Studie
Nachhaltig wirtschaftende Firmen überzeugen die Börse

Die Aktien von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen haben sich zuletzt deutlich besser entwickelt als die konventioneller Firmen. Zu dem Schluss kommt eine Studie der Hypo-Vereinsbank und der Ratingagentur Oekom Research in München. Ihr Öko-Portfolio schlug den MSCI World Index in einem Zeitraum von fünf Jahren deutlich.

BERLIN. Die Unternehmen mit den besten ökologischen und sozialen Leistungen haben von 2001 bis Ende 2006 an der Börse 35,8 Prozent zugelegt; der MSCI World Index als repräsentativer Vergleichsindex hat dagegen im selben Zeitraum 24 Prozent an Wert verloren.

In jedem Jahr habe die Nachhaltigkeitsgruppe, das sogenannte Oekom-Prime-Portfolio, eine höhere Rendite als der MSCI World erwirtschaftet, heißt es in der Studie. „Wir sind davon überzeugt, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen vorausschauender wirtschaften, Chancen und Risiken besser im Griff haben und dadurch dauerhaft erfolgreicher sind“, sagt Robert Hassler, Vorstandschef von Oekom Research. Deren Analysen beeinflussen ihm zufolge Fonds und Mandate im Gesamtvolumen von 85 Mrd. Euro. Kunden sind unter anderem die Münchener Rück, Diözesen, Altersvorsorgeeinrichtungen und Finanzdienstleister.

Die Aussagekraft der Studie ist jedoch eingeschränkt, denn sie gewichtet die Nachhaltigkeitstitel gleich, während bei der Kalkulation zum MSCI World eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung erfolgte. Das verzerrt das Ergebnis, wobei unklar ist, in welche Richtung. Die Marktkapitalisierungen für die einzelnen Zeiträume seien für die Nachhaltigkeitstitel nicht verfügbar gewesen, heißt es bei Oekom.

Derartige Renditestudien könnten zwar Trends zeigen, seien aber eher Marketinginstrumente, um bei Investoren Vertrauen zu wecken, urteilen Wissenschaftler. Aber: „Nach 30-jähriger Forschung wissen wir und Großanleger, dass nachhaltige Anlagen marktfähige Renditen erbringen und in Einzelfällen outperformen“, sagt Henry Schäfer von der Universität Stuttgart. Zu Renditethemen werde darum wissenschaftlich kaum mehr geforscht.

„Die aktuell wichtige Frage ist, was die Risiken der verschiedenen nachhaltigen Anlagekonzepte für Stiftungen, Pensionsfonds und ihre finanziellen Verpflichtungen bedeuten“, sagt Schäfer. Hohe Wertsteigerungen mancher nachhaltiger Indizes und Produkte dürften nicht ökonomisch blind machen: einige enthielten wie der Naturaktienindex (NAI) durch eine starke Einschränkung des Anlagehorizonts sehr stark schwankende Titel. Institutionelle Investoren müssten dieses Risiko beachten.

„Bei Produkten für Institutionelle wie Privatanleger sollte die Branche Wertabsicherungen einbauen, um auf Dauer auch ökonomische Nachhaltigkeit zu sichern“, sagt Schäfer. Wertsicherungskonzepte existieren im Segment nachhaltige Geldanlagen bislang nur bei Altersvorsorgeprodukten. Wie das bei Fonds möglich ist, zeigt Union Investment mit dem Anfang Juli aufgelegten Sustainable Balance Plus, laut Marktbeobachtern der erste deutsche nachhaltige Garantiefonds für Institutionelle. Er garantiert den Jahresanfangspreis.

Das dynamische Wertsicherungskonzept sieht zu Jahresbeginn einen höheren Aktienanteil von maximal 30 Prozent vor, der in der zweiten Jahreshälfte gesenkt wird, um den Kapitalerhalt auf Kalenderjahresbasis zu sichern. Aktuell beträgt der Aktienanteil fünf Prozent, der Wertzuwachs seit Auflage ein Prozent und das Volumen 50 Mill. Euro. „Der Fonds soll mittelfristig besser als Festgeldanlagen abschneiden“, sagt Produktmanager Christian Seilheimer. Investiert wird nur in nach nachhaltigen Kriterien ausgewählte Aktien und Renten.

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