Starinvestor
Warum Buffett nicht mehr gegen Hedgefonds wettet

Vor zehn Jahren wettete Warren Buffett, mit einem billigen Massenprodukt mehr Rendite einzufahren als ein Hedgefonds-Depot – und gewann. Jetzt steht der nächste Herausforderer bereit, doch Buffett reagiert überraschend.
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DüsseldorfEigentlich ist sich Warren Buffett sicher: Mit einem börsengehandelten passiven Fonds (ETF) könne er über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr Rendite erzielen als die große Mehrheit professioneller Hedgefonds-Manager, die aktive Fonds verwalten. Erst in diesem Jahr hat er genau so eine Wette gegen Ted Seides, damals Manager bei der Anlagefirma Protégé Partners, gewonnen. Das Ergebnis war eine Blamage für die Branche. Einen neuen Herausforderer hatte Buffett bereits gefunden, doch dann machte er überraschend einen Rückzieher.

Zehn Jahre sollte die nächste Wette dauen, genau wie die erste. Buffetts neuer Herausforderer: Mark Yusko, Gründer und Chef-Anlagestratege des Hedgefonds Morgan Creek. Der Wetteinsatz sollte eine Million Dollar betragen. Doch Buffett hat ein Problem. In zehn Jahren wäre der Starinvestor 97 Jahre alt. In einer Mail an Yusko schrieb er daher, dass er dann höchstwahrscheinlich nicht mehr in der besten Verfassung sein werde, um über die Ergebnisse zu sprechen.

Mark Yusko reagierte enttäuscht auf den Rückzieher. Eine solche Wette mit Warren Buffett hätte das öffentliche Interesse auf das wichtige Thema von aktiven gegen passiven Fonds aufrecht erhalten. Denn die Branche steckt, nicht zuletzt wegen der ersten verlorenen Wette, in einer Legitimationskrise. Warum sollten Anleger einem Hedgefonds-Manager vertrauen und ihm Gebühren zahlen, wenn sie bei einem passiven Fonds höhere Rendite erzielen könnten? Mark Yusko will beweisen, dass Hedgefonds-Manager doch höhere Renditen erzielen können und sucht deshalb nach einem neuen Wettpartner.

In seiner ersten Wette, die Buffett 2008, mitten in der weltweiten Finanzkrise, mit Ted Seides abschloss, ging es um eine halbe Million Euro. Schon Monate vor Ablauf der 10-Jahres-Frist gestand Seides seine Niederlage ein. So erzielte der S&P 500 bis zum Mai diesen Jahres eine durchschnittliche jährliche Performance von 7,1 Prozent. Das von Seides zusammengestellte Hedgefonds-Depot kam nur auf 2,2 Prozent.

Wie groß der Unterschied wirklich ist, wird beim Vergleich mit Dollarbeträgen klar: Wer vor 2008 eine Million Dollar in die Hedgefonds investiert hätte, würde 2017 einen Gewinn von 220.000 Dollar bilanzieren. S&P 500-Anleger dagegen würden 854.000 Dollar einstreichen können.

Auch wenn Buffett nicht für eine erneute Wette bereit steht, ist der davon überzeugt, dass passive Fonds rentabler seien. Das liege ganz einfach daran, dass Manager von aktiven Fonds Gebühren verlangen, die die Rendite für die Anleger zu sehr schmälern würden.

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