Strategen sind vorsichtig
Börse Paris schwächelt

Viele Anlagestrategen sind vorsichtig mit ihrem Ausblick auf das französische Börsenjahr. Denn nach vier guten Jahren hat die Börse Paris Anlegern in diesem Jahr Magerkost geboten. Und daran wird sich 2008 wohl wenig ändern.

PARIS. Der Leitindex CAC 40 hat nach Konjunkturängsten seine Jahresgewinne wieder vollständig aufgezehrt und sich zum Jahresschluss knapp unter der Marke von 5 600 Punkten häuslich eingerichtet. „Das starke Gewinnwachstum, das die Börse seit dem Jahr 2003 getrieben hat, gehört der Vergangenheit an“, meint Pierr-Yves Gauthier, Chef-Aktienstratege des Brokers Oddo.

Im Jahresrückblick zeigt sich aber, dass es im CAC durchaus Gewinner gibt: Der neu formierte Stahlriese Arcelor-Mittal geht als Jahressieger hervor, der Konzern konnte seinen Kurs um fast 60 Prozent im Jahresvergleich steigern dank des weltweiten Hungers nach Rohstoffen. Strom-Riese EDF folgt auf Rang zwei mit einem Plus von knapp 50 Prozent, denn EDF ist bei der Stromproduktion dank seiner Atomkraftwerke vom Ölpreis unabhängig, profitiert im Gegenzug aber von steigenden Energie-Preisen. Die rote Laterne hat nach mehreren Gewinnwarnungen in diesem Jahr der Telekomausrüster Alcatel-Lucent (minus 52 Prozent).

Auch für das neue Börsenjahr dominiert die Skepsis: Die meisten Strategen halten Prognosen, die von einem erneuten Gewinnwachstum von im Schnitt rund zehn Prozent ausgehen, für zu optimistisch. Oddo-Stratege Gauthier hält auch nicht viel von der These, der zufolge sich der Rest der Weltwirtschaft dank China von einer schwächelnden US-Ökonomie abkoppeln könne. Denn China sei bei seinen Exporten direkt betroffen, sollten die USA in eine Rezession geraten. Er glaubt daher, dass der Leitindex CAC-40 um rund 1 000 Punkte auf 4 500 Punkte fallen könnte.

So pessimistisch ist Christian Parisot vom Broker Aurel Leven nicht. Auch er zweifelt zwar auch an den Gewinnprognosen der Analysten. Doch könnte eine Neubewertung der Anlage-Kategorie Aktie den Kursen im nächsten Jahr Halt geben. „Wir rechnen damit, dass das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis von derzeit elf im kommenden Jahr auf 13 oder 14 steigen wird“, meint der Experte. Sprich, Anleger zahlen mehr für die künftigen Gewinne, das stützt die Kurse.

Sein Argument: „Wir rechnen mit einem Anziehen der US-Konjunktur im zweiten Halbjahr, das dürfte sich im Jahr 2009 auch bei den französischen Großkonzernen in steigenden Gewinnen niederschlagen.“ Daher würden Anleger über das maue Jahr 2008 hinwegschauen und mit der Hoffnung auf gute Profite in der Zeit danach Aktien höhere Bewertungen zusprechen. Angesichts der Krise seien Immobilien und Anleihen zudem keine echte Anlage-Alternative.

Vor diesem Hintergrund raten die meisten Aktienstrategen zu defensiven Aktien wie Versorger. Frankreichs Banken haben im Zuge der Finanzkrise stark gelitten, die Société Générale hat fast ein Viertel ihres Wertes verloren. Dabei haben Frankreichs Banken bisher wenige Schleifspuren durch die Finanzkrise in der Bilanz. Doch Experten raten zur Vorsicht, bis das volle Ausmaß der Krise bekannt ist. „Wir raten eher zu Versicherer-Titel, die überproportional gelitten haben“, meint Stratege Parisot.

Auch Telekomwerte könnten seiner Ansicht nach im kommenden Jahr ein Blick wert sein. Im kommenden Jahr sollte sich in Frankreich der Preisdruck auf dem Markt für Flat-Telefonie abschwächen, da die Marktanteile stabiler sind. Parisot rechnet ferner mit weniger Druck vom Regulierer. Ansonsten rät er zu Baukonzernen wie Eiffage, Vinci und Saint-Gobain.

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