Strombergs Filmfinanzierung: „Das schafft nur der Papa“

Strombergs Filmfinanzierung
„Das schafft nur der Papa“

„Stromberg – Der Film“ wurde über das Internet finanziert. Im Interview erklärt Frédéric A. Komp von der Produktionsfirma Brainpool, warum sich keine neue Anlageklasse entwickelt – und das nur bei Stromberg klappt.
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Frédéric A. Komp kann man getrost als TV-Profi bezeichnen. Der heute 36-Jährige startete 1995 als Schauspieler in der Serie „Verbotene Liebe“, arbeitet aber mittlerweile hinter der Kamera. Als Geschäftsführer der Brainpool Artist and Content Services GmbH, einer Tochtergesellschaft von Brainpool, einer der größten und erfolgreichsten deutschen Fernsehproduktionsfirmen, war er zuletzt für die Produktionsabläufe und die Finanzierung von „Stromberg – Der Film“ zuständig. Als erste große deutsche Kinoproduktion wurde dieser zu einem Teil aus Crowdfunding-Mitteln bezahlt – also von Privatinvestoren.

Herr Komp, wie kommt eine etablierte Produktionsfirma wie Brainpool dazu, einen Kinofilm über das Internet – per Crowdfunding – finanzieren zu lassen?
Das Projekt, Stromberg als Film zu machen, stand schon seit vielen Jahren im Raum. Bei Brainpool denken wir gerne ein bisschen offener, ein bisschen freier. Zu Crowdfunding sind wir auf einem Umweg gekommen. Ein Gesellschafter von Brainpool, die Banijay Group, hatte Kontakt zu einer französischen Crowdfunding-Plattform aus dem Bereich Musik. Mehr zufällig kam die Frage, „warum machen wir das eigentlich nicht auch mit dem Film?“ Und da war ein Gedanke geboren, von dem wir gar nicht wussten, ob man diesen so umsetzen kann.

Wie findet man dafür denn die richtige Plattform? Und was ist die richtige Plattform dafür?
Was den reinen Erwerb der Anteile angeht hatten wir unseren französischen Partner, der internationale Erfahrungen und die rechtlichen Voraussetzungen für solche Crowdfunding-Projekte mitgebracht hat. Was für uns wichtig war: Stromberg ist ein Thema, wo wir über viele Jahre, über die TV-Staffeln hinweg, eine sehr enge Beziehung zu den Fans aufgebaut haben. Und da konnten wir online, über Facebook und über die Fan-Communitys kommunizieren. Und mit MySpass.de haben wir eine Destination im Haus, die Stromberg sehr nahe ist. Da gibt es alle Folgen, alle Staffeln, kostenfrei, legal. Da haben sich viele Stromberg-Fans getummelt.

Das Finanzierungsziel lag bei einer Million Euro. Für einen Film ist das wenig, für eine Crowdfinanzierung sehr viel.
Die eine Million war in unserer Wahrnehmung damals schon hoch gegriffen. So etwas hat es in so einer Größenordnung bislang noch nicht gegeben. Wir fanden aber, dass es eine starke Marketing-Aussage war. Eine Million hört sich besser an als 100.000. Im Übrigen wären wir mit 100.000 Euro auch nicht weit gekommen. Insofern stand diese Zahl relativ  schnell im Raum. Eine Million, das ist eine Aussage, das probieren wir jetzt Mal.

War es überraschend, dass das Finanzierungsziel nach nur einer Woche erreicht war?
Es war unglaublich chaotisch! Die Anteile waren innerhalb von einer Woche weg. Wir sind intern eigentlich davon ausgegangen, dass wir sechs Monate brauchen. Unser Partner sagte uns dann, erfahrungsgemäß passiert nach drei Monaten nichts mehr. Und dann hat das in der Woche solch eine Dynamik aufgenommen, die sich täglich potenzierte. Es kam zu skurrilen Situationen. Es ist ja ein Online-Geschäft gewesen, was im Prinzip unter Fernabsatz fällt und da haben Leute halt Anteile erworben, haben widerrufen – und dann merkten sie, dass es hoch ging und wollten den Widerruf widerrufen. Wir hätten wahrscheinlich noch deutlich mehr verkaufen können, aber wir waren in dem Moment völlig überrascht davon.

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