Streitgespräch Wie lange Gold noch glänzt

Gold ist begehrt wie nie. Anleger fragen sich, ob die Preisrally weitergeht, oder bald der Ausverkauf droht. In einem Streitgespräch verraten zwei Vermögensberater, ob ein Kauf lohnt oder die Blase platzt.
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Markus Stahl (l.) und Gottfried Urban: Über die Entwicklung des Goldpreises sind beide sich nicht einig. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt

Markus Stahl (l.) und Gottfried Urban: Über die Entwicklung des Goldpreises sind beide sich nicht einig.

(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Handelsblatt: Erst gestern hat der Goldpreis ein neues Allzeithoch erreicht. Geht die Rally weiter oder haben wir es mit einer Blase zu tun?

Urban: Die Krise ist nicht vorbei, in den Köpfen ist sie sehr präsent. Die Menschen haben immer noch Angst um ihr Geld. Sie wollen etwas Beständiges, sozusagen als Versicherung. Deshalb kaufen sie Gold. Die Nachfrage wird sogar noch steigen und damit auch der Preis.

Stahl: Da bin ich anderer Meinung. Wenn Gold eine Versicherung sein soll, dann ist die Versicherungsprämie viel zu hoch. Das ist wie bei einer Feuerversicherung, deren Kosten den Wert der Immobilie übersteigt. Gold ist jetzt schon viel zu teuer. Es wird fast nur über die Chancen gesprochen, kaum über Risiken. Eine solche Situation ist ideal, um Gold zu verkaufen.

Handelsblatt: In den Medien wird beinahe täglich über Gold berichtet. An Bahnhöfen und Flughäfen stehen Goldautomaten. Kann man schon von einem Hype sprechen?

Urban: An diesem Punkt sind wir längst noch nicht. Der Goldpreis ist nicht sprunghaft nach oben geschossen, es war eine langsame Bewegung. Das zeigt mir, dass es noch keinen Hype gibt. In den Medien wird zwar über das Thema berichtet, aber die Euphorie bei der breiten Masse sehe ich noch nicht. Die meisten Menschen fühlen sich immer noch wohl mit ihrem Tagesgeld oder Sparbuch.

Stahl: Es gab mal Zeiten, da hat sich niemand für Gold interessiert. Noch vor zehn Jahren galt das als esoterisches Thema von Spinnern. Heute wird über Gold in jeder Provinzzeitung berichtet. Wenn das nicht alle Züge eines Hypes trägt, dann weiß ich es auch nicht. Es ist wie am Neuen Markt.

Urban: Der Anteil von Gold und Goldminenaktien in den Depots ist immer noch verschwindend gering. Das war in echten Hypephasen wie Anfang der 1980er-Jahre ganz anders. Heute ist die Welt vor allem in Staatsanleihen investiert.

Handelsblatt: Staatsanleihen galten früher immer als sichere Zuflucht in Krisenzeiten.

Urban: Das sind sie nicht mehr. Die Schuldenkrise in Europa könnte sich noch einmal zuspitzen. Auch die USA machen so viele Schulden wie noch nie. Wenn die Menschen das merken und das Vertrauen in die Staaten verlieren, dann werden sie ihr Geld umschichten – von Zinspapieren in Anlagen wie Gold. Dann könnte der Goldpreis noch einmal einen enormen Sprung machen.

Stahl: Der Markt hat die Schuldenkrise doch schon längst eingepreist. Abgesehen davon bietet Gold gar nicht die Sicherheit, die die Leute erwarten. Der Goldpreis war immer starken Schwankungen unterworfen. Und es gab auch schon Zeiten, in denen sich Gold sehr schwach entwickelte: zwischen 1980 und 1999 fiel der Goldpreis um 70 Prozent.

Handelsblatt: Wer kauft Gold im Moment: Profis oder Privatanleger?

Urban: Mit dem Ausbruch der Finanzkrise haben einige Finanzinvestoren Gold gekauft. Aber Privatanleger haben nach wie vor wenig Gold.

Stahl: Gekauft wird Gold im Moment von Privatanlegern, die Angst vor Schuldenkrise oder Inflation haben. Außerdem haben einige Notenbanken aus den Schwellenländern zugekauft. Jedem Käufer steht aber auch ein Verkäufer gegenüber. Die Profis, die vor Jahren günstig gekauft haben, steigen längst wieder aus.

Urban: Das stimmt nicht. Ein Investor wie George Soros hat gerade erst seine Goldpositionen aufgestockt!

Stahl: Das ist zumindest, was er sagt. Das könnte aber auch ein Täuschungsmanöver sein. Soros versteht es wie kein Zweiter, mit Stimmungen zu spielen. Es könnte doch sein, dass er auf der einen Seite einen Goldfonds kauft, weil er weiß, dass er dies der Börsenaufsicht melden muss, während er unbemerkt über andere Instrumente die doppelte Menge dagegen setzt.

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13 Kommentare zu "Streitgespräch: Wie lange Gold noch glänzt"

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  • Gold ist im Prinzip ziemlich nutzlos ähnlich wie Papiergeld. Wenn man schon das Papier- oder Digitalgeld ersetzen will, dann mit Dingen, die einen nützlichen Wert für den Menschen haben. Hier eignet sich eher noch z. B. Silber, welches wegen seiner besonderen Eigenschaften erheblich wertvoller als Gold ist. Das wird sich langfristig auch zeigen. Aber wie man am Papiergeld sieht, kann das Jahrzehnte dauern. Im Übrigen halte ich es nicht unbedingt für nötig Papiergeld mit Gold oder Silber zu hinterlegen. Immerhin haben Staaten, wie auch Griechenland, Land, Immobilien, Infrastruktur und gewisse Rechte (z. B. Steuern zu erheben), die einen sehr hohen Wert haben. Würde man Geld damit verbriefen, fände ich das erheblich sinnvoller als mit Gold oder Silber, deren Gesamtmenge man im Prinzip nicht kennt und deren wahrer nützlicher Wert sich mit der Zeit auch stark ändern kann. Wer hat vor 20 Jahre schon gedacht für was und in welchen Mengen man heute oder in Zukunft Silber braucht: RFID-Chips, winzige Stromleiter, Solarpannels, Beschichtung von Fenstern in heißen Regionen u. v. m. Aber vielleicht gibt es in ein paar Jahren verschiedene Kunststoffe oder biologische Stoffe, die Silber (teilweise) ersetzen können. Bei Gold kann man sagen, wenn es nicht als Schmuck gefallen würde (vor allem Indern), wären die Mengen an Gold, die bereits auf der Erde gefördert wurden, mehr als ausreichend. Vor allem weil es auch zu fast 100% recyklet wird. Der aktuelle Preis ist daher m. E. ein reiner Liebhaberpreis. Der wahre Preis wird auch nicht bei den Förderkosten liegen. Denn wenn etwas nutzlos ist oder in ausreichender Menge vorhanden, wird man es einfach nicht fördern und auch so gut wie nichts zahlen.

  • Warum Gold schlecht reden ? Es hat die letzten Jahre schöne Renditen abgeworfen. Solange die Probleme der Finanzkrise nicht gelöst sind, lauern da noch einige Überraschungen im Hintergrund...

    Warum konfiszieren Staaten Gold ?
    Warum halten Staaten/Zentralbanken Gold ?
    Würden sie das tun, wenn es nutzloser Mist ist ?

    Buchempfehlung:
    Gerd-Lothar Reschke: Vom Falschgeldsystem zum freien Marktgeld — Warum nur ein vollständig wertgedecktes Geld dauerhaft Wohlstand und Frieden bewahrt

  • Das Papiergeldsystem KANN NICHT stabil bleiben - das ist gegen seine Natur !
    Gold und Silber werden wieder einmal monätäre Funktion bekommen - sicher. Die Supeereichen und "Eliten" haben sich schon gut damit eingedeckt. Das Gold des Volkes ist VERSCHERBELT !!!!
    20 % Gold und Silber zu halten vom Vermögen ist zu wenig !!
    Es kommt ein SUPER GAU - sicher !!!

  • Das schöne ist doch, dass beide – Herr Stahl und Herr Urban – herrlich konträr argumentiert und die klassischen Argumente in einem Artikel formuliert haben.

    Hat Herr Stahl recht, und es passiert nichts – sprich: das Papiergeld bleibt mehr oder minder stabil und Gold geht den Bach runter – dann haben wir einen neuen Finanz-Propheten (und der ein- oder andere sollte den Hut ziehen (sofern der noch nicht verpfändet ist)).
    Die Goldbucks haben dann zwar noch etwas Geld, aber auf nette Zinseinnahmen und einen Teil ihres Vermögens verzichtet. Die Staatspapierfans haben dann aber ein gesteigertes nettes Vermögen und richtig Recht behalten.

    Hat Herr Urban recht, dann sind die Anleger von Herrn Stahl ihr Geld los, dürfen sich zurecht bei Politik, Schicksal und göttlicher Instanz beschweren – und sind vermutlich restlos pleite.
    Es wäre dann nur schön, wenn man dann auch so fair bliebe, die Goldbesitzer nicht als üble Spekulanten zu verunglimpfen und ebenso – Chapeau – anerkennt, dass man seine Zweifel am Papiersystem in Edelmetall konkretisiert hat.

    Besonders bemerken möchte ich daher – und das kommt in allen Artikeln zu kurz:

    Keiner beider Parteien schadet dem anderen!
    Es geht nur ums Recht-Haben!

    Wenn man sich das vor Augen hält, lassen sich die verbissenen Anfeindungen der beiden Parteien viel leichter ertragen.

    Meine persönliche Konsequenz aus dem angelesenen und gesammelten (sicher auch manipuliertem) Wissen ist, 20% meines bescheidenen Vermögens in realem Gold zu halten. Ich würde mich riesig freuen, wenn ich mit meinen Bedenken an unserem Geld- und Rentensystem unrecht behalten würde. Wie sollte man sich auch freuen können, wenn Mitmenschen ihres gerechten und wohlverdienten Lebensabend beraubt werden?

    Aber ohne diese „Versicherung“ könnte ich nur schwerlich das finanzpolitische Geschehen ertragen.

  • Gold ist ein ziemliech nutzloses Element im Gegensatz zu Silber, welches hauptsaechlich von Industrie unumkehrbar vernichtet wird (wie Zink auch). Recycling ist bei Silber nicht moeglich. Gold ist in meinen Augen auch nur eine Art von Papierwaehrung. Ich kann mir schwer vorstellen, dass man in einer richtigen Krise eine 12kg Goldbarre gegen etwas wirklich nuetzliches wie ein Haus, Wald oder Weizenlager tauschen kann. Wenn schon Rohstoffe, dann solche die gebraucht (und fuer die es keine Alternativen gibt) werden. Ich habe Gold somit verkauft, aber mein Silber behalten...

  • Gold kann nie an Wert verlieren. An Gold wird nur der Wert des bedruckten Toilettenpapiers festgestellt. Mal brauche ich dafuer mehr und mal weniger, aber Gold ist immer Gold

  • Bei einer solch primitiven Argumentation wie von Herrn Stahl beschleicht mich der Verdacht, er will billig Gold kaufen. Das glaubt er doch selbst nicht, was er da im Interview erzählt. So dumm kann er gar nicht sein.

  • Ich würde Gold und Silber auch schlecht reden, wenn ich alles für mich haben möchte ;-)

  • Die bekannten Thesen wieder mal aufgewärmt. Gold und Silber haben immer einen Wert behalten, Papiergeld langfristig nie.
    In der gegenwärtigen Situation kann sehr schnell das Vertrauen in die Währungen schwinden. Was bleibt letztlich noch übrig zum bezahlen?

  • Nur mal zum Vergleich.
    Man nehme einen Geldschein , damit gehe ich zum Metzger und kann damit Fleisch kaufen. Jetzt nehme ich den Geldschein fertige eine Kopie an, nehme beides mit zum Metzger und will jetzt aber die doppelte Menge Fleisch. Das kann man eventuell einmal hinbekommen aber irgendwann hat auch der dümmste Metzger verstanden was da abgeht. Das wird im Augenblick mit Dollar Euro etc. Papier gemacht. Im Gegensatz dazu verliert Gold auch eventuell vorübergehend an Wert , aber irgendwann werden die Menschen wieder merken das man Gold nicht kopieren kann. Es dürfte auf jeden Fall werthaltiger bleiben als Papier.

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