Superreiche
Jeden Tag 164 neue Millionäre

Die Wirtschaft Brasiliens wächst stetig, sie profitiert von einer beständigen Geld- und Fiskalpolitik. Doch nicht nur Brasiliens Börse boomt. Auch der Zuwachs an Superreichen ist atemberaubend. Der alte Finanzadel verliert an Bedeutung, die Neureichen geben zunehmend den Ton an. Wie der Börsen- und Rohstoffboom eine neue Kaste von Superreichen erzeugt.

SAO PAULO. Zu den 20 Milliardären, die das Magazin "Forbes" für 2007 ermittelt hatte, sind nach Medienberichten allein in den vergangenen Monaten 14 weitere hinzugekommen.

Einer von ihnen ist Eike Batista. Er ist schon länger ein erfolgreicher Unternehmer. Doch so richtig ernst genommen hat man den heute 51-Jährigen in der brasilianischen Geschäftswelt bisher nicht - obwohl er vor zehn Jahren schon seine erste Milliarde verdient hatte. Damals verkaufte er Beteiligungen an Goldschürfrechten im Amazonas. Die hatte er als Zwanzigjähriger zusammengekauft.

Doch ansonsten scheiterten viele seiner Projekte: Die eigene Geländewagenmarke meldete Konkurs an, der Expressdienst als Konkurrent zur brasilianischen Post ebenfalls. Letztes Jahr warf ihn der bolivianische Präsident Evo Morales aus dem Land, weil ihm die Stahlschmelze des Brasilianers nicht gefiel. Zusätzlich tauchte Batista immer häufiger auf den Gesellschaftsseiten auf: Dafür sorgte die Gattin Luma de Oliveira, Ex-Model, gefeierte Sambatänzerin und mehrfaches Playboy-Covergirl. Sie bediente mit ihren Eskapaden und Ehestreitigkeiten ausgiebig die Klatschpresse. Aber auch die vom Gatten lancierte Parfum-Marke mit ihrem Namen scheiterte noch vor der Scheidung.

So war es kein Wunder, dass nur wenige vom Erfolg überzeugt waren, als Batista vor eineinhalb Jahren ein paar Eisenerzminen unter dem Namen MMX bündelte und an die Börse brachte. Obwohl die Minen noch keine Tonne Erz förderten - aber genehmigt und betriebsbereit waren -, zahlten Investoren ihm 500 Millionen Dollar für ein Drittel der Aktien. "Glück gehabt", grummelte die Finanzelite in São Paulo über den Aufsteiger aus Rio de Janeiro. Doch seit zwei Wochen muss sich die Finanzoligarchie daran gewöhnen, dass bei Batista mehr als Glück im Spiel sein muss. Der smarte Unternehmer überraschte die Finanzmärkte mit der unglaublichen Mitteilung: Der Bergbauriese Anglo American bezahlt für die zwei wichtigsten Erzminen von MMX 5,5 Milliarden Dollar. Drei Milliarden Dollar davon kassiert Batista.

"Wir haben den Börsenwert in 18 Monaten verfünffacht", sagt Batista stolz. "Ich bin damit der reichste Mann Brasiliens." Denn nicht nur seine Erzminen haben gewaltige Gewinnsteigerungen erfahren. Das "System X" - das "X" ziert alle Firmennamen und steht symbolisch für die Multiplikation des Gewinns - funktioniert wie geschmiert. Seinen Energieerzeuger MPX hat Batista noch Ende letzten Jahres an die Börse gebracht, wo seine Zweidrittelmehrheit rund 2,5 Milliarden Dollar wert ist. Seinen Logistikkonzern LLX will er genauso an die Börse bringen wie seine Öl- und Gastochter OGX. Unter dem Strich seien seine Firmen 16,6 Milliarden Dollar wert, erklärt er. Damit wäre Batista auf der Forbes-Liste der Milliardäre auf Platz 26 weltweit aufgestiegen. Doch damit nicht genug: "In fünf Jahren will ich der reichste Mann der Welt sein", ließ Batista die Zeitschrift "Exame" wissen.

Derzeit scheint an Brasiliens Finanzmärkten und in der Unternehmerschaft alles möglich. Denn noch nie sind in Brasilien so viele Vermögen entstanden wie in den vergangenen zwölf Monaten. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group gesellten sich alleine im letzten Jahr pro Tag 164 Dollarmillionäre zum Club der brasilianischen Schwerreichen. Rund 190 000 brasilianische Millionäre gibt es heute, 60 000 sind letztes Jahr dazugekommen.

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