Strategien gegen den Nullzins
Was für Gold spricht

Bei Anlegern ist Gold derzeit unbeliebt, weil das Edelmetall keine Zinsen bringt. Das stimmt zwar, ist aber nicht langfristig gedacht: Denn Gold kann auf Dauer ein Vorteil sein.
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DüsseldorfGold bringt keine Zinsen. Das ist das Totschlagargument gegen die Anlage in das Edelmetall. Nur sind die entgangenen Zinsen derzeit kaum der Rede wert. Negative Zinsen sprechen so gesehen für Gold.

Selbst steigende Zinsen müssen nicht negativ sein für Gold. Entscheidend ist der Realzins. Steigt die Inflation schneller als der nominale Zins, erleiden Zinsanleger Vermögensverluste. Ein Kilo Gold aber verliert nicht plötzlich an Gewicht. Gold schützt Anleger somit vor Kaufkraftverlusten in ihrer Heimatwährung.

Anleger sollten zudem nicht vergessen, dass der Zins, als er noch am Markt bestimmt und nicht von Notenbanken manipuliert wurde, auch ein Maßstab für Bonität war. Steigende Zinsen signalisierten eine schwächere Bonität und ein höheres Ausfallrisiko des Schuldners. Hinter Gold steht kein Schuldner, der pleitegehen könnte. Sollte die EZB eines Tages ihre Anleihekäufe reduzieren oder gar einstellen und die marktwirtschaftlichen Kräfte an die Anleihemärkte zurückkehren, dann möchte man lieber keine Anleihen im Depot haben.

Auf jeden Fall bietet physisches Gold stets eine Liquiditätsreserve außerhalb des Bankensystems. Auf die zurückgreifen könnten Anleger beispielsweise, wenn ihnen der Zugriff auf Konten, Depots und Bargeld versperrt sein sollte – etwa bei einem Crash der Computersysteme, beim Zusammenbruch der eigenen Bank oder des gesamten Bankensystems. Nur ein Bruchteil der bei Banken sofort abrufbaren Kundeneinlagen ist gedeckt durch Bargeld und Reserven bei der EZB.

Das System funktioniert also nur, solange Kunden ihr Geld auf dem Konto lassen. Jürgen Stark bezeichnet dieses System als „pure Fiktion“. Der ehemalige Chefvolkswirt der EZB empfiehlt Anlegern, einen Teil ihrer „fiktionalen Ersparnisse“ gegen den Zusammenbruch dieses Systems zu schützen und auch in Gold anzulegen.

Stefan  Hajek
Stefan  Hajek
WirtschaftsWoche

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