Studie zu Finanzinvestoren
Chinesen im Kaufrausch

Im Reich der Mitte stoßen die Unternehmen an ihre Wachstumsgrenzen. Deshalb kaufen die Chinesen so viele Auslandsfirmen wie noch nie. Und die Shoppingtour hat erst begonnen – auch in Deutschland.

FrankfurtDie chinesischen Investoren kennen kein Halten mehr, wenn es um Zukäufe auf dem alten Kontinent geht. Laut der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) kauften oder beteiligten sie sich in Europa im ersten Halbjahr an 164 Unternehmen, in Deutschland waren es 37 Firmen. Damit dürfte der bisherige Ganzjahresrekord aus dem Jahr 2015 deutlich überboten werden: Im vergangenen Jahr investierten sie in 183 Unternehmen in Europa, davon 39 hierzulande.

Das Transaktionsvolumen ist laut EY sprunghaft gestiegen und übertrifft bereits jetzt die Beträge der vorangegangenen Jahre: In Europa tätigten chinesische Unternehmen im ersten Halbjahr Zukäufe im Wert von 72,4 Milliarden Dollar nach knapp 40 Milliarden Dollar im Jahr 2015. Noch deutlicher fällt der Sprung in Deutschland aus: Hier stiegen die Investitionen von 526 Millionen Dollar im Gesamtjahr 2015 auf 10,8 Milliarden Dollar in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.

Deutschland bleibt in Europa das bevorzugte Investitionsziel chinesischer Unternehmen. Auf dem zweiten Platz steht aktuell Frankreich noch vor Großbritannien.

„Chinesische Unternehmen blicken auf ihrer Suche nach Akquisitionen bereits seit geraumer Zeit intensiv auf Europa und insbesondere auf Deutschland“, beobachtet Alexander Kron, Partner bei EY. Derzeit kämen noch neuere Entwicklungen hinzu, die das Interesse und die Summen sprunghaft ansteigen ließen: „In Europa beziehungsweise Deutschland wollen sich derzeit viele Private-Equity-Gesellschaften von Beteiligungen trennen und stoßen bei chinesischen Investoren auf großes Interesse. Denn die suchen wiederum verstärkt nach Übernahmezielen in anderen Ländern, da das Wachstum auf dem Heimatmarkt nachlässt.“

Auch unter den weltweiten Spielern sind die Chinesen auf dem Vormarsch: „China hat nach und nach seinen Anteil am globalen Transaktionsgeschehen erhöht. Vor zehn Jahren lag der chinesische Anteil am weltweiten M&A-Geschehen noch bei 1,7 Prozent, heute bei 26 Prozent“, sagt Hartmut Krause, Partner bei der Kanzlei Allen & Overy.

„Mit dem verlangsamten Wachstum auf dem Heimatmarkt sehen sich die chinesischen Unternehmen gezwungen, neue Geschäftsfelder aufzubauen und sich von der Massenproduktion in Richtung Spezialisierung und Hochtechnologie zu bewegen“, ergänzt Yi Sun, Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY. „Der kürzeste Weg dahin besteht in  Akquisitionen ausländischer Marktführer.“

Auch suchten zurzeit viele chinesische, lokale Private-Equity-Gesellschaften für ihre Portfolio-Unternehmen passende Übernahmeziele und fokussierten sich dabei auf erfolgreiche und innovative Unternehmen in Europa – mit dem Ziel, eine überzeugende Equity Story für einen späteren Börsengang in Hongkong bieten zu können.

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