Stadtstaat Singapur
Die Schweiz Asiens

Kein Finanzzentrum profitiert stärker von der Asien-Expansion der Vermögensverwalter als Singapur. Aggressiv sucht der Stadtstaat sein Heil in dieser Nische, nachdem er dem Erzrivalen Hongkong den Vortritt als Investment-Banking-Zentrale der Region gewähren musste. Damit wird Singapur zum ernsten Konkurrenten für die Schweiz.

SINGAPUR. Ravi Rajus Arbeitsplatz lässt nicht an eine Bank denken: Schon der Empfang im 20. Stock eines nagelneuen Wolkenkratzers ähnelt mehr einer dezent abgedunkelten Nobel-Lounge. Dahinter dämpfen tiefe Teppiche jeden Schritt; Kunst ziert die Wände, und auf der ganzen Etage herrscht vornehme Stille. Die Exklusivität hat ihren Grund: Wer hier bedient werden will, muss mindestens zwei Millionen Euro anlegen. „Aber der Durchschnitt liegt sehr viel höher“, verrät der oberste Privatbankier der Deutschen Bank in Asien.

Der Anlageberater kredenzt Espresso in feinstem Porzellan und bittet an einen edel schimmernden Tropenholztisch. Dahinter gibt ein Panoramafenster den Blick frei auf den größten Containerhafen der Welt. Davor liegen Hunderte Schiffe auf Reede, um Produkte der Region nach Amerika und Europa abzutransportieren. Asien boomt. Das macht es auch für Rajus Branche zum wichtigsten Wachstumsmarkt.

Die Private-Banking-Sparte des Frankfurter Instituts hat ihr Geschäft dort seit 2003 verdoppelt. Mit 600 Mitarbeitern verwaltet sie nun für vermögende Asiaten 20 Milliarden Euro. Das entspricht zwar erst einem Zehntel des weltweiten Geschäfts. „Aber das Marktwachstum liegt weit höher als im Rest der Welt“, sagt Raju. Er rechnet mit Zuwächsen von einem Viertel pro Jahr – „für mindestens die nächsten fünf Jahre“. Sein Institut konzentrierte sich auf Unternehmer. Sie kommen in Asien derzeit besonders schnell zu Reichtum.

Auch Robbert-Jan Voogt sprüht vor Zuversicht. „Das Potential ist riesig“, findet der Regionalchef von Fortis Private Banking. Vor allem in China und Indien würden riesige Vermögenswerte geschaffen, und das noch auf lange Zeit. Dass zugleich die Konkurrenz immer härter wird, schreckt Voogt daher nicht. „Die Nachfrage wächst so schnell, dass sich hier große Chancen für viele auftun, von Universalbanken bis Nischenanbietern“, erklärt der joviale Holländer und lehnt sich tief in seinen Bürostuhl zurück.

Hinter ihm öffnet sich ein schwindelerregender Blick auf die blitzenden Glastürme des Finanzdistrikts. Mit einer ausladenden Handbewegung in Richtung Fenster beschreibt Voogt den derzeitigen Run auf Singapur: „Sie finden inzwischen nirgends auf einem Quadratkilometer mehr Privatbanken hier.“ BNP Paribas baut sogar eine neue Abteilung auf, die auf Ultra-Reiche zielt. Mindestanlage: 50 Millionen Dollar.

Kein Finanzzentrum profitiert stärker von der Asien-Expansion der Vermögensverwalter. Aggressiv sucht der Stadtstaat sein Heil in dieser Nische, nachdem er dem Erzrivalen Hongkong den Vortritt als Investment-Banking-Zentrale der Region gewähren musste. „Singapur wird zum ernsten Konkurrenten der Schweiz“, meint Voogt. Für ihn ist es „mit der beste Private Banking Standort der Welt“.

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