Spezielle Derivate für Standort Essen geplant
Unwetter wirbeln die Finanzwelt auf

Unwetter und Klimakatastrophen sorgen weltweit immer wieder für riesige Schäden. Auf diese Weise werden auch die Bilanzen der Unternehmen immer stärker durch das Wetter verhagelt. Beobachter zeigen sich daher überrascht, dass der Markt für Wetter-Derivate – Risikoinstrumenten wie Optionen, Futures und Swaps zur Absicherung bestehender Witterungsrisiken – bislang noch immer nicht den ganz großen Durchbruch geschafft hat.

Nach Berechnungen der Weather Risk Management Association (WRMA) – der globalen Branchenvereinigung für das Management von Wetterrisiken – lag der Nominalwert von Wetter-Derivaten Ende März 2004 um zehn Prozent über dem Vorjahr bei 4,6 Mrd. Dollar. Aktuellere Zahlen lägen zwar noch nicht vor, „der Markt dürfte im vergangenen Jahr jedoch ein deutlich stärkeres Wachstum erfahren haben“, sagt Felix Carabello, der an Chicago Mercantile Exchange (CME) für das Geschäft mit Wetter-Derivaten zuständig ist. Bisher ist die CME die einzige Terminbörse der Welt, die Wetter-Derivate anbietet.

Der größte Teil des Geschäfts mit diesen Risikosicherungs-Instrumenten wird an den OTC-Märkten (Freiverkehr) abgewickelt. Sowohl hier als auch an den Terminbörsen ist jedoch urplötzlich Schwung ins Geschehen gekommen. Dies auch deshalb, weil die Weltbank jetzt eine Task-Force eingesetzt hat, deren Aufgabe im weltweiten Know-how-Transfer beim Umgang mit Rohstoff- und Wetter-Risiken liegt. „Das Risikomanagement hat sich bereits erheblich verbessert“, sagt Robert Shiller von der Yale Universität, der einer der treibenden Kräfte dieser Idee ist. Derivate seien ein wichtiges Werkzeug, um den Wohlstand in der Welt zu erhalten beziehungsweise zu verbessern.

Immerhin seien mehr als 40 Prozent der Agrarwirtschaft in den Entwicklungsländern witterungsbedingten Risiken ausgesetzt, heißt es in einer Studie der Weltbank. Dies entspreche einer Schadenssumme von 429 Mrd. Dollar pro Jahr. Durch den Einsatz von Wetter-Derivaten könnten diese Risiken für die Agrarwirtschaft reduziert werden. Börsen könnten beim Erreichen dieses Zieles helfen.

„Das starke Wachstum an der Chicago Mercantile Exchange signalisiert die positive Entwicklung der gesamten Branche“, sagt Brian O'Hearne von der WRMA. Die Terminbörse stelle der noch jungen Branche eine funktionierende Handelsplattform zur Verfügung, durch die mehr Transparenz und Liquidität geboten werde. „Phänomenal“ sei das Geschäft mit Wetter-Derivaten an der größten Terminbörse der USA gerade in den ersten fünf Monaten des Jahres verlaufen, sagt Carabello. Nach einem durchschnittlichen Umsatz von 377 Kontrakten am Tag während des Jahres 2004 lag der durchschnittliche Tagesumsatz im bisherigen Jahresverlauf bei 1 800 Kontrakten. „Im Monat Mai sind die Umsätze dann sogar auf durchschnittlich 3 500 Kontrakte am Tag gestiegen“, freut sich Carabello. Auch das „open interest“, die Zahl der noch nicht durch ein Gegengeschäft glattgestellten Kontrakte, habe zuletzt erstmals die Marke von 100 000 Kontrakten überstiegen. Das „open interest“ ist eine wichtige Orientierungsgröße, die Aufschluss über die Liquidität und damit über den Erfolg einer Terminbörse gibt.

Die Ursache für das anspringende Geschäft sieht der Fachmann in der steigenden Zahl von Marktteilnehmern und die dadurch bedingte Häufigkeit von Abschlüssen. „Wir haben innerhalb des vergangenen Jahres rund 20 Prozent mehr Teilnehmer im Handel mit Wetter-Derivaten“, sagt Carabello. Die zunehmende Akzeptanz von börsennotierten Wetterrisiko-Produkten will die CME für eine Ausweitung ihrer Produktpalette nutzen. Bislang werden Temperatur-Kontrakte auf 15 amerikanische Großstädte sowie auf die europäischen Zentren London, Paris, Amsterdam, Stockholm und Berlin gehandelt. Man denke angesichts der zunehmenden Akzeptanz darüber nach, zusätzlich Wetter-Derivate für die Großstädte Barcelona, Madrid, Rom und Essen aufzunehmen.

Seite 1:

Unwetter wirbeln die Finanzwelt auf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%