Thorsten Weinelt im Interview
„Die Erholung am Aktienmarkt kommt“

Thorsten Weinelt rechnet mit weiteren Gewinnen am Aktienmarkt. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt der Research-Leiter von Unicredit, wieso er so optimistisch ist und wo die größten Chancen für Anleger liegen.

Herr Weinelt, Ihr Haus hat gerade erst sein Jahresendziel für den Dax von 4 650 auf 5 100 Punkte nach oben gesetzt. Woher kommt der plötzliche Optimismus?

Wir gehen schon seit Herbst letzten Jahres von einer Stabilisierung der Aktienmärkte in 2009 aus. Die wirtschaftliche Erholung kommt langsam, wenn auch holprig. Aber manche Bereiche stabilisieren sich sogar schneller als erwartet. Das lässt sich an realen Zahlen klar belegen. Was wir in den vergangenen Tagen gesehen haben, von steigenden Auftragseingängen bis zu einer höheren Industrieproduktion, von den greifenden Fiskalprogrammen weltweit bis zur Stabilisierung in China, trägt zu einer verhalten positiven Tendenz bei. Ein Plus von rund zehn Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau erscheint da durchaus realistisch.

Warum nehmen die Märkte das im Moment kaum wahr und zeigen in der Tendenz gar nach unten?

Am Aktienmarkt hat man in den vergangenen Monaten sehr stark auf den Trendwechsel gesetzt. Der Dax schoss 40 Prozent nach oben. Jetzt kommt die Pause, der Realitätstest sozusagen. Wir hatten in den Jahren 2002 bis 2003 eine ähnliche Phase, als die Erwartungen nach oben schnellten, die Lage aber nicht nachziehen konnte. Anschließend kam eine weitere Korrektur, die viele Anleger jetzt noch in Erinnerung haben. Deswegen sind sie jetzt vorsichtig.

Bringt dann erst das vierte Quartal die Wende, wenn als Vergleichsbasis das grottenschlechte Schlussquartal 2008 zwangsläufig die Aussicht auf Besserung bietet?

Hier werden wir sicherlich positive Impulse erleben, schließlich gilt das vierte Quartal 2008 gemeinsam mit dem ersten Quartal 2009 als wirtschaftlicher Tiefpunkt in der aktuellen Krise.

Wo lauern Gefahren für Ihr optimistisches Szenario?

Hauptproblem könnte die steigende Arbeitslosigkeit werden. Jedoch ist die Hoffnung nicht unberechtigt, dass positive Instrumente wie die Ausweitung der Kurzarbeit ihren Zweck erfüllen. Wenn in Verbindung mit Infrastrukturprogrammen die Kapazitäten künftig wieder vermehrt ausgelastet werden, dann hätten beide Maßnahmen ihren Zweck erfüllt.

Wenn aber nicht, dann wäre das zarte Pflänzchen des privaten Konsums, der bisher in der Krise überraschenderweise zur Stütze der Wirtschaft wurde, auch noch verwelkt...

Das könnte tatsächlich schnell passieren, wenn die Arbeitslosenzahl über fünf Millionen steigt. Daran glaube ich aber nicht.

Seite 1:

„Die Erholung am Aktienmarkt kommt“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%