Steigende Katastrophengefahr
Die unbekannte Gefahr

Die steigende Zahl von teilweise unbekannten Risikoquellen mit möglichen katastrophalen globalen Folgen stellen Ökonomien, Unternehmen und die Finanzmarktteilnehmer vor große Probleme. Wissenschaftler und Praktiker arbeiten an verschiedenen Lösungsansätzen.

FRANKFURT. Die Palette der Ideen reicht von verbesserten statistischen Prognoseansätzen über Expertengremien bis hin zum Rückgriff auf organisierte Wettmärkte. Dagegen setzen Investmentstrategen stärker auf reale Vermögensobjekte und arbeiten unter anderem mit Depotabsicherungen und Optionen.

Der Blick auf globale Risiken wird immer wichtiger. Davon ist auch das Weltwirtschaftsforum WWF in Genf überzeugt. Die private Stiftung mit Wirtschaftsführern, Politikern und andere Persönlichkeiten aus der Gesellschaft als Mitgliedern lancierte einen Report, der die globalen Risikoquellen zu orten und zu bewerten versucht („Global Risks 2006“). „Ziel ist es im ersten Schritt, das allgemeine Verständnis für die zunehmenden Gefahren zu erhöhen“, sagt WWF-Mann Jesse Fahnestock. Er betont: „Die Globalisierung ist ein wesentlicher Treiber dafür, dass diese Risiken komplexer werden, immer stärker miteinander vernetzt sind und damit auch die Potenziale für Ereignisse mit katastrophalen Folgen wachsen.“

Der umfangreiche Report lokalisiert für den Zeitraum bis 2015 rund 30 Problemfelder und ordnet ihnen Eintrittswahrscheinlichkeiten sowie mögliche Folgen zu. Nach Ansicht des WWF hat beispielsweise ein großes Erdbeben in Tokio nur eine Wahrscheinlichkeit von weniger als einem Prozent. Es würde aber im schlimmsten Fall über eine Million Tote fordern und mehr als eine Billion Dollar an Schäden verursachen (siehe „Die größten langfristigen Risiken bis 2015“).

Die Versuche der Einschätzung derartiger Risiken fördern ein Problem ans Licht. Manche Risiken sind zwar bekannt, und ihre Ursachen, Eintrittswahrscheinlichkeiten und Folgen sind ungefähr abschätzbar, etwa bei Naturkatastrophen. Dagegen lassen sich andere Risiken wie beispielsweise terroristische Anschläge kaum mit Eintrittswahrscheinlichkeiten belegen oder in ihren Folgen erfassen. Darüber hinaus gibt es Risiken, die möglicherweise erst in Zukunft ins Bewusstsein dringen werden, beispielsweise die Gefahren elektromagnetischer Wellen – dazu kommen Risiken, die heute noch niemand kennt.

„Praktisch definitionsgemäß kommen echte Katastrophen unerwartet“, beschreibt Michael Mauboussin ein Kernproblem. Der Chef-Anlagestratege der US-Investmentgesellschaft Legg Mason Capital Management denkt ähnlich wie Wissenschaftler Taleb (siehe „Ökonomen versagen bei Prognosen“), wenn er urteilt: „Die gängigen Risikomanagementmodelle sind unterdurchschnittlich, weil sie Ereignisse mit extremen Folgen für die Finanzmärkte kaum berücksichtigen.“ Der Legg-Mason-Experte erkennt weitere Unwägbarkeiten: „In schwierigen Lagen wie beispielsweise bei der Pleite des Hedge-Fonds LTCM vor einigen Jahren entwickeln sich plötzlich auch andere Vermögensformen völlig unerwartet.“

Investmentstrategen finden bei ihren Risikomanagementmodellen kaum Lösungen für diese außerordentlichen Ereignisse. Oft basieren die verwendeten Modelle auf der so genannten Normalverteilung von Renditen. Diese unterstellt eine gleichmäßige Verteilung der kurzfristigen Renditen um ihren langfristigen Durchschnitt. „Aber manche Risiken mit extremen Folgen kommen schlagartig und häufiger als in diesem Konzept unterstellt“, sagt Heinz-Werner Rapp, Chefstratege von Feri Wealth Management. Er empfiehlt daher, immer auch die möglichen Effekte plötzlicher, sehr starker Rückschläge einzubeziehen und dabei zunehmend gleichgerichtete Entwicklungen an den Finanzmärkten zu unterstellen.

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