Sparprogramme
Börse: „Entlassungen helfen den Kursen“

Die Krise ist noch längst nicht ansgestanden. Unternehmen werden Tausende Arbeitsplätze streichen. Doch die Börse lässt sich davon nicht beirren. Im Gegenteil. Was den Zorn der Gewerkschafter entfacht, kommt bei Investoren gut an. Warum Aktienstrategen weiter mit steigenden Kursen rechnen.

FRANKFURT. Weltweit legen die Börsenkurse zu, als sei der Aufschwung nicht mehr zu bremsen. Dabei warnen Ökonomen, die Krise sei noch längst nicht ausgestanden. Sie rechnen mit einem stürmischen Herbst. In den Unternehmen stehen viele Stellen auf dem Spiel. Erst kürzlich kündigte BMW an, rund 10 000 Stellen zu streichen; bei der Deutschen Post trifft es 4 000 bis 5 000 Mitarbeiter, bei Henkel etwa 3 000.

Die Börse schockieren solche Nachrichten nicht mehr. Selbst die drohende Misere auf dem Arbeitsmarkt dürfte die gute Laune auf dem Börsenparkett nicht trüben. Denn inzwischen hat sich die Sichtweise der Börsianer geändert: Sparprogramme gelten nicht mehr als Symptom der Krise oder Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Was den Zorn der Gewerkschafter entfacht, kommt bei Investoren gut an. Den Aktienkursen dürften die Entlassungen helfen, sagt Markus Wallner, Aktienstratege bei der Commerzbank.

Will eine Firma in Krisenzeiten weiterhin schwarze Zahlen schreiben, muss sie entweder mehr verdienen oder die Kosten senken. Ob aus Mangel an Alternativen oder an Ideen - die meisten Unternehmer setzen auf die zweite Strategie. "Die Börse ist in ihrer Denkweise geradlinig und emotionsfrei. Man schaut auf die Erträge", sagt Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank. Das Motto laute: "Beklage dich nicht über die Krise, sondern sag mir lieber, wie du aus dieser gestärkt hervorgehst."

In den USA haben einige Unternehmen schon vorgemacht wie es geht, zum Beispiel die US-Kaffeehauskette Starbucks. Die präsentierte kürzlich Quartalszahlen, die besser ausfielen als erwartet. Nach einem Verlust im vorherigen Quartal meldete das Unternehmen diesmal einen Gewinn von rund 150 Mio. Dollar - allerdings nicht, weil der Umsatz gestiegen wäre, der ist sogar zurückgegangen, sondern aufgrund der Schließung zahlreicher Läden und durch Entlassungen. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Zahlen stieg der Kurs der Aktie im nachbörslichen Handel um zehn Prozent.

"Vogel friss oder stirb ist die Devise", sagt Halver. Würden die Unternehmen nicht sparen und damit ihre Wettbewerbssituation stabilisieren, seien die Folgen - auch für die Beschäftigten - noch schlimmer. Die meisten deutschen Unternehmen zögerten zwar noch. Spätestens im Herbst, nach der Bundestagswahl, könne sich das aber ändern. Halver rechnet damit, dass es vor allem in konjunkturabhängigen Branchen wie der Industrie zu Entlassungen kommt.

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