Stimmungswandel
Investoren trauen Aktien nicht mehr über den Weg

Schlechte Zeiten für die Aktienkurse: Immer mehr Anleger beurteilen die Börsen-Aussichten inzwischen viel skeptischer und werden zunehmend nervöser. Überraschend ist besonders die Geschwindigkeit des Stimmungswandels.
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DüsseldorfIn der Vergangenheit lässt sich gut schwelgen: Als der Dax im vergangenen Herbst zur Jahresendrally ansetzte, schlugen sich viele unentschlossene Anleger auf die Seite der Optimisten und beurteilten mit einem Mal die Perspektiven auf Sicht der nächsten sechs Monate positiv. Zum Jahresende gab es 40 Prozent mehr Optimisten als Pessimisten. Solch einen hohen Wert hatten die Research-Experten von Sentix noch nie ermittelt. Das klare und im Handelsblatt veröffentlichte Urteil hieß damals: Die „Börsenampel blinkt weiter leuchtend grün“.

Die Sechsmonatsperspektiven der Anleger haben bisher stets zuverlässige Hinweise auf die künftige Börsenverfassung geliefert. Selbst in schwierigen Zeiten war an den Aktienmärkten wenig zu befürchten, wenn Anleger optimistisch nach vorn blickten. Als beispielsweise vor acht Jahren der Irak-Krieg ausbrach, beurteilte die Mehrheit der Befragten die längerfristigen Aussichten optimistisch. Ebenso war es inmitten der schwersten Rezession in der Nachkriegsgeschichte vor zwei Jahren. In beiden Fällen starteten die Börsen richtig durch – genauso wie im Herbst 2010.

Die Gefahr eines Kursrutsches steigt

Doch diese gute Ausgangslage ist vorbei. Binnen weniger Wochen wechselten viele Optimisten das Lager. Der Saldo von Optimisten zu Pessimisten rutschte von 40 auf nur noch 15 Prozent. Weit mehr als die Zahlen überrascht die Geschwindigkeit des Stimmungswechsels.

Sentix-Experte Patrick Hussy vergleicht die Situation mit dem Jahreswechsel 2005/06. Auch damals kippte die Stimmung abrupt. Der Dax stieg zunächst noch etwas weiter, ehe er im Frühsommer 2006 um 15 Prozent einbrach. Damals ängstigten sich Anleger angesichts steigender Ölpreise und sinkender Immobilienpreise vor Inflation in Kombination mit einem schwachen Wachstum: der Stagflation.

Ein weiteres Mal gab es solch eine Stimmungskonstellation wie zurzeit in der zweiten Jahreshälfte 2007. Damals, als die Finanzkrise ausgebrochen war, beurteilten viele Anleger die längerfristigen Aussichten negativ. Doch weil die Konjunktur und Aktienmärkte zunächst noch brummten, wollte keiner zu früh aussteigen. Das Ende ist bekannt: Im Januar 2008 fiel der Markt abrupt. Zu viele Anleger wollten gleichzeitig raus – weil sie pessimistisch geworden waren.

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