Tool der Woche Lohnt sich jetzt noch eine Lebensversicherung?

Die Lebensversicherung ist zuletzt wegen möglicher Verkäufe von Beständen und geringer Verzinsung ins Gerede gekommen. Was Verbraucher jetzt wissen sollten.
Update: 15.12.2017 - 19:28 Uhr 1 Kommentar
Lohnt sich jetzt noch eine Lebensversicherung? Quelle: dpa
Versicherungen

Einen Einzahlungsstopp lassen viele Versicherer nur zu, wenn bereits ein bestimmter Rückkaufswert erreicht ist.

(Foto: dpa)

MünchenSie ist das Lieblingsprodukt der Deutschen, wenn es um Gelddinge geht, vereint die kapitalbildende Lebensversicherung doch Geldanlage, Altersvorsorge und Schutz der Hinterbliebenen gleichermaßen.

Dass sie in den vergangenen Monaten verstärkt ins Gerede gekommen ist, hat mehrere Gründe. Die mittlerweile seit sieben Jahren anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank macht es den knapp 90 Anbietern am deutschen Markt zunehmend schwerer, die versprochenen Zinsgarantien zu erfüllen. Vermehrt denken deswegen Versicherer darüber nach, ihre Bestände an so genannte Run Off-Gesellschaften zu verkaufen. Auch wenn der Düsseldorfer Versicherer Ergo seine Pläne in diese Richtung zuletzt wieder zurückgezogen hat, so bleibt die Branche doch in Aufruhr. Von einem „Kollateralschaden“ spricht beispielsweise Rainer M. Jacobus, Vorstandschef des Lebensversicherers Ideal. Und beim Branchenverband GDV spüren sie bereits schrumpfende Einnahmen.

Hier deshalb die wichtigsten Fragen für jene, die entweder gerade eine Lebensversicherung abschließen wollen oder sich fragen, ob ihr laufender Vertrag noch das passende Produkt für sie ist:

Soll ich jetzt noch eine Lebensversicherung abschließen?

Grundsätzlich hat das Produkt in der heutigen Zeit noch seine Berechtigung. Daran haben auch die niedrigen Zinsen nichts geändert. Auch das Interesse der Kunden ist generell nicht geringer geworden. Zögern lässt viele Kunden indes die langfristige Bindung über bis zu drei Jahrzehnte, die sie mit einem solchen Vertrag eingehen. Schließlich sind Beruf und Privatleben längst nicht mehr so planbar, wie das noch für die Generation der Eltern und Großeltern der Fall war. Die Versicherer sind deswegen gefragt, mehr Flexibilität in den Vertragsbauteilen möglich zu machen als bisher. Befragt nach ihren Wünschen, stehen solche Themen bei interessierten Kunden mittlerweile ganz weit oben. In jüngster Zeit haben die Assekuranzen vermehrt auf diese Wünsche reagiert und bauen ihr Angebot zunehmend aus.

Ein klassischer Vertrag mit Garantiezins oder besser eine neue Variante mit der Aussicht auf möglicherweise mehr Rendite?

Wer allein die Entwicklung beim Branchenführer Allianz ansieht, der erkennt schnell die Richtung. Rund 90 Prozent der in diesem Jahr abgeschlossenen Verträge waren neue Produkte ohne Garantiezins. Manche Versicherer wie Ergo haben klassische Produkte mit Garantiezins gar nicht mehr im Programm. Andere bieten sie nicht mehr aktiv an. Der Garantiezins sei mit 0,9 Prozent nur noch wenig attraktiv, argumentieren sie. Die modernen Produkte sind dagegen in der Regel auf Fondsbasis angelegt. So haben die Versicherer die Möglichkeit, breiter zu investieren und langfristig eine höhere Rendite zu erwirtschaften.

Lebensversicherung lohnt sich nicht

Lebensversicherung lohnt sich nicht

Dafür gibt es als Absicherung nach unten gewöhnlich nur noch den Erhalt des eingezahlten Kapitals und keine Garantie mehr auf eine Verzinsung. Die Verfechter der klassischen Variante wie die genossenschaftliche R+V Versicherung loben indes die im Vergleich zu anderen festverzinslichen Sparanlagen noch immer gute Verzinsung von 0,9 Prozent. Zumal dazu gewöhnlich noch die Beteiligung an den Überschüssen kommt, die jeweils am Jahresende neu festgelegt wird.

Wenig überraschend ist aber auch sie zuletzt stetig gesunken. Einige Versicherer wie die Allianz oder Axa bieten somit für ihre klassischen Produkte weiterhin eine laufende Verzinsung von 2,8 Prozent bzw. 2,9 Prozent. Andere Häuser wie die R+V oder die Alte Leipziger haben sie zuletzt leicht gesenkt auf 2,6 bzw. 2,5 Prozent. Bei den modernen Varianten liegt die laufende Verzinsung bei vielen Versicherern etwas höher. Eine Ausnahme bildet hier Axa, wo sie bei der klassischen und der modernen Variante mit 2,9 Prozent gleichauf liegt.

Was wäre eine Alternative zur Lebensversicherung?

Hier gibt es einiges, der direkte Vergleich zur kapitalbildenden Lebensversicherung hinkt jedoch. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sichert beispielsweise das Einkommen ab, wenn die bisherige Erwerbstätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann. Der Aspekt Altersvorsorge ist indes hier nicht enthalten. Sie ist aber auch als Zusatzbaustein zur Lebensversicherung möglich.

Die Riester-Rente ist hingegen eine Alternative als zusätzliche Absicherung für das Rentenalter und wird zudem staatlich gefördert, sie bietet jedoch keine Sicherheit im Todesfall oder bei Berufsunfähigkeit. Am nächsten kommt der kapitalbildenden Lebensversicherung noch eine Risikolebensversicherung in Kombination mit einem Sparvertrag. So werden gleichzeitig die Aspekte Absicherung und finanzielle Vorsorge für das Alter kombiniert.

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1 Kommentar zu "Tool der Woche: Lohnt sich jetzt noch eine Lebensversicherung?"

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  • Ja, aber nur im 2. Leben.

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