Studie: Zweifel an nachhaltigen Investments wachsen

Studie
Zweifel an nachhaltigen Investments wachsen

Die Zweifel am ökonomischen Nutzen nachhaltiger Kapitalanlagen wachsen. Institutionelle Anleger verlieren das Vertrauen und schielen nur noch auf den Imagegewinn. Hinzu kommen laut einer Umfrage schlechte Beratung und mangelnde Transparenz.
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BerlinDer Markt nachhaltiger Kapitalanlagen verliert Vertrauen. Bei institutionellen Anlegern, die noch nicht investiert sind, steigen die Zweifel am ökonomischen Nutzen der Anlageformen. Ihre Ablehnung begründen 81 Prozent (Vorjahr 73) mit schlechteren Renditeerwartungen, 78 (71) Prozent befürchten negative Auswirkungen auf ihr Risikomanagement, und 70 Prozent verweisen auf zu hohe Kosten. Das ergab eine Befragung von 242 Institutionellen durch Union Investment, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Studie repräsentiert ein verwaltetes Vermögen von rund 920 Mrd. Euro und ist eine der breitesten Befragungen institutioneller Anleger in Deutschland.

"Nachhaltigkeit ist für viele Investoren immer noch ein sehr diffuser Begriff. Solange Anleger für sich den konkreten Nutzen dieser Investmentphilosophie nicht definieren können, laufen wir Gefahr, dass dieser wichtige Ansatz in den Portfolios nicht nachdrücklich verankert wird", kommentierte Alexander Schindler, Vorstandsmitglied von Union Investment, die Ergebnisse der Studie.

Fast zwei Drittel der befragten Institutionellen bezeichnen ihren Beratungsbedarf als hoch oder sehr hoch. Lediglich 25 Prozent sind mit der Qualität ihrer Berater zufrieden, vergangenes Jahr waren es mehr. Beklagt wird insbesondere die mangelnde Transparenz bei der rasant zunehmenden Vielfalt an nachhaltigen Produkten - es fehlt der Überblick.

Die Überzeugten investieren kräftig

"Wenn der Kenntnisstand der Anleger durch schlechte Beratung oder zunehmende Komplexität weiter sinkt und pessimistische Renditeerwartungen zunehmen, besteht die Gefahr, dass das Vertrauen in nachhaltige Anlagen schwindet", warnt René Schleus, Geschäftsführer der Schleus Marktforschung, die die Studie realisierte. Darunter würde die Qualität der Kapitalanlage leiden, sagte Schindler, "denn bei Nachhaltigkeit geht es um ganz reale Vorteile für den Investmentprozess. Nachhaltige Investmentkriterien können einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung des Risikomanagements leisten".

Einen völlig gegenläufigen Trend gibt es bei den deutschen Institutionellen, die bereits in ökologisch, sozial oder ethisch ausgerichtete Investments investieren, sei es in Produkte oder durch die Vergabe von Vermögensverwaltungsmandaten. Sie haben bereits 2009 ihre nachhaltigen Investments durch massive Neuinvestitionen und Umschichtungen fast verdoppelt: Der addierte Anteil nahm um 80 Prozent auf 4,7 Prozent am verwalteten Vermögen zu. Das sind rund 43 Mrd. Euro. Ursprünglich hatten sie eine Verdoppelung binnen fünf Jahren angepeilt. In den nächsten fünf Jahren wollen diese Anleger ihre Nachhaltigkeitsquote durchschnittlich um weitere 58 Prozent anheben.

Keine höhere Rendite erwartet

Grund für die Investments sind weniger Erwartungen der Anleger an eine höhere Rendite als vor allem die gestiegene Überzeugung, durch diesen Ansatz das Risikomanagement zu optimieren. Das erwarten drei Viertel der investierten Institutionellen. Außerdem fragen bei 70 Prozent die Kunden, Versicherten oder Mitglieder entsprechender Vermögensverwaltungen nach. Ein weiteres wichtiges Motiv für drei Viertel der Anleger ist, durch derartige Investments ihre Reputation zu erhöhen oder Chancen für das Marketing weiter zu verbessern.

Doch die Studie entlarvt auch ein zwiespältiges Verhalten mancher Anleger. Zwar berücksichtigen mehr Anleger nachhaltige Aspekte, doch die detaillierte Nachfrage zeigt, dass ihr Stellenwert im konkreten Investmentprozess gegenüber konventionellen finanzwirtschaftlichen Faktoren teils deutlich sinkt. "Es liegt der Verdacht nahe, dass ein Teil der Anleger primär auf ihre mediale Relevanz und einen möglichen Imagegewinn abzielt", sagt Schleus. Auch dies könne dem Anlagesegment schaden.

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Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin

Kommentare zu " Studie: Zweifel an nachhaltigen Investments wachsen"

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  • Hallo, Herr Ermecke,
    kann man ihre Studie irgendwo einsehen?

  • Co² zu senken müsste Weltweit geschehen.
    Solange die Staaten nicht einig sind über das bekämpfen der CO² Reduzierung ist das Thema und was mit Wertpapiere zusammenhängt einfach für den Kanalratten bestimmt.

  • Noch mal: Co2 ist ein Parameter.

    ein auto oder vergleichbares verbraucht sauerstoff und erzeugt abgase.
    Auch krebserzeugende.

    Co2 ist einer von vielen Parameter der verschiedene Faktoren ablesbar zusammenfasst.

    Doch dafüf muss man die zugrunde liegenden Rechenmodelle kennen.

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