Skepsis angebracht
Berichtssaison macht Börsianern Hoffnung

Die Krise des Aktienmarktes geht offenbar zu Ende: Die Berichtssaison zum ersten Halbjahr hat dem deutschen Leitindex Dax in dieser Woche zu einem neuen 11-Monats-Hoch verholfen.

HB/dpa FRANKFURT. Nachdem außer dem Touristikkonzern Tui und der Münchener Rückversicherung 28 der 30 Dax-Unternehmen Zahlen vorgelegt haben, ist die Stimmung so gut wie lange nicht mehr. Experten mahnen jedoch ungeachtet des Höhenflugs des Börsenbarometers über 3 500 Punkte zur Besonnenheit.

„Ein sonniges Quartal macht noch keinen Hochsommer“, warnt Aktienstratege Christian Schmidt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) Anleger vor zu hoch gesteckten Erwartungen. Sorgen mache ihm, dass die Umsätze an der Börse im Verhältnis zu den Kurssteigerungen der jüngsten Zeit zu gering seien. „Das bedeutet normalerweise, dass der Aufschwung nicht nachhaltig ist.“ Zudem hätten die meisten Unternehmen zwar teils überraschend gute Quartalszahlen gemeldet. „Der Ausblick der Firmen auf den weiteren Jahresverlauf blieb aber alles in allem dann doch verhalten.“

Dennoch: Immer mehr Investoren glauben an bessere Börsenzeiten. Vor allem die Sorgenkinder der jüngsten Zeit haben den Börsianern im zweiten Quartal wieder - zum Teil unerwartet große - Freude gemacht. Nach dem Absturz tief in die roten Zahlen bekommt die Lufthansa offensichtlich wieder Aufwind. Zurück in der Gewinnzone bleibt der neue Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber dennoch vorsichtig: Für das Gesamtjahr rechnet er nach Irakkrieg und der Lungenseuche Sars noch nicht mit Gewinnen.

Auch die im vergangenen Jahr arg gebeutelten Banken scheinen sich langsam wieder zu fangen. Vor allem die Rückkehr der Commerzbank in die schwarzen Zahlen freut viele Börsianer. Selbst die Allianz scheint endlich - jedenfalls nach neuesten Zahlen - die Probleme bei der Dresdner Bank in den Griff zu bekommen.

Wenig Grund zur Freude hatten im zweiten Quartal diejenigen Unternehmen, deren Gewinne eng mit den Schwankungen auf dem Devisenmarkt zusammenhängen. Der starke Euro verhagelte gleich einer ganzen Reihe von Konzernen - allen voran den Autobauern - die Bilanz. Auf Volkswagen, BMW und DaimlerChrysler lasten zudem die anhaltende Flaute der Branche und individuelle Probleme wie etwa das Milliardenloch von Chrysler, die hohen Kosten für neue Modelle bei BMW und der Auslauf des Umsatzträgers Golf bei den Wolfsburgern.

Das Steuer herumgerissen hat im zweiten Quartal die Nutzfahrzeugsparte des Münchner Maschinen- und Anlagenbauers MAN. Nach Befürchtungen über eine Zerschlagung des Industriekonglomerates ist dank möglicher Unterstützung von VW ein Aus für ein Dickschiff der deutschen Investitionsgüterindustrie nun wohl nicht mehr zu befürchten.

Mehr als zufrieden ist Thilo Müller von der Landesbank Rheinland- Pfalz mit dem Abschneiden der Deutschen Telekom: Der Schuldenberg sei deutlich kleiner geworden, das Vertrauen in Management und Aktie gewachsen. Gleiches gelte für die Deutsche Post, deren strikt auf globale Expansion gerichtete Strategie sich immer stärker im Ergebnis niederschlage.

Ein optimistischer Ausblick konnte dem Heidelberger Finanzdienstleister MLP zuletzt auch nicht mehr helfen. Nach einem erwartungsgemäßen Ergebnisrückgang im zweiten Quartal steigt der Konzern nach nur 26 Monaten aus der ersten Börsenliga wieder ab. Nachrücker ist der hannoversche Autozulieferer Continental, dem nach seinem Abstieg in den MDax 1996 damit als erstem Unternehmen überhaupt der Wiedereinzug in den Leitindex gelingt.

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