Sparen mit Tagesgeld, Festgeld oder Girokonto
Weltspartag? Nein. Weltaktientag!

Wir sind nicht nur amtierender Fußballweltmeister. Auch beim Sparen macht den Deutschen so leicht keine Nation etwas vor. Eine zweifelhafte Auszeichnung, denn die meisten sparen völlig falsch. Zeit zum Handeln.
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DüsseldorfDie Deutschen sind weltmeisterlich, wenn es ums Sparen geht. Kaum eine Nation legt derart viel Geld zurück für schlechte Zeiten, das Alter oder größere Anschaffungen. Seit Jahren liegt unsere Sparquote zwischen zehn und zwölf Prozent. Grundsätzlich ist das natürlich eine gute Nachricht. Trotzdem dürfen wir uns am heutigen Weltspartag nur ganz kurz auf die Schulter klopfen, denn wir sparen völlig falsch.

Die Spargroschen landen auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten.  Doch die Jahre, in denen das Geld sich dort quasi von selbst vermehrte, sind längst vorbei. Für Tagesgeld gibt es nach aktuellen Daten der FMH Finanzberatung im Schnitt gerade noch 0,6 Prozent Zinsen pro Jahr, einige bieten lediglich noch 0,01 Prozent. Mittlerweile verlangt der erste Anbieter bei hohen Einlagen sogar einen Strafzuschlag! Auf dem Sparbuch wächst das Ersparte im Schnitt nur noch um 0,13 Prozent pro Jahr. Eine sinnvolle Geldanlage sieht sicher anders aus.

Viele Sparer verzichten aber selbst auf diese homöopathischen Zinsen: Einer aktuellen Umfrage der Postbank zufolge lässt jeder Zweite seine Rücklagen auf dem meist unverzinsten Girokonto liegen. Eine Umfrage der Comdirect hat zudem ergeben, dass 49 Prozent der Bundesbürger ihr Sparverhalten seit Ausbruch der Finanzkrise nicht verändert haben. 17 Prozent geben sogar an, Sparbuch oder Tagesgeld seien für sie immer noch die beste Anlageform. Sie „übersehen“ scheinbar, dass ihre Zinsgutschriften in den vergangenen Jahren zusammengeschmolzen sind wie Eis in der Sonne.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die sich an Wertpapiere, also Aktien herantrauen. Immerhin jeder Vierte legt seine Ersparnisse heute in Aktien und Fonds an. 2011 und 2013 waren es laut Postbank-Umfrage nur 17 Prozent.

Endlich entdecken mehr Deutsche die Aktie! Denn ohne Aktien geht es in Zeiten, in denen die Notenbanken die Zinsen praktisch abgeschafft haben, nicht mehr. Dividenden sind die neuen Zinsen. Und überhaupt sind Aktien langfristig, also über zehn, 20 oder noch mehr Jahre die beste Anlageklasse. Im Schnitt liegen die jährlichen Zuwächse zwischen sechs und acht Prozent – je nachdem, auf welchen Markt Anleger setzen. Mehr schafft langfristig keine andere Anlageform.

Kommentare zu " Sparen mit Tagesgeld, Festgeld oder Girokonto: Weltspartag? Nein. Weltaktientag!"

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  • Pünktlich zum Weltspartag lesen wir in den Medien, dass eine kleine ostdeutsche Bank auf Termineinlagen über 500.000 € erstmals Negativzinsen berechnet.

    Kann das überhaupt sein oder ist es eine Zeitungsente?

    Geht man davon aus, dass die Kunden dieses kleinen Instituts ehemalige DDR-Bürger sind, muss die Frage erlaubt sein wie es ihnen gelungen ist in 25 Jahren 500.000 € zur Seite zu legen.

    Wenn die Meldung zwar stimmt, muss die Frage dennoch erlaubt sein, ob das Institut überhaupt über einen Kunden zutrifft, um Nehativzinsen berechnen zu können.

    Wenn dies tatsächlich zutreffen würde, was ich bezweifle, dann muss man ganz klar erkennen, dass hier in Sachen Ostförderung einiges schief gelaufen ist. Im Westen dürfte es "Normalo" in 25 Jahren nicht zu 500.000 € Ersparnissen gebracht haben.

    Der Spruch von Bundespräsident Gauck mag mit dieser Meldung auch einen anderen Hintergrund bekommen: "Vielen geht es besser als zuvor."

  • Aktien? Ja! Aber nicht jetzt! Nach guter, alter Kaufmannsart erwirbt man Aktien, wenn diese günstig sind & nicht zu Höchstkursen.

    Natürlich wird Draghis-QE und die FED-Politik noch für ein paar % Rendite sorgen. Vielleicht schenkt man seinen Freunden an der Wall Street sogar noch eine Jahresendrally.

    Die Artikel in der Springer-Presse (hier und in den anderen Blättern), die jetzt zu einem Einstieg in Aktien raten. Da wäre das Timing vor 14 Tagen ja sogar besser gewesen.

    Die Eigentümerfamilie dieser Zeitung zählt zu den reichsten Familien im Land. Wie stark wird diese wohl jetzt noch bei Aktien zu diesen Preisen zukaufen?

  • @Tom Bauer

    Natürlich sind Aktien nicht schlecht. Aktien können sogar eine ganz vorzügliche Anlageform sein wenn es darum geht, langfristig Vermögen aufzubauen.

    Aber jetzt ist der falsche Zeitpunkt dazu, um ein Aktiendepot aufzubauen. Weil wir in einer Marktphase bei den Aktien sind, wo eher zu erwarten ist dass es wieder bergab geht. Und dies möglicherweise sogar sehr deutlich.

    An einem Hausse-Punkt wie dem jetzigen noch in Aktien einzusteigen, lohnt sich langfristig nur sehr begrenzt. Wäre man z.B. 2007 bei 8150 Punkten im Dax eingestiegen, dann hätte man in den letzten sieben Jahren im Durchschnitt seitdem nur etwa 9 Prozent Gewinn gemacht. Eine Anlage in Tagesgeld hätte je nach unterstelltem langfristigem Durchschnittszins um die 10 bis 15 Prozent bringen können.

    Und genau das gleiche ist recht wahrscheinlich mit Blick auf die nächsten Jahre. Dass man nun das simple Sparen so mit der Brechstange unattraktiv gemacht hat indem man den Sparern auch noch die letzten Zinsen weggenommen hat und somit selbst die mickrigen Wertzuwachsaussichten der vor einer Baisse stehenden Aktienmärkte attraktiver erscheinen, sendet rein ökonomisch betrachtet ein verheerendes Signal.

    Und machen wir uns nichts vor; der (mutmasslich unerfahrene) Kleinsparer der angesichts der weggefallenen Zinsen nun denkt "jetzt muss ich wohl doch auch mal an den Aktienmarkt gehen", der wird am Markt auf mittlere Sicht bei lebendigem Leib verspeist werden. Die gegenwärtige sehr schwierige Börsenphase ohne größere Verluste zu bestehen, setzt jahrelange Erfahrung und eingehendes Wissen über die Funktionsweise der Märkte voraus. Dabei kann ein von niedrigen Zinsen neu an die Börse gelockter Kleinsparer nur verlieren.

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