Trader: Das sind doch alles Zocker! Oder?

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Das sind doch alles Zocker! Oder?

Wer sich als Trader outet, ist bei vielen Menschen gleich schon unten durch. Auf der Fachmesse World of Trading haben sich am Wochenende gleich 4.000 solcher Exoten getroffen. Was sie antreibt und wo die Fallen lauern.
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FrankfurtDie Welt der Trader - wer darein eintaucht, braucht Mut. Nicht bloß, weil er Gefahr läuft, beim schnellen Handel mit Aktien, Devisen und Hebelprodukten sein Geld zu verlieren, sondern auch, weil Trading in der Gesellschaft verpönt ist.

Einen Trader stellen sich viele etwa so vor: Da sitzt ein Mensch einsam vor seinem Computer, auf dem Bildschirm flackern die Kurse und alle paar Minuten – oder gar Sekunden – gibt er einen Kauf- oder Verkaufauftrag. Mal setzt er auf steigende, mal auf fallende Kurse, mal handelt er mit einer echten Aktie und mal mit Schuldverschreibungen, hinter denen gar kein realer Wert steckt. Kurzum: Er ist ein Zocker.

Kein Zweifel, auf der World of Trading – der Frankfurter Fachmesse mit Seminaren, Ausstellern und Podiumsprogramm – finden sich viele, die diesem Klischee ganz gut entsprechen. Doch es gibt auch solche Besucher, die sich noch vorsichtig an das Handeln herantasten – häufig allerdings mit großen Zielen.

So auch ein Jurastudent, der kurz vor Abschluss seines Examens steht. „Ich bin zum dritten Mal auf dieser Messe“, erzählt er. Lange hat er sich informiert und viel gelesen, erst vor sechs Monaten hat er aktiv mit Traden begonnen und setzt bevorzugt auf Devisen. Ernsthaft und dauerhaft möchte er traden. Als Zocker sieht er sich nicht. „Würde ich zocken wollen, würde ich nach Wiesbaden ins Casino fahren“, sagt er.

Der angehende Jurist hofft darauf, einmal vom Traden leben zu können. Sein Ansatz klingt solide, sein Rendite-Traum könnte im Trading-Alltag aber schnell platzen. „Wenn man mit einer Anfangssumme von nur 3000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren, also insgesamt 750 Handelstagen, täglich nur ein Prozent Rendite erwirtschaftet, kommt man auf eine beachtliche Endsumme von 5,2 Millionen Euro brutto, immerhin 2,7 Millionen Euro netto“, rechnet er vor. „Diese Vorstellung finde ich einfach gigantisch.“

Unabhängig sein, viel Geld verdienen und dafür noch nicht einmal den heimischen Schreibtisch verlassen. Für manch einen klingt das geradezu nach Paradies. Doch Thomas Vittner, der selbst Trader ist und unter anderen das Buch „Das Trader Coaching: So werden Sie zum Gewinner“ geschrieben hat, holt solche Träumer schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: „So funktioniert Trading nicht, ich kann nicht jeden Tag mit der Summe x rechnen. Ich habe lediglich einen statistischen Erwartungswert meines Systems.“

Kommentare zu " Trader: Das sind doch alles Zocker! Oder?"

Alle Kommentare
  • gmaxx, können sie das empirisch beweisen, oder ist das nur dummes Geschwätz? Ich vermute Letzteres, weil Spekulantenbashing in ist, besonders bei schlichten Gemütern. Warum sollte die Nullzinspolitik das Daytrading begünstigen?

  • Weltweit steigende Maerkte aufgeblasen von der Nullzinspolitik produzieren als Nebeneffekt eine zunehmende Zahl von Daytradern.Diese Spezies sterben bei fallen Maerkten noch schneller weg, als sie zuvor enstanden sind.Es ist dies keine Fragen des "ob", sondern nur des genauen " wann? ".

    History does repeat !

    Gmaxxx

  • Auf jeden Fall mit einer GUTEN online-community (findet man wie die Stecknadel im Heuhaufen, und auch eher in Amerika als in Deutschland) oder mit einem privatem Coach. Ich habe Jahre gebraucht, und bin dann in Amerika fündig geworden, seither sehr zufrieden. Aber 5 Jahre Fehlversuche hinter mir, "Zweitsemester coacht Erstsemester"-Typen, teure Chatrooms, sinnlose Bücher und anderes. Wenn Sie interessiert, wo ich letztendlich fündig wurde, schreiben Sie mir einfach eine e-mail an tradingwoman@web.de . Mir würde es auch Spaß machen, ein wenig zu coachen/zu unterrichten - das eigene Trading wird davon besser!
    Gruß tradingwoman

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