Staatsfonds
Die neue Kraft kommt aus Nahost

Wohin nur mit all dem vielen Geld? Die Länder des Golfkooperationsrats (GCC) haben in diesen Tagen wahrlich Luxusprobleme. Sie nutzen ihr vieles Geld, um in Infrastruktur und ausländische firmen zu investieren - und stützen damit die weltweiten Finanzmärkte.

DÜSSELDORF Laut den jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IMF) beläuft sich der kombinierte Haushaltsüberschuss der sechs ölreichen Golfanrainer auf aktuell 220 Mrd. Euro pro Jahr. Das sind 7 000 Euro pro Sekunde. Das Wirtschaftswachstum beträgt aktuell 6,5 Prozent. Die IMF-Prognosen fußen allerdings auf einem weit niedrigeren Ölpreis als den aktuell über 120 US-Dollar je Barrel - auch bei Preisen von 50 US-Dollar je Fass erwirtschaften die Golfstaaten Überschüsse, die jene Chinas locker übertreffen.

Auch asiatische Staaten haben ihre Lektion während der Krisen der 80er und 90er Jahre gelernt und bunkern inzwischen hohe Devisenreserven, die auf Grund des Exportbooms und strikter Haushaltsdisziplin schnell wachsen. Umgerechnet knapp fünf Billionen Euro haben die größten asiatischen Schwellenländer plus die vier Bric-Staaten inzwischen akkumuliert, die Golfstaaten kommen auf rund 600 Mrd. Euro, Tendenz steigend. Im Zuge der Globalisierung hat sich das Wachstum der weltweiten Devisenreserven in den letzten fünf Jahren auf Raten von 20 Prozent pro Jahr nach zuvor zehn bis zwölf Prozent deutlich beschleunigt. Anstatt weiter in niedrig verzinste Dollar-Anleihen inklusive Währungsrisiko zu investieren, gründen inzwischen immer mehr Länder so genannte Staatsfonds - also Anlagevehikel, die Rohstoffeinnahmen, sonstige Exportüberschüsse und Devisenreserven diversifizierter und rentabler anlegen sollen als bisher. Sie sind in ihren Anlagen ähnlich frei wie Hedge-Fonds und investieren in die gesamte Anlagen-Palette:von Aktien über Anleihen bis hin zu Rohstoffen und Private Equity. Häufig dienen die Staatsfonds auch als Zukunftsinvestition, um sich - etwa wie in Russland oder in einigen Golfstaaten - Einnahmequellen für die Zeit nach dem Ölboom zu sichern.

Laut Studien der Deutschen Bank kommen die zehn größten Staatsfonds schon heute auf ein verwaltetes Vermögen von knapp 2 000 Mrd. Euro (zwei Billionen Euro). Erst vergangene Woche kündigte Thailand an, einen Staatsfonds auflegen zu wollen. Die Investmentbank Morgan Stanley schätzt, dass sich das verwaltete Vermögen der Staatsfonds binnen der nächsten sechs bis acht Jahre je nach Konjunkturverlauf auf sieben bis zwölf Billionen Euro erhöhen könnte. Insgesamt besitzen die Golfstaaten selbst unter konservativen Annahmen Ölreserven im Wert von 30 Billionen Euro. Zum Vergleich: Alle deutschen Aktien zusammen kommen auf eine Marktkapitalisierung von gerade einmal 0,9 Billionen Euro.

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