Superreich nach Preisausschreiben
Millionär aus Versehen

Manche ackern ein Leben lang, um Millionär zu werden. Andere stolpern in die Welt der Reichen einfach hinein, so wie Eric Martin. Er wollte eigentlich nur einen Wettbewerb des Onlinehändlers Jet.com gewinnen.

Wie kommt man am schnellsten in die Liga der Multimillionäre? Der bekannte Weg ist, eine erfolgreiche Start-up-Firma zu gründen. So haben es Mark Zuckerberg (Facebook) und Jeff Bezos (Amazon) geschafft. Ein 30-jähriger Marketing-Spezialist aus York im US-Bundesstaat Pennsylvania hat einen noch einfacheren Weg gefunden. Er beteiligte sich an einem Preisausschreiben. Als erster Preis war ein Aktienpaket des Start-ups jet.com ausgeschrieben.

Es galt, mehr Leute für eine Mitgliedschaft der Shopping-Webseite jet.com zu gewinnen als alle anderen Teilnehmer. Der 30-jährige Eric Martin, der für eine Bäderfirma arbeitet, nahm dafür eine Sümmchen aus eigener Tasche in die Hand. Er steckte 18.000 Dollar in Online-Werbeanzeige – und gewann. Der Lohn: 10.000 Jet.com-Aktien. Wie viel sie wert waren, wusste Martin seinerzeit nicht. Jet.com war erst 2015 mit großem Hype an den Start gegangen.

Was Martin damals nicht ahnte: Der kleine Online-Händler, der nur Mitgliedern offensteht, wurde am vergangenen Montag vom Einzelhandelsriesen Wal-Mart übernommen. Wal-Mart zahlte für jet.com die stattliche Summe von 3,3 Milliarden Dollar, um sich damit im Online-Handel stärker zu etablieren.

Schon 2015 hatten Analysten geschätzt, dass Martins Anteile zehn bis 20 Millionen Dollar wert sein könnten. Ende 2015 aber lag die private Bewertung von Jet.com erst bei 1,5 Milliarden Dollar. Der Wert des Aktienpakets von Eric Martin dürfte sich nun nochmal mehr als verdoppelt haben.

Bis heute weiß Martin nicht genau, was sein Paket wirklich wert ist, aber eines weiß er schon: „Es fühlt sich gut an, es fühlt sich wirklich gut an“, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Man kann meine Seelenlage so erkennen: regelmäßige Lachanfälle.“

Mit dem Kauf von Jet.com will sich Wal-Mart, der größte Einzelhändler der Welt, besser für den Kampf um Online-Kunden wappnen. Vor allem dürfte es darum gehen, mit dem Internet-Riesen Amazon mitzuhalten.

Dass Wal-Mart für Jet.com eine so riesige Summe bezahlt hat, dürfte auch an der Persönlichkeit des Gründers liegen. Marc Lore stand zwei Jahre in den Diensten von Amazon, nachdem er seine vorherige Firma verkauft hatte. Lore wollte mit Jet.com eine Online-Shopping-Webseite schaffen, bei der nur Mitglieder einkaufen können. Dabei sollen sich die Preise auf einem Niveau bewegen, das selbst unter jenen von Amazon lag. Dafür sammelte er mehr als 500 Millionen Dollar Risikokapital ein.

Noch wartet Eric Martin auf die Information, wie viel sein Aktienpaket nun wirklich wert ist. Aber er denkt schon über sein eigenes Startup nach: Ideadash.com. Ein Online-Portal, bei dem Menschen ihre Ideen für Erfindungen und Geschäfte aufführen und andere diese umsetzen lassen können, während sie selbst einen Anteil an dem Projekt behalten. „Ich denke über meine Optionen nach“, sagt er, „aber ich brauche erst mal Zeit, um das alles zu verarbeiten.“

Es war nicht nur Zufall. Martin hat auch als Investor einfach vieles richtig gemacht: Risiken eingehen, dort aber nicht mehr investieren, als man entbehren kann. Das Geld in Geschäftsmodelle stecken, die man versteht. Und dann auf Glück hoffen. Manchmal hat hat man dann sehr viel Glück.

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