Speed-Investing
Paarungszeit für Investoren

Findige Banker verkuppeln Unternehmen und Anleger: In der harten Finanzwelt erfreut sich das sogenannte Speed-Investing immer größerer Beliebtheit. Beim Speed-Investing, einer zeiteffizienten Partnersuche mit großem Erfolgspotential, treffen zwölf Investoren auf zwölf Unternehmen – und nach einer Kurzpräsentation wird durchgewechselt.

LONDON. Ob Daniel Bradbury an diesem Tag seine weibliche Seite entdeckt? Der Portfoliomanager des Versicherers Canada Life hat sich auf eine Erfahrung eingelassen, deren Wurzeln im Reich der romantischen Liebe liegen und die doch in der harten Realität der Finanzwirtschaft zu Hause ist. Eine Erfahrung, die sich Speed-Investing nennt und deren Namensähnlichkeit mit dem Speed-Dating, der Hochgeschwindigkeitsromantik für gestresste Großstädter, alles andere als Zufall ist.

Für alle, die mit den Regeln der Blitz-Rendevous nicht vertraut sind, hier ein kurzer Überblick: Beim Speed-Dating treffen sich zwischen zehn und zwanzig romantisch gestimmte Singles, je zur Hälfte Männlein und Weiblein, die sich zehn bis zwanzig Minuten mit einem Partner in spe unterhalten; dann wird gewechselt, so lange bis jede mit jedem gesprochen hat. Am Ende füllen die Speed-Dater einen Fragebogen aus und kreuzen an, wen sie gerne wieder treffen wollen. Stimmen die Kreuzchen zweier Kandidaten überein, steht einem echten Rendezvous nichts mehr im Wege.

Diese zeiteffiziente Partnersuche hat den Investmentbankern der Allianz-Tochter Dresdner Kleinwort so gut gefallen, dass sie das Prinzip einfach für ihre profanen Zwecke übernommen haben. Die Vertreter der Investoren wie Daniel Bradbury übernehmen dabei den weiblichen Part, das heißt, sie bleiben an ihrem Platz sitzen, während das starke Geschlecht, in diesem Fall die um die Gunst der Anleger werbenden Firmen von Dame zu Dame wechseln. Sehr romantisch wirkt das Ganze aber nicht.

Der mit zwölf kleinen Tischen voll gestopfte Konferenzsaal im Londoner Hauptquartier von Dresdner Kleinwort erinnert eher an ein Klassenzimmer. Aber trotz der sterilen Umgebung erfüllt das Ganze offenbar seinen Zweck. Portfoliomanager Bradbury hat zur Hälfte der Veranstaltung schon drei Unternehmen getroffen, die er gerne wiedersehen würde. Anders als beim echten Speed-Dating muss er sich wohl keine Sorgen machen, ob die Zuneigung erwidert wird. Welche Firma würde schon einem potenten Neuaktionär einen Korb geben?

Wie kamen die Dresdner-Investmentbanker auf die Idee der schnellen Beziehungsanbahnung? Schuld an allem hat Albert Edwards. Edwards ist Anlagestratege bei Dresdner Kleinwort und dürfte zu den bekanntesten, aber auch zu den umstrittensten Vertretern seiner Zunft zählen. Er polarisiert gerne, so wie im März, als er auf dem Höhepunkt des Börsenbooms zum Verkauf von Aktien geraten hat. Edwards liegt beileibe nicht immer richtig, und das weiß er auch. „Nach 18 Jahren unwiderlegbarer Beweise für die menschliche Fehlbarkeit beim Timing unserer Anlagevorschläge, ist die Bereitschaft unsere Kunden, um Verzeihung zu bitten, fester Bestandteil meines Jobs geworden“, schrieb Edwards in einer seiner Studien. Im Laufe der Jahre ließ der Stratege seine Klienten nicht nur an seiner beruflichen, sondern auch an seiner privaten Fehlbarkeit teilhaben.

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