Strategen halten die starken Kursverluste seit Jahresbeginn für übertrieben – Bewertung so günstig wie nie zuvor
Tech-Aktien sind besser als ihr Ruf

Die Chancen von Technologiewerten sind nach Analysteneinschätzung derzeit deutlich größer, als dies der Kurseinbruch am Aktienmarkt vermuten lässt. Obwohl Investoren gerade am deutschen Markt im Moment einen großen Bogen um diese Aktien machen, sehen die Experten der internationalen Großbanken die Lage der Branche längst nicht so schlecht.

FRANKFURT/M. „Die positive Nachrichtenlage im Technologiebereich hält weiter an“, heißt es beispielsweise von Goldman Sachs, deren Analysten den Sektor derzeit mit „neutral“ einstufen. Die Morgan-Stanley-Fachleute erwarten, dass sich die Techwerte analog zum Index MSCI Europe entwickeln, für dieses Kursbarometer rechnen sie für die nächsten zwölf Monate mit einem Wachstum von 2,4 Prozent. Bei den Anlageberatern der Genfer Privatbank Syz & Co. sind Tech-Aktien sogar die Favoriten.

Allerdings kann es nach Ansicht von Goldman Sachs kurzfristig bis Ende Juni wegen der seit kurzem spürbaren Konsolidierung an den Börsen noch zu schwächeren Kursen kommen. Insgesamt kommen die kleinen und mittleren Technologiewerte bei den Analysten deutlich besser weg als die global aufgestellten Konzerne. Dort sehen die Experten der WestLB derzeit nur wenige attraktive Storys, während sie bei den kleinen Nischenanbietern oftmals sehr viel Potenzial vermuten.

Zu den wenigen Großkonzernen, die zu den Favoriten der Analysten zählen, gehören die beiden Elektronikkonzerne Alcatel und Philips sowie das Software- und Beratungshaus Cap Gemini. Erst am Freitag hat Analystin Inge Heydorn von der Deutschen Bank die Alcatel-Aktie auf „kaufen“ heraufgestuft – mit einem Kurspotenzial von derzeit 25 Prozent. Zwar hatte Alcatel am Donnerstag schwache Quartalszahlen präsentiert. Heydorn geht jedoch von einem langfristigen Wachstum von drei Prozent und einer operativen Gewinnmarge von 8,5 Prozent aus. Zudem sei das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von günstigen 13 für das laufende Jahr ebenfalls ein Kaufanreiz.

Überhaupt schürt die Frage der Bewertung die Spekulationen bei vielen Techwerten. Gelten sie doch mit einem KGV von 17,7 und somit einem Abschlag von rund 40 Prozent auf ihren langfristigen Durchschnitt als günstig wie nie zuvor. Das spiegelt sich auch in der Einschätzung des niederländischen Elektronikkonzerns Philips wider, der aktuell mit einem KGV von zwölf deutlich unter dem Schnitt liegt. Unter anderem deswegen gehört die Aktie auch zu den „Top-Aktien“ der WestLB im Technologiesektor. Aber auch das gute Image spielt eine große Rolle.

Neben den großen Elektronikkonzernen kommt auch in den Bereich Software und Informationstechnologie (IT) wieder Bewegung, was sich schon bald in höheren Kursen widerspiegeln könnte. Die Analysten der WestLB beobachten bereits ein moderates Wachstum am europäischen Markt, womit dieser dem bereits anziehenden US-Markt folgen dürfte.

Zu den Favoriten vieler Analysten gehört der französische IT-Dienstleister Cap Gemini. James Dawson von Morgan Stanley hat die Aktie am Donnerstag auf „übergewichten“ heraufgestuft. Bei 27 Euro liegt sein Kursziel für die Aktie, die allerdings am Freitag schon bei rund 24,50 Euro notierte. Auslöser für den jüngsten Kurssprung war eine Ankündigung des Vorstands, der mittel- bis langfristig eine operative Marge von sieben bis acht Prozent in Aussicht stellte.

Dass es dennoch unter den kleinen und mittleren Werten deutlich mehr interessante Technologieaktien gibt, liegt an deren Positionierung. In ihrer jeweiligen Nische konnten sie die Krise der vergangenen Jahre deutlich besser meistern als die großen Konzerne. Als Beispiel dafür gilt das französische Unternehmen Gameloft, ein Entwickler von Handy-Spielen. Dessen Kurs legte seit dem Herbst um knapp 150 Prozent auf derzeit 3,50 Euro zu. Dennoch hat Thomas Langer von der WestLB Ende letzte Woche sein Kursziel von vier Euro für die Aktie bestätigt. Er lobt das weiterhin unverminderte Wachstum, worauf speziell die neuen Produkte hindeuteten.

Bei vielen anderen Werten ist auf Grund der guten Kursentwicklung der letzten Zeit hingegen die Luft etwas raus. Dazu gehört der Internet-Dienstleister United Internet, dessen Aktie im ersten Quartal um 16 Prozent zugelegt hat.

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