Starinvestor
Angst um Warren Buffett vor Aktionärsversammlung

„Woodstock für Kapitalisten“ nennt US-Starinvestor Warren Buffett selbst das jährliche Aktionärstreffen seiner Firma. Doch dieses Jahr fehlt die übliche Unbeschwertheit. Der Guru hat Krebs und die Aktie läuft nicht gut.
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Omaha, NebraskaEs war ein Schock für die Jünger des wohl berühmtesten Börsengurus weltweit. Warren Buffett hat Krebs! Mitte April überraschte der 81jährige Milliardär seine Anhängerschaft mit der Offenlegung seines Gesundheitszustands. Konkret: Er hat Prostatakrebs, nach eigener Aussage im Frühstadium. „Es hat mich ganz schön mitgenommen“, sagte Nelly Skribnik. „Deshalb bin ich hergekommen, um ihn mir selbst anzusehen“, so die 77-jährige Aktionärin.

Im Grunde sei Prostatakrebs ja kontrollierbar, meint sie. Trotzdem wolle sie ihm selbst ein Bild davon machen, wie der Maestro so drauf ist. Wie andere Aktionäre auch erhofft sie sich zudem Aussagen darüber, wer denn der geheimnisumwitterte und bislang unbekannte Kandidat für die Nachfolge sein könnte.

An diesem Freitagabend beginnt das alljährliche Spektakel am Firmensitz in Omaha mit einem Cocktailempfang. Ort des Geschehens ist eine Niederlassung des Juweliers Borsheim’s, der Buffetts Firma Berkshire Hathaway gehört. Der Ort ist nicht von ungefähr gewählt, denn Borsheim’s gewährt in diesem Tagen – wie diverse andere Firmen des Großmeisterns - allen Aktionären enorme Rabatte. Die Hauptversammlung ist für viele Anteilseigner eben auch ein ausgedehnter Shopping Trip.

Buffett, der die Krankheit herunterspielt und sich erst im Juli einer Behandlung unterziehen will, wird bei dem Cocktailempfang erwartet. Dann wird man erstmals in der Öffentlichkeit sehen, ob es stimmt, dass er – wie er selbst behauptet – weiter voller Energie steckt.

Die, die ihn oft sehen, behaupten jedenfalls, er wirke aktiv wie immer. „Sicher, man merkt, dass es ihm nahe geht“, sagt Buffetts Friseur Stan Docekal. Der ebenfalls 81-Jährige betreibt einen kleinen Friseurladen im Kellergeschoss der Zentrale von Berkshire Hathaway.

Er schneidet Buffett seit fast 20 Jahren alle paar Wochen die Haare, bevorzugt an ruhigen Samstagmorgen. „Äußerlich wirkt er gesund und munter“, so Docekal. Er sei überzeugt, dass Buffett genau wisse, was er tue. Wenn er glaube, dass es ihn beeinträchtigt, wird Buffett damit sicher an die Öffentlichkeit gehen.

Buffets Rolle für Aktionäre schwer einzuschätzen

Auch in Buffetts Liebslingssteakhaus, Gorat’s, in das der Starinvestor mehrfach im Monat einkehrt, spricht man nur Gutes über dessen Zustand. „Ich kenne ihn sei 37 Jahren“, sagt Manager Steve Branecki. „Er kommt wie immer mit ein paar Freunden, setzt sich ruhig in die Ecke und isst sein Steak“, so der Schwiegersohn von Restaurantgründer Paul Gorat, der mit Buffett zur Schule ging. „Auf mich wirkt er wie immer“, meint Branecki. Gorat’s ist jedes Jahr am Hauptversammlungswochenende eine Pilgerstätte der Buffett Fans. „Wir machen in den vier Tagen so viel Umsatz wie sonst an einem Monat“, sagt der Manager.

Für die Aktionäre hat die mitunter skurrile Züge annehmende Diskussion um Buffetts Gesundheit einen ganz handfesten Hintergrund. Sie verschärft eine seit Jahren anhaltende Nachfolgedebatte, die den Aktienkurs von Berkshire Hathaway belastet.

Bereits im dritten Jahre in Folge entwickelt sich der Wert der Aktie schlechter als der US-Auswahlindex S&P-500. Seit dem Aktionärstreffen 2011 fiel der Kurs um zwei Prozent. Der S&P-500 stieg im gleichen Zeitraum um fast drei Prozent. Es sei auch die „fehlende Klarheit“ über die Nachfolge, die wohl den Kurs belaste, so Cliff Gallant, Analyst beim angesehenen Brokerhaus KBW. Buffett hat die Firma aufgebaut und sich seine Aktionäre damit reich gemacht.

Der Löwenanteil des Vermögens von 44 Milliarden Dollar des drittreichsten Mannes der Welt steckt in Berkshire Hathaway. Buffett und seine Firma seien so eng miteinander verwoben, dass es schwer sei, die Wichtigkeit seiner Rolle genau abzuschätzen, meint Meyer Shields, Analyst bei Stiefel Nicolaus.

Experte Gallant und ein andere Analyst werden Buffett in diesem Jahr auf der für fünf Stunden angesetzten Hauptversammlung Fragen stellen. Ein Novum. Bislang war dieses Recht den Aktionären vorbehalten. Beide Experten empfehlen die Aktie von Berkshire Hathaway zum Kauf.

Ob die Aktionäre danach mehr Klarheit haben werden, ist völlig offen. Bislang wissen sie jedenfalls nur, dass Buffett einen Kandidaten im Auge hat, der aber selbst nicht weiß, dass er ausgewählt ist. Zudem hat Buffett erklärt, er habe zwei weitere Kandidaten in Reserve. Und das ist auch gut so: Denn der lange als Favorit auf den Thron von Buffett gehandelte Berkshire-Manager David Sokol, musste 2011 wegen eines Insiderskandals das Feld räumen.

Er soll privat Aktien von Firmen gekauft haben, die sich Buffett für einen Einstieg angesehen haben soll. In der Regel steigen Aktien stark, wenn bekannt wird, dass der Milliardär in sie investiert.

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  • Er hat ein riesiges Vermögen durch kluge Langfristinvestments angehäuft, lebt bescheiden in seinem Mittelstandshaus, hat große Teile seines Vermögens gespendet und nicht vererbt oder verprasst, ist seit Ewigkeiten mit der selben Frau verheiratet, hat gesunde, erfolgreiche Kinder und noch immer Freude an der Arbeit. Ich bewundere ihn und wünsche ihm noch möglichst viele Tage auf Erden.

  • an Tomm

    Mein Gott, was wollen Sie eigentlich? Der Mann ist 81 Jahre! Das schaffen die Meisten nicht, auch ohne Coca Cola und mit "gesunder" Ernährung (was immer das auch sein soll).

  • Es ist eine schmach, wie einer der reichsten Menschen auf diesem Planete gelebt hat. Ist es ein Wunder, daß er jetzt an Krebs erkrankt ist? Das Saufen, ich benutze bewußt dieses Wort, dieser braunen Brühe, die sich Coca Cola nennt, muß zwangsläufig zu Erkrankungen aller Art führen. Dazu kommt, daß er auch noch größte Aktien-Besitzer dieser Marke ist und davon überzeugt war und ist, zwangsläufig dieses Gesöff zu sich zu nehmen. Dazu kamen und kommen noch andere Ernährungsfehler hinzu. Und dann weiter keine Antworten dem Körper zu geben mit den darin lebenden Organen. Ich gönnen ihm noch weitere Jahre des Lebens, glaube aber, daß seine Zeit bald gekommen ist.

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