Steuervorteile laufen zum Jahresende aus – Hektik gilt als übertrieben
Anleger stürzen sich kurz vor Torschluss auf die private Rente

Bei den großen Lebensversicherern herrscht der Ausnahmezustand. Kurz vor Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes am 1. Januar wollen sich viele Sparer noch rasch die Steuervorteile einer Kapital-Lebensversicherung oder privaten Rentenversicherung sichern.

DÜSSELDORF. Samstagsschichten bei Gerling: Mit Zustimmung des Betriebsrats arbeiten die Mitarbeiter schon Tage des nächsten Jahres ab. Allianz Leben holte sogar Mitarbeiter auf Elternurlaub für die Zeit bis zum Jahresende wieder ins Büro. Für die Kinder wurde in Berlin eine Tagesstätte eingerichtet. Drei- bis viertausend Anträge auf eine Renten- oder Lebensversicherung gehen etwa bei der Allianz täglich ein, mehr als doppelt so viele als im Durchschnitt. Denn kurz vor Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes am 1. Januar wollen sich viele Sparer noch rasch die Steuervorteile einer Kapital-Lebensversicherung oder privaten Rentenversicherung sichern.

Das neue Alterseinkünftegesetz bringt ab 2005 gravierende Änderungen in der Besteuerung der privaten Altersvorsorge. Nach dem neuen Prinzip der nachgelagerten Besteuerung werden Renten künftig besteuert, Aufwendungen für die Altersvorsorge von der Steuer befreit. Vor allem wenn es ums Kassieren beim Ruheständler geht, ist der Staat konsequent: Die Steuerfreiheit für Kapitalerträge einer Lebensversicherung oder Direktversicherung fällt weg, sofern der Vertrag nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen ist.

Dennoch ist die Hektik vieler Sparer unberechtigt, glaubt Finanzexperte Ralf Nomrosky aus Düsseldorf: „Niemand muss sich unter Zugzwang setzen.“ Die Steuervorteile machen die hohen Abschlussgebühren und die mager gewordenen Renditen eine Lebensversicherung oft nicht mehr wett. Vor allem zwei Vertragsformen sollten Sparer jetzt dennoch rasch prüfen, sagt Vermögensberater Tom Friess vom VZ Vermögenszentrum in München: die private Rentenversicherung und die Direktversicherung. „Der Abschluss einer privaten Rentenversicherung könnte vor allem für Selbstständige jetzt noch steuerlich attraktiv sein “, sagt Friess. Denn ein Teil der Beiträge ist nach altem Recht als Vorsorgeaufwendung von der Steuer abziehbar. Um sich diesen Vorteil zu sichern, muss der Versicherte allerdings im alten Jahr auch schon den ersten Beitrag gezahlt haben. Ist der Freibetrag für Vorsorgeaufwendungen ohnehin schon durch eine staatliche Rente ausgeschöpft, können sich Sparer mit der ersten Zahlung bis nächstes Jahr Zeit lassen.

Die Ansparsummen privater Rentenversicherungen können auf einen Schlag ausbezahlt werden, oder aber als Rente. Dabei wird ein späterer Rentenbetrag schon bei Vertragsabschluss garantiert. Entscheidet sich der Sparer für die Einmal-Auszahlung, ist der Ertragsanteil für jetzt abgeschlossene Versicherungen noch steuerfrei. Künftig werden die Erträge zur Hälfte versteuert.

Abhängig Beschäftigte sollten sich die Direktversicherung als steuergünstiges Auslaufmodell noch rasch sichern, sofern sie es sich leisten können. Beiträge werden nach den bisherigen Regeln nur zu 20 Prozent besteuert. Die Kapital-Erträge nach Ablauf der Ansparphase sind komplett steuerfrei. „Diesen doppelten Steuervorteil wird es künftig nicht mehr geben“, sagt Friess.

Für beides wird es jetzt allerdings höchste Zeit. Denn die Verträge gelten nur dann als abgeschlossen, wenn sie eingereicht und unterschrieben sind. Bei Kapitallebensversicherungen kommt häufig noch eine Gesundheitsprüfung hinzu. Zwar sagt Sprecherin Annegret Fischer von Gerling: „Wir versuchen, alles, was bis 31. Dezember reinkommt, noch zu bearbeiten.“ Aber ihr Haus gibt eine Garantie nur für Verträge, die bis zum 23. Dezember vollständig eingereicht sind.

Noch ein Bonbon sollten sich Sparer nicht entgehen lassen. Die Riesterrente wird im Schnitt zu 30 Prozent vom Staat subventioniert. Wer jetzt noch einen entsprechenden Spar-Vertrag abschließt, kann sich noch die Förderung für das alte Jahr sichern.

Mit den übrigen Neuregelungen, wie etwa der steuerlich geförderten Rürup-Rente oder den steuerfreien Beiträgen zur Betriebsrente braucht sich der Sparer erst im Neuen Jahr auseinander zu setzen. Zur Rürup- Rente sei bis jetzt noch kaum ein Produkt auf den Markt gekommen, sagt Joachim Geiberger, Geschäftsführer des Versicherungsratingagentur Morgen& Morgen.

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