Studie: Aktien und Wetter hängen statistisch zusammen
Bei Sonnenschein steigt Kleinwerte-Index SDax

Scheint die Sonne, dann läuft es an der Börse gut. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Augsburger Statistikers Christian Klein, der für deutsche Aktienindizes einen Zusammenhang zwischen Wetterdaten und Kursentwicklung errechnet hat.

DÜSSELDORF. Grundlage für die Arbeit, die die renommierte Zeitschrift für Betriebswirtschaft veröffentlichte, waren Daten zu Sonnenschein und Bewölkung in sechs deutschen Großstädten für den Zeitraum von 3. Januar 1994 bis 30. April 2004. Diese Daten testete Klein auf einen Zusammenhang mit den jeweiligen Schlussständen von Dax, MDax und SDax. Während sich für den Leitindex Dax keine Korrelation zwischen Wetter und Kursen nachweisen ließ, zeigte sich für den Index der mittleren Werte MDax eine schwache, für den Kleinwerteindex SDax dagegen eine deutliche Abhängigkeit.

Der Einfluss von Sonne und Regen auf die Aktienkurse, ist unter Wissenschaftlern umstritten. In Arbeiten aus den USA hatten Statistiker einen Zusammenhang zwischen Wetterdaten und Aktienkursen festgestellt. Allerdings lassen sich psychologische Effekte auf die Anleger und direkte Effekte auf Fundamentaldaten kaum trennen. So wies eine Untersuchung der Universität Bonn starke Wetterauswirkungen auf Aktien der Baubranche nach. Bei schlechten Wetter leiden nicht nur die Anleger, sondern auch die Ergebnisse der Bauunternehmen und damit die Kurse.

Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Uni Mannheim, kennt die Untersuchungen – und ihre Schwachstellen. „Es fehlt eine Theorie hinter den Ergebnissen“, sagt Weber. In der Augsburger Untersuchung wies Klein nach, dass der SDax bei Sonnenschein tendenziell im Plus schließt, Bewölkung den Index dagegen belastet. Eine mögliche Erklärung sei, dass die Risikobereitschaft von Kleinanlegern, die in SDax-Werte investieren und dem Wetter in Deutschland ausgesetzt sind, bei Sonnenschein steigt und sie eher Aktien kaufen, sagt Klein. Weber bezweifelt diese These: „Bei Sonnenschein wäre es beispielsweise auch denkbar, dass Kleinanleger, die in den SDax investieren, lieber keine Aktien kaufen.“

Schon im Grundstudium lernen angehende Volks- und Betriebswirte, dass statistische Zusammenhänge nicht unbedingt auf Abhängigkeiten hindeuten. So lässt sich beispielsweise ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Anzahl von Störchen und der Geburtenrate ermitteln. „In diesem Beispiel bestimmen klar dahinter liegende Zeitgeist-Variablen die Entwicklung“, sagt Weber.

In Kleins Studie ergab sich für den Dax ein Zusammenhang zwischen den Schlusskursen der Montage und dem Wetter am Wochenende: Schien am Wochenende die Sonne, dann ging der Dax Montags in die Knie. Der Wissenschaftler vermutet allerdings, dass das Ergebnis auch Produkt des Zufalls sein könnte. Denn ein Großteil der Anleger, die in Dax-Werte investieren, sind Ausländer, die dem deutschen Wetter gar nicht ausgesetzt sind.

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