Szenarien
Wie es nach dem Ausverkauf weitergeht

Die Märkte bleiben in Aufruhr. Prognosen, wie es genau weitergeht, sind schwierig. Drei unterschiedliche Szenarien zur künftigen Entwicklung der Börse sind denkbar. Was für und was gegen ein tieferes Abrutschen spricht.
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DüsseldorfSzenario 1: Die Gewinne brechen wie im Krisenjahr 2008 dramatisch ein

Die Börse hat ihre Entscheidung gefällt: Die Rekordgewinne und optimistische Ausblicke gehören der Vergangenheit an. Die Firmenerträge werden künftig sinken – und zwar abrupt. Genauso wie sie auch im Jahr 2008 entgegen den damaligen Erwartungen tief gefallen sind. Spätestens seitdem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die derzeitige Situation an den Finanzmärkten mit dem Krisenjahr 2008 verglichen hat, setzen viele Anleger und sogar die üblicherweise optimistischen Analysten auf dieses Negativszenario.

Damals mündete das Boomjahr 2007, in dem die Unternehmen so viel wie noch nie verdienten, in eine tiefe Depression. Die Nettogewinne der 30 Dax-Konzerne brachen in den beiden Krisenjahren 2008/09 um 60 Prozent ein.

Angenommen, die Geschichte wiederholt sich, dann wären die Unternehmen mit einem Mal gar nicht mehr so preiswert bewertet, wie es jetzt scheint. Ganz abwegig scheint ein solch drastischer Rückgang der Firmengewinne keineswegs. Das Jahr 2008 war keine Ausnahme. Auch 2001, als Deutschlands Wirtschaft stagnierte und keineswegs in eine tiefe Rezession wie 2008 versank, waren die Gewinne um 60 Prozent gesunken. Grund für diese außerordentlich hohen Schwankungen sind die vielen konjunkturempfindlichen Konzerne im Dax. Sie profitieren außerordentlich vom Aufschwung, leiden aber auch überdurchschnittlich stark unter globalen Nachfragerückgängen, weil dadurch sofort die Preise sinken – und mit ihnen die Margen.

Bei einem angenommenen 60-prozentigen Gewinnrückgang läge das Kurs-GewinnVerhältnis (KGV) nicht mehr wie aktuell bei acht, sondern bei 20. Der Grund: Um 60 Prozent gefallene Gewinne müssen um 150 Prozent steigen, um wieder das Ursprungsniveau zu erreichen. Mit einem KGV von 20 wären die deutschen Konzerne an der Börse um knapp 45 Prozent überbewertet – gemessen am langfristigen Bewertungsdurchschnitt. Das heißt: Wiederholt sich die Geschichte, dann hat der Dax noch reichlich Abwärtspotenzial in Richtung 3 000 Punkte.

Kommentare zu " Szenarien: Wie es nach dem Ausverkauf weitergeht"

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  • Die deutsche Realwirtschaft ist in der letzten heftigen Rezession um rund 5 Prozent geschrumpft. Der deutsche Aktienmarkt ist dabei um rund 50 Prozent geschrumpft. Die Aktienmärkte bilden die Realwirtschaft nicht mehr ab. Es gibt nur noch maßlose Übertreibungen. Nach oben wie nach unten.

    Es ist nur zu gut zu verstehen, dass Otto Normalverbraucher sich an diesem Zockerspiel nicht mehr beteiligen will - weder direkt mit eigenen Investments noch indirekt, um mit Steuergeld Banken rauszuhauen, die sich verzockt haben.

  • Die Refinanzierungsschwierigkeiten Spaniens und Italiens werden in 2012 den Druck im Kessel dramatisch ansteigen lassen. Der Ausverkauf kommt erst noch !

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