Spekulation mit kleinen Werten
Schnelles Spiel mit leeren Mänteln

Ein riskantes Spiel ist die Spekulation auf so genannte leere Börsengesellschaften. Dahinter verbergen sich betrieblich nicht oder nicht mehr tätige sowie insolvente Unternehmen. Börsenaspiranten vermeiden mit dem Kauf einer leeren AG-Hülle den aufwendigen und teuren Börsengang. Davon profitieren die Aktieninhaber der Alt-Unternehmen: Sobald der Börsenmantel mit neuem Inhalt gefüllt wird, steigen die Kurse oft sprunghaft an.

Dabei müssen die neuen Geschäftsaktivitäten nichts mehr mit dem ursprünglichen Unternehmen zu tun haben. So produziert die 1766 gegründete Württembergische Cattunmanufactur heute keine Textilien, sondern ist als WCM Beteiligungskonzern im MDax notiert. Eine solche Erinnerung an den Namen der alten Gesellschaft ist eher die Ausnahme. Die ehemalige BK Grundbesitz & Beteiligungs AG soll künftig beispielsweise als Reineke und Pohl Sun Energy AG firmieren. Und in den Zeiten des Neuen Marktes wurde die Aktie des Brauhauses Amberg als Net.IPO AG bekannt Sie erreichte während des Börsenbooms bis zu 130 Euro, bevor sie nach Platzen der New-Economy-Blase wieder auf ihr altes Penny- Stock-Niveau absackte, also weniger als einen Euro wert war.

Geeignete Spekulationsobjekte sind jedoch eher rar. Denn nicht jeder Börsenmantel eignet sich für einen Kauf. So sollten die Aktien der Alt-AGs möglichst in den Händen weniger Anteilseigner liegen. Das macht Unternehmen des ehemaligen Neuen Marktes für den Kauf meist ungeeignet, da sie einen großen Streubesitz aufweisen. Zusätzlich sollte der AG-Mantel frei von Altlasten sein. Denn für die Differenz zwischen Grundkapital und tatsächlichem Kapital haften die neuen Anteilseigner gegenüber den Altgläubigern.

Ein aktuelles Beispiel für Chancen und Risiken bei Mantelspekulationen ist die Aktie von German Broker - künftig vielleicht als Autowelt AG bekannt. Anfang Dezember hatte sie noch um 0,30 Euro notiert. Seit der Bekanntgabe des Börsenmantel-Kaufes durch die Autowelt AG hatte die Aktie ihren Wert vorübergehend um das Viereinhalbfache gesteigert. Der Abbruch der Hauptversammlung im März und der bisher fehlende Übernahmebeschluss ließ den Kurs aber wieder auf rund 0,80 Euro absacken.

Fazit: Wer mit Börsenmänteln das schnelle Geld machen will, muss rasch ein- und aussteigen können.

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