Testfall Zypern
„Ohne gemeinsame Haftung zerbricht der Euro“

Zypern ist wirtschaftlich winzig. Doch die Insel steht für viel mehr. Es gehe es um den Fortbestand des Euro, warnt Saumil Parikh von Pimco im Interview. Der weltgrößte Anleiheinvestor hat bereits Konsequenzen gezogen.
  • 105

Herr Parikh, Zypern macht nur einen Bruchteil der Wirtschaftskraft der Euro-Zone aus. Warum ist die Insel ein so großes Problem?

Wirtschaftlich ist Zypern kaum von Bedeutung. Man könnte meinen, ein Ausscheiden aus der Euro-Zone sei verkraftbar. Viel schwerer wiegt aber der politische Schaden. Zypern wird zum Präzedenzfall.

Sie spielen darauf an, dass erstmals Sparer für die Rettung der Banken zahlen sollten.

Das war eine sehr schlechte Idee. Damit hat man grundlegende Eigentumsrechte angetastet.

Wahrscheinlich wird es die Zwangsabgabe nun doch nicht geben.

Selbst wenn es letztlich nicht zu einer Zwangsabgabe kommen sollte, ist die Wirkung fatal.

Warum?

Allein die Möglichkeit, dass Bankeinlagen im Notfall herangezogen werden könnten, ändert alles. In Spanien oder Italien werden sich die Menschen künftig fragen, ob ihr Geld auf dem Konto sicher ist. Diese Unsicherheit kann das Banksystem in Europa insgesamt destabilisieren. Das System basiert auf dem Vertrauen, dass das Geld sicher ist, sobald es auf einem Konto liegt.

Sie arbeiten für einen der größten Investoren der Welt. Was bedeutet Zypern für Pimco?

Das hat für uns große Bedeutung. Die Frage, ob das Geld sicher ist, hat signifikante Auswirkungen für jeden Ausländer, der in Europa investieren will.

Was heißt das konkret?

Wir haben unser finanzielles Engagement im Euro in den vergangenen Tagen reduziert.

Gehen Sie davon aus, dass die Rettung doch noch scheitert?

Das will ich nicht hoffen. Die zyprischen Banken müssen schnell rekapitalisiert werden, sonst droht eine ungeordnete Pleite. Es liegt jetzt allein an der Politik, das Geld aufzutreiben.

Woher soll das Geld kommen?

Entweder von Investoren aus dem Ausland, auch aus Russland. Oder von den anderen Euro-Ländern. Wenn Europa eine Fiskalunion werden soll, dann müssen die einzelnen Staaten im Notfall füreinander haften. Wenn die Fiskalunion nicht das Ziel ist, dann ergibt eine Rettungsaktion natürlich keinen Sinn.

Nehmen wir mal an, deutsche oder französische Steuerzahler müssten für Zypern zahlen. Ist eine solche Haftungsunion für Europa realistisch?

Das ist natürlich ein großes Opfer. Anders kann eine Währungsunion aber nicht funktionieren. Es muss eine fiskalische und politische Union geben. Sollte Europa dazu nicht bereit sein, dann wird der Euro auf lange Sicht nicht überleben.

Kommentare zu " Testfall Zypern: „Ohne gemeinsame Haftung zerbricht der Euro“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es geht doch letztlich um die entgültige Beseitigung der Nationalstaaten und je größer die "Eurokrise" herbeigeführt wird um so einfacher können die Kommissare in Brüssel die Menschen in Europa zu einer gemeinsamen Hammelherde vereinen.
    Die USA und Goldmann Sachs lachen sich dann hoffentlich Tod.

  • @ Delinix

    Sie haben einen schönen Traum beschrieben. Ich bin Mitglied der AfD und wir werden dafür kämpfen, daß der Traum wahr wird!

  • @ Rainer_J

    PIMCO galt bisher immer als empfehlenswerte Adresse für Anleihen-Fonds. Ich bin grundsätzlich kein Fonds-Investor, schaue mir aber von Zeit zu Zeit mal einige Fonds von innen an.

    Diese Angaben über die aktuellen Investments des Fonds-Managers verwundern mich doch sehr. Vor allem weil er hier auch noch erklärt mehr risikoavers zu investieren. In Wirklichkeit ist das nichts anderes, als das von der EZB erhaltene Geld für faule Anleihen, wieder in faulen Anleihen anzulegen usw.usw. Die EZB und der ESM werden es schon richten!

    Ich empfehle hierzu unbedingt folgendes Video anzusehen:
    http://www.my-metropolis.eu/Filme/Staatsgeheimnis-Bankenrettung.php
    Dauer 54 Minuten, ist ursprünglich auf ARTE gelaufen.

    Danach werden Sie wissen, daß die Zockerei der Geldinstitute ohne harte gesetzliche Vorgaben nie enden wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%