Stammzellenforschung
Nur die Hoffnung zählt

Die mit der Stammzellenforschung verbundenen großen Hoffnungen werden an den Aktienbörsen noch weitgehend ignoriert. Bei privaten und institutionellen Anlegern ist dieses Zukunftsthema bis heute noch nicht wirklich angekommen, wie eine Handelsblatt-Umfrage zeigt. An der Stammzellenforschung scheiden sich die Geister.

FRANKFURT. „Für Investments in diesem Life-Science-Bereich ist es noch zu früh“, sagt Carmen Tang von Sectoral Asset Management in Montreal, die für die Schweizer Bank Pictet deren „PF-Biotech-Fonds“ managt. Auch andere Fondsmanager sehen wegen des sehr frühen Forschungsstadiums Kapitalanlagen in die rund zehn börsennotierten Unternehmen dieses Sektors mehr Chancen als Risiken. „Theoretisch ist das Potenzial zwar riesengroß“, sagt Markus Manns, der für Union Investment den Fonds „Unisector - Gentech“ managt. Bislang hätten die forschenden Gesellschaften noch nicht wirklich nachgewiesen, dass die Erwartungen an die neue Technologie nicht überzogen seien.

Die Forschung an embryonalen Stammzellen ist umstritten und in Deutschland – anders als im Ausland – grundsätzlich verboten. Verwendet werden dürfen hier zu Lande nur Zelllinien, die aus dem Ausland stammen und vor 2002 angelegt wurden. Wenn Stammzellen dem Körper von Patienten entnommen werden, sind die ethischen Bedenken dagegen geringer. Fachleute sind optimistisch, dass die Erforschung von Stammzellen langfristig zum größten Durchbruch der Medizinforschung seit der Erfindung von Antibiotika führt.

Mediziner erhoffen sich Therapien für bislang unheilbare Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose. Kirchen lehnen die Forschung aus ethischen Gründen vor allem dann ab, wenn bei der Verwendung von Zellen Embryos vernichtet werden. In diesem Kontext sprachen Politiker in Brüssel zuletzt davon, dass von der EU-Forschungsförderung keine finanziellen Anreize zur Tötung von Embryos ausgehen dürften. Es sei zu verhindern, dass sich für Stammzellenforschung eine globale „Abtreibungsindustrie“ etabliere. Allerdings darf die Forschung an embryonalen Stammzellen in der EU weiter finanziell gefördert werden.

Die USA sind in der Stammzellenforschung trotz der Kontroversen führend. Auch wenn US-Präsident Bush sein Veto gegen den „Stem Cell Research Enhancement Act“ von 2005 eingelegt und den Einsatz von embryonalen Stammzellen weitgehend untersagt hat, läuft die Forschung weiter. Vorreiter ist dabei der Bundesstaat Kalifornien, dessen Gouverneur Arnold Schwarzenegger unmittelbar nach der Bush-Entscheidung dem 2004 errichteten California Stem-Cell Institute neue Finanzierungshilfen zusagte. Innerhalb von zehn Jahren will Kalifornien über das Institut drei Mrd. Dollar für die Erforschung von Stammzellen zur Verfügung stellen.

Die ethischen Bedenken werden bei forschenden Unternehmen ernst genommen. Hier verstärkt man daher inzwischen die Anstrengungen auf die Forschung mit so genannten adulten Stammzellen, die Patienten etwa aus dem Rückenmark entnommen werden. „Die Stammzellenforschung wird erst noch zu einem wichtigen Thema“, sagt Hans Leitner, Fondsmanager der Erste Sparinvest in Wien. Das Interesse werde sich wohl hin zu jenen Unternehmen verlagern, die mit adulten Stammzellen arbeiteten.

Interessierte Anleger müssten sich über die Risiken von Investments in diesem Zukunftsbereich im Klaren sein, sagen Manns und Leitner. Die Erfolgsrate in der Medizin- und Pharmaforschung sei sehr gering. „Nur etwa zehn bis zwanzig Prozent der in der Phase I klinischer Anwendungen getesteten Mittel erlangen Marktreife“, sagt Fondsmanagerin Tang. Für die Stammzellenforscher sei der Weg zum Markt noch lang. Es sei noch nicht einmal absehbar, wann Erzeugnisse zu ersten klinischen Tests zugelassen würden.

Anleger, die sich für diesen Zukunftsbereich interessieren, sollten wissen, dass der Kauf von Aktien der hier tätigen Unternehmen mit dem Erwerb eines Lottoscheins verglichen werden kann. Das Ergebnis könnte also sein: Hauptgewinn oder Niete. Das in diesem Bereich in Unternehmen investierte Kapital stammt bisher vornehmlich von Geldgebern der Private-Equity-Branche und risikobereiten Großanlegern. Ein attraktiver Weg, um diesen Bereich trotzdem im Portfolio abzudecken, seien Investments in Biotechnologie-Unternehmen, die die Stammzellenforschung als Randgebiet betrieben, sagen Fachleute. Tang weist auf Unternehmen wie Celgene und Genzyme hin, die diese Kriterien erfüllen.

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