Stärkerer Dollar verteuert amerikanische Güter im Ausland
Europäische Aktien bremsen US-Titel aus

Analysten schrauben ihre Gewinnprognosen für hiesige Firmen hoch und befürchten negative Überraschungen in den USA.

NEW YORK/DÜSSELDORF. In den USA beginnt die Saison der Quartalsberichte unter schwierigen Vorzeichen. Erstmals seit langem dürften viele US-Unternehmen Mühe haben, die Erwartungen der Analysten zu erfüllen. Ganz anders ist das Bild in Europa: Hier revidieren die Investmenthäuser ihre Gewinnschätzungen nach oben. Für die Aktienmärkte verheißt das Potenzial.

Geht es nach den Einschätzungen der Analysten, dürfte der gerade veröffentlichte und über den Erwartungen liegende Rekordgewinn des weltgrößten Aluminiumherstellers Alcoa im zweiten Vierteljahr kaum der Startschuss für eine brillante Berichtssaison auf der anderen Seite des Atlantiks sein. Thomson Financial veranschlagt ein Gewinnwachstum der S&P-500-Firmen von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Bei dem Finanzdatendienst laufen die Prognosen der großen Investmenthäuser und Unternehmen zusammen. Vor drei Monaten lag die Prognose noch bei 8,8 Prozent.

Rasante Gewinnsprünge wie in den Vorquartalen dürfen Investoren also nicht erwarten. Im ersten Quartal hatten die S&P-500-Firmen um 13,8 Prozent zugelegt. Im Quartal davor betrug das Plus sogar 19,7 Prozent. „Die US-Unternehmen erzielen immer noch ordentliche Gewinne, aber sie wachsen nicht mehr so dramatisch“, sagt Thomson-Financial-Analyst John Butters.

Die gedämpfte Stimmung der Analysten entspricht der Lage in den Unternehmen. In den USA veröffentlichten zuletzt ungewöhnlich viele Großkonzerne Hiobsbotschaften. Laut Thomson Financial warnten 104 der S&P-500-Firmen vor einem unerwartet niedrigen Quartalsgewinn. Derweil kündigten nur 40 Index-Mitglieder an, die Erwartungen zu übertreffen. Das ist das schlechteste Verhältnis seit Anfang 2003 – und ein Warnsignal.

Tobias Levkovich, US-Aktienmarkt-Chefstratege der weltgrößten Bank Citigroup, nennt den starken Dollar und den hohen Ölpreis als Belastungsfaktoren. Seit Jahresbeginn verteuerte sich der Dollar gegenüber dem Euro um zehn Prozent. Der Ölpreis legte 50 Prozent zu. Der stärkere Dollar verteuert amerikanische Güter im Ausland. Das teure Öl treibt die Rohstoffkosten für die Unternehmen und belastet über höhere Benzinkosten die Kaufkraft der Verbraucher. „Unsere Indikatoren sprechen für eine gebremste Gewinndynamik“, erklärt Levkovich in einer aktuellen Studie.

Womöglich sind Analysten und Investoren längerfristig noch immer zu optimistisch. Davor warnt Anlagestratege Phil Isherwood von der Allianz-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein. Nach seinen Berechnungen erwarten Analysten für 2006 im Schnitt Gewinnsteigerungen in den USA von 11,8 Prozent. Der Dresdner-Experte hält dies für unrealistisch hoch.

Seite 1:

Europäische Aktien bremsen US-Titel aus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%