Steigende Konsumbereitschaft
Einzelhändler sind wieder gefragt

Die Fußball-WM war nur der letzte Auslöser: Einzelhandelsaktien, die über Jahre hinweg bei Analysten und Investoren als weitgehend chancenlos eingestuft wurden, erleben eine Renaissance. Allerorts profitieren die Konzerne von einer steigenden Konsumbereitschaft der Kunden. Aktienanalysten raten zum Einstieg

FRANKFURT. Einzelhändler wie Metro, Douglas und Karstadt-Quelle, aber auch deren Lieferanten wie die Konsumgüterhersteller Henkel und Beiersdorf oder das Modelabel Hugo Boss finden sich wieder in den Empfehlungslisten der Banken. Sie nehmen damit die Plätze ein, die vor kurzem noch Werte aus den Branchen Stahl und Chemie oder Investmentbanken innehatten. Diese sollen nun ihre Höchststände erreicht haben, heißt es von vielen Banken.

Damit setzt sich hier zu Lande ein Trend fort, der im europäischen Ausland bereits seit längerem zu beobachten ist. Aktien wie die französische Carrefour oder die britische Tesco erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit.

„Spätzykliker wie Einzelhandelswerte profitieren vom temporären Anziehen des Konsums“, sagt Wolfgang Sawatzki vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Zwar sind die Bewertungen nicht mehr ganz günstig. Metro weist für das kommende Jahr ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 15 aus, Karstadt-Quelle liegt bei 12 und Douglas sogar bei fast 18. Weil sich der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels sehr zuversichtlich zur Umsatzentwicklung im zweiten Halbjahr geäußert hat, dürfte dies direkten Einfluss auf Einzelhandels- und Konsumwerte haben.

Beispiel Karstadt-Quelle: „Das Unternehmen sollte von der sich aufhellenden Konsumstimmung, die im weiteren Jahresverlauf zu einer Umsatzsteigerung führen dürfte, profitieren“, sagt Volker Bosse von der Hypo-Vereinsbank (HVB). Daneben gibt es Restrukturierungserfolge. Erst letzte Woche meldete die jahrelang defizitäre Touristik-Tochter Thomas Cook Neubuchungen in Deutschland weit über dem Markttrend.

Daneben setzen die Experten auf eine steigende Beschäftigung in Deutschland. „Die Stabilisierung am Arbeitsmarkt und eine allgemein verbesserte Grundstimmung haben die Konsumbereitschaft erhöht“, heißt es bei der Hamburger Sparkasse. Die Experten rechnen damit, dass viele Leute noch im zweiten Halbjahr langlebige, teure Produkte anschaffen, ehe 2007 die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöht wird. Deswegen könnte die Stimmung für Einzelhandels- und Konsumtitel im Frühjahr 2007 schon wieder kippen, wenn mit den Zahlen für das erste Quartal der negative Einfluss auf den Konsum erstmals sichtbar wird.

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