Strategen sehen Aktienkurse durch Attentate, Finanzskandale und den starken Euro zumindest kurzfristig unter Druck
Anleger schauen wieder auf die Risiken

Der Stimmungsumschwung an der Börse kam überraschend. Noch am vergangenen Freitag markierte der Deutsche Aktienindex (Dax) mit 3 797 Punkten ein neues Jahreshoch. Doch schon am Montag drehte sich das Blatt an der Börse. Der Dax rauschte nach unten und fällt seitdem weiter. Auch an anderen globalen Handelsplätzen gingen die Kurse auf Talfahrt.

DÜSSELDORF. Während sich der Markt zuletzt auf das hohe Wirtschaftswachstum in den USA und die ansprechende Dynamik bei den Unternehmensgewinnen konzentrierte, richten sich die Blicke jetzt wieder auf die Gefahren. Der Terroranschlag auf zwei Synagogen in der Türkei, die ausufernden Finanzskandale in den USA sowie der plötzliche Kursanstieg des Euros und der Ölpreise beeinträchtigen das Vertrauen der Marktteilnehmer. „Die Stimmung ist im Moment eindeutig negativ“, sagt Christian Kahler, Chefstratege für Aktien bei der DZ Bank. Für die kommenden Wochen erwartet er auch wenig Besserung: „Mit Auslaufen der Berichtssaison fallen die positiven Nachrichten von Unternehmensseite weg. Damit ist die Gefahr groß, dass der Markt kurzfristig verstärkt auf die diversen Risiken blicken wird.“

Als größtes Hemmnis für die Börse dürfte sich einmal mehr die Entwicklung am Devisenmarkt erweisen. Der hohe Wechselkurs des Euros, der schon im laufenden Jahr die Umsatzentwicklung der Konzerne beeinträchtigte, könnte auch im kommenden Jahr einer Erholung der Umsätze im Wege stehen. Die positiven Gewinnprognosen, die viele Strategen in ihren Szenarien derzeit unterstellen, müssten dann womöglich relativiert werden. „Wenn der Euro nachhaltig über die Marke von 1,20 $ klettern sollte, sehe ich eine ernste Gefahr für Konjunktur und Unternehmensgewinne, weil die deutsche Wirtschaft stark am Export hängt“, meint Gerhard Schwarz, der bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) die Aktienstrategie leitet.

Dazu kommt, dass auch die lange ausgeklammerte Bedrohung durch Terror wieder ins Blickfeld geraten ist. „Diese Gefahr ist immer latent vorhanden und kaum zu kontrollieren“, sagt Christian Kahler. Allerdings warnt der DZ-Stratege mit Blick auf die jüngsten Ereignisse vor einer übertriebenen Vorsicht: „In den USA werden Anschlägen in anderen Teilen der Welt eine relativ geringe Bedeutung beigemessen.“ Und solange die US-Anleger keine akute Bedrohung befürchteten, sei nicht mit deutlichen Einschnitten an der Wall Street – und in deren Gefolge auch an den europäischen Aktienmärkten – zu rechnen. Mittelfristig bleibt Kahler bei seinem positiven Börsenszenario: „Irgendwann werden die fundamentalen Daten wieder das Geschehen bestimmen. Und sowohl die Unternehmensgewinne als auch attraktive Bewertungen sprechen für weiter steigende Kurse.“

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