen im Mai als die großen Gewinner tituliert. Typische „Merkel-Aktien“ seien beide Werte, hieß es in diversen Studien, weil eine konservative Bundesregierung für verlängerte Laufzeiten bei Atomkraftwerken stehen würde. Zudem würde der Ausstieg aus der Kernenergie damit um Jahre nach hinten geschoben werden. Noch immer empfiehlt knapp die Hälfte der 37 Analysten, die laut der Nachrichtenagentur Bloomberg die RWE-Aktie beobachten, diese zum Kauf. Geradezu phänomenal ist die Euphorie um den Konkurrenten Eon. Von 38 Analysten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten 32 zum Kauf.

Doch es gab zuletzt auch verstärkt skeptischere Stimmen, die den starken Optimismus bei den Versorgern, der noch vor einem Vierteljahr kursierte, relativieren. „Laut ihrem Regierungsprogramm will die CDU die Versorger zu einer Preissenkung bewegen“, merken die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt an. Sie beurteilen deshalb den Sektor nur noch leicht positiv.

Dafür hat sich das anfangs negative Bild gegenüber den Anbietern regenerativer Energiequellen gewandelt. Galten sie anfangs als die großen Verlierer eines möglichen Regierungswechsels, weil die Branchen Wind- und Sonnenenergie dann vermutlich nicht mehr so üppig gefördert werden würden wie unter Rot-Grün, so dominiert nun unter Analysten die Einschätzung, dass gerade die Solarbranche auch in Zukunft kräftig wachsen wird. Steigerungsraten von 25 bis 30 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts bescheinigt beispielsweise Alastair Bishop von Dresdner Kleinwort Wasserstein der Branche. Vor allem die Branchenführer Solarworld und Conergy sollen seiner Einschätzung nach davon profitieren. Deutlich zurückhaltender sind die Experten hingegen beim Thema Windkraft, weil die interessantesten Flächen in Deutschland vergeben sind.

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