Small Caps
Börse: Die Zwerge sind zurück

In der Krise traf es Aktien mit niedriger Marktkapitalisierung härter als die Schwergewichte. Doch nun werden Investoren wieder mutiger, davon könnten Aktien aus dem Nebenwerteindex SDax profitieren. Strategen und Fondsmanager setzen auf ein Comeback der so genannten Small Caps.

FRANKFURT. Immer auf die Kleinen. Das war das Motto an der Börse, als die Kurse im Zuge der Finanzkrise abstürzten. Aktien mit niedriger Marktkapitalisierung, die sogenannten Small Caps, traf es härter als die Schwergewichte. Sollte es mit der Konjunktur wieder spürbar aufwärts gehen, könnte sich der Trend aber umkehren. Strategen und Fondsmanager setzen auf ein Comeback der Kleinen.

Der Grund: Die Investoren werden wieder mutiger. Auf dem Höhepunkt der Krise scheuten sie jedes Risiko. Anleger glaubten, dass Dickschiffe wie Telekom oder Siemens, den Sturm besser durchstehen würden. Zwar überstanden auch die Schwergewichte im Dax diesen nicht unbeschadet, aber die Verluste waren weniger groß als bei den Kleinen. Während der Dax rund die Hälfte einbüßte, verlor der SDax der kleinen Werte rund zwei Drittel an Wert. Bei manchen niedrig kapitalisierten Aktien kam der Handel fast völlig zum Erliegen. Dabei finden sich im SDax durchaus bekannte Namen wie Air Berlin oder Sixt. Auch in den vergangenen Wochen, als es an der Börse wieder aufwärts ging, schlug sich der Leitindex noch besser.

Experten wie Ollie Beckett, Fondsmanager von Henderson, erwarten, dass sich dies angesichts des erhofften wirtschaftlichen Aufschwungs umkehrt. "Der historische Vergleich deutet auf eine Outperformance von Small Caps hin, wenn sich der Wind von Rezession hin zum Aufschwung dreht", sagt Beckett, der bei Henderson den Horizon Pan European Smaller Companies Fonds managt. Dies liege besonders an der zurückkehrenden Risikolust der Investoren, die traditionell in Rezessionsphasen aus kleineren Werten geflüchtet seien und jetzt zurückkehren würden.

Für aktive Fondsmanager sind Werte mit einer Marktkapitalisierung bis zu 500 Mio. Euro derzeit interessant, weil diese nicht mehr von so vielen Analysten wie in Boomphasen abgedeckt werden. Und auch für Anleger bieten sich gute Gelegenheiten, versteckte Aktien-Perlen zu finden, die vom Gesamtmarkt zuletzt ignoriert oder vernachlässigt wurden. "Ganz wichtig dabei aber ist, bei den Unternehmen Qualität und Substanz der Bilanz zu prüfen", sagt Nebenwerte-Experte Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. "Stock picking" laute das Gebot der Stunde. In den Analyseabteilungen der Banken entdeckt man die Smallcaps gerade neu.

Weit oben auf der Empfehlungsliste der Experten stehen die Papiere von Gerry Weber. Sieben Analysten, die das Unternehmen in den vergangenen drei Monaten unter die Lupe genommen haben, empfehlen die Aktie zu kaufen; nicht einer sagt "halten" oder gar "verkaufen" (siehe "Das Urteil der Analysten"). Der Modeschneider aus Halle in Westfalen kommt weit besser durch die Krise als viele seiner Konkurrenten. Während Escada so gut wie pleite ist, vermeldete Gerry Weber zuletzt steigende Gewinne. Im ersten Halbjahr haben die Westfalen vor Zinsen und Steuern 29,5 Mio. Euro verdient, fast 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Von Krise keine Spur. In den turbulenten Monaten Anfang des Jahres hat sich die Aktie vergleichsweise stabil gehalten. Mittlerweile kostet ein Papier mehr als 19 Euro. Und da ist auch der Haken: Das Kursziel der Analysten liegt im Mittel bei etwa 22 Euro; das Potenzial nach oben scheint vorerst begrenzt.

Seite 1:

Börse: Die Zwerge sind zurück

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%