Tagesgeld und Sparbuch statt Aktien
Sparer in Schockstarre

Die Zinsen sind mehr oder weniger abgeschafft, doch die Deutschen bleiben Sparbuch und Tagesgeld treu. Glücklich sind sie damit nicht. Handeln wollen sie aber auch nicht. Ziemlich unlogisch, oder? Ein Erklärungsversuch.
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FrankfurtDeutsche Sparer haben es nicht leicht: Sie meiden das Risiko wie der Teufel das Weihwasser, deshalb bleiben sie ihrem heißgeliebten Sparbuch und dem nicht weniger beliebten Tagesgeld treu. Doch glücklich sind die Deutschen mit ihrer Entscheidung nicht. Im Gegenteil. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Goldman Sachs Asset Management (GSAM) in Zusammenarbeit mit TNS Infratest.

Obwohl Tagesgeld und Sparbuch nur noch homöopathisch verzinst sind, horten rund 77 Prozent ihr Geld weiterhin auf diesen Konten. Mehr als die Hälfte sind mit dieser Geldanlage aber eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden (60,4 Prozent). Trotz des Niedrigzins-Schocks reagieren die Sparer nicht – und das obwohl sie überwiegend davon ausgehen, dass das derzeitig historisch niedrige Zinsniveau in Europa weitere drei bis fünf Jahre oder sogar länger anhalten wird (65,4 Prozent).

„Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass sich die deutschen Anleger zwar des Niedrigzinsumfeldes bewusst sind, jedoch bei ihrer bereits vorhandenen Geldanlage nicht entsprechend reagieren“, sagt Markus Weis, Leiter des Drittvertriebs für Deutschland und Österreich bei GSAM. Auch in den kommenden zwölf Monaten wollen mehr als 75 Prozent der Befragten ihr Geld nicht in eine für sie neue Anlageklasse investieren.

Die Aktie ist für die Befragten scheinbar keine Alternative. Fast 85 Prozent der Befragten, die bisher keine Aktien oder Aktienfonds halten, wollen auch in den kommenden zwölf Monaten nicht in diese Anlageklasse investieren. Goldman und Infratest befragten ausschließlich Menschen, die entweder bereits in einer Anlageform – vom Sparbuch über Immobilien und Aktien bis zu Rohstoffen – investiert sind oder Geldvermögen für Investments verfügbar haben.

Ein klares Ergebnis: Die Aktie bleibt unbeliebt. Nur jeder Vierte ist aktuell Aktionär – über eine Direktanlage oder einen Fonds. Im Gegensatz zu den Sparbuchfans ist allerdings der Großteil der Aktionäre mit den Erträgen sehr zufrieden oder eher zufrieden (69,2 Prozent). Was angesichts der jahrelangen Rally an den Märkten und der rekordhohen Dividendenzahlen allerdings wenig überraschend ist.

Für den Großteil der Befragten ist Sicherheit das wichtigste Kriterium, wenn sie sich für eine Geldanlage entscheiden (61,8 Prozent). Quer durch alle Anlageklassen geben mindestens 60 Prozent an, gar kein oder nur ein geringes Risiko eingehen zu wollen. „Die Deutschen haben weiter ein hohes Sicherheitsbedürfnis hinsichtlich ihrer Geldanlage“, sagt Weis. „So scheuen die Privatanleger weiterhin Aktien und Aktienfonds, obwohl gerade diese Anlageklasse in der aktuellen Zinsphase noch attraktive Renditen bietet.“

Die Deutschen halten die Unternehmensbeteiligungen via Börse für unsicher, riskant und kompliziert. Das bewies zuletzt auch eine Studie des Deutschen Aktieninstituts und der Börse Stuttgart. Außerdem seien Aktien „nur was für Reiche“. Solche Fehleinschätzungen führen dazu, dass die fleißigen Sparer von Aktien lieber die Finger lassen.

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Unsicher, riskant, kompliziert

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  • Nun , es gint ja die Regel, je älter der Anleger, umso weniger Aktienanteil. Da die Bevölkerung (die Geld hat) immer älter wird, fährt sie diesen Anteil eben zurück.

    P.S. Komentieren geht nicht mehr mit Firefox 3.26 !

  • Mein Kommentar von gestern ,21.10., 12:34 Uhr

    da schrieb ich von:"Montag VOR Börseneröffnung hatten wir das Tief...."
    Damit erwecke ich den Anschein als gäbe es das Tief IMMER VOR Xetrastart.

    Das ist natürlich Quatsch, ab und zu trifft das zwar zu,wie alle Prognosen an der Börse iregndwann mal eintreten...
    denn das Tagestief am Dinestag war nach 10 Uhr....und das Tief am Mittwoch war nach 11 Uhr....
    Heute war das bisherige Tief um 09:07 Uhr....also auch wieder NACH Xetraeröffnung
    aber vielleicht klappt es ja morgen mit demn Tagestief VOR Xetrastart

  • Herr Rehm, Sie haben selbstverständlich Recht damit, dass der Wertzuwachs der meisten Aktien in den letzten Jahren nicht durch einen Wertzuwachs der Unternehmen begründet ist. Unser Geld ist halt durch die katastrophale Euro-Rettungspolitik weniger wert. Daher muss man nun deutlich mehr Euros für Vermögenswerte hinlegen. Aber was soll man denn Ihrer Meinung nach machen, wenn man sich in Zukunft und im Alter der Gängelei des ökosozialistischen Staates unterwerfen will? Wenn man nicht zum Bittsteller bei irgendwelchen ökosozialistischen Beamten werden und seine Freiheit auch im Alter bewahren will, bleibt einem doch nichts anderes übrig als Vermögensaufbau durch Investition in Sachanlagen. Klar, unsere Regierenden stört das, weshalb sie den Vermögensaufbau immer mehr erschweren. Freie Menschen, welche über die finanziellen Mittel verfügen, über ihr Leben selbst zu entscheiden, sind unserer ökosozialistischen Beamtendiktatur halt ein Dorn im Auge. Daher sehe ich Vermögensaufbau inzwischen auch als Mittel des passiven Widerstandes gegen die ökosozialistische Bevormundung an. Und alleine schon aus Gründen der Diversifizierung gehören Aktien halt dazu. Immobilien sind auch nicht schlecht, haben aber den großen Nachteil, immobil zu sein. Ähnlich wie bei allem, was der Staat fördert (z. B. Rürup-Rente) hat der Staat seinen Finger drauf. Aktien kann man zur Not schnell in ein Depot ins Ausland verschieben, sofern man sie nicht gleich nach dem Kauf in einem ausländischen Depot liegen hat. Ein Vorteil von Aktien, dem meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.

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