Squeeze-out-Kandidaten mit Potenzial
Nicht jeder Abschied muss schwer fallen

Die dänische Carlsberg Brauerei hat gestern bekannt gegeben, die verbliebenen Aktionäre der Holsten-Brauerei im Wege eines Squeeze-out aus dem Unternehmen zu drängen. Das ist der jüngste Fall, in dem Unternehmen von der Möglichkeit Gebrauch machen, sich mit diesem Vehikel der lästigen Kleinanleger zu entledigen.

DÜSSELDORF. Seit der Einführung des Übernahmegesetzes Anfang 2002 haben Investoren, die mit mindestens 95 Prozent an einem Unternehmen beteiligt sind, das Recht, Minderheitsaktionäre gegen eine Barabfindung aus dem Unternehmen zu quetschen, daher der Ausdruck „Squeeze-out“. Und diese Karte haben seither über 250 Investoren gezogen, sagt Hans-Ulrich Wilsing, der für die Kanzlei Linklaters & Partner 35 Squeeze-outs betreut hat.

In den vergangenen zwei Jahren haben Anleger, die auf einen Squeeze-out spekulierten nicht selten einen goldenen Schnitt gemacht – wenn die Abfindung deutlich über dem aktuellen Kurs lag: So freuten sich die Aktionäre der Kölner Ford-Werke über einen Gewinn von 103 Prozent und die Anteilseigner von Hapaq Lloyd über einen Kurssprung von 70 Prozent.

Gewinne dieser Größenordung sind allerdings eher selten, sagt Christoph Schäfers von der auf Nebenwerte spezialisierten Falkenstein AG. Auch, weil die Auswahl an viel versprechenden Abfindungskandidaten geringer wird. „In den kommenden Jahren wird es nicht mehr als zehn Abfindungsangebote pro Jahr geben“, sagt Wilsing. In den vergangenen zwei Jahren hätten vor allem die Großaktionäre, die schon länger mit über 95 Prozent an einer AG beteiligt waren, die neue Squeeze- out-Regelung genutzt, um sich von den Kleinaktionären zu trennen, sagt Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Zudem müssen Anleger, die auf einen Squeeze-out spekulieren einen langen Atem haben, denn es kann mitunter Jahre dauern, bis tatsächlich Gewinne fließen. In den meisten Fällen streben die Kleinaktionäre nach Bekanntgabe des Squeeze-out ein Spruchverfahren an, in dem die Höhe der Abfindung überprüft wird. Damit verbinden die Minderheitsaktionäre die Hoffnung auf eine Nachbesserung des Abfindungsangebotes. Allein im vergangenen Jahr hat die SdK deshalb bei jedem dritten Squeeze-Out ein Spruchverfahren eingeleitet. Bei einem Teil der Verfahren seien dabei Nachbesserungen von bis zu 50 Prozent fällig geworden, sagt Keitel.

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