Traditionsreederei funkt SOS
Rickmers-Anleihegläubiger müssen leiden

Der in Seenot geratene Schifffahrtskonzern stellt Pläne für eine Restrukturierung vor und will die Pleite verhindern. Firmenpatriarch Bertram Rickmers wird danach Macht verlieren – und Anleihegläubiger verlieren viel Geld.
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DüsseldorfEs ist eine der größten Notlagen im Segment der Mittelstandsanleihen bislang: Der Schifffahrtskonzern Rickmers verkündigte am späten Mittwochabend einen Restrukturierungsplan. Danach soll es harte Einschnitte für alle Gläubiger geben, eine Insolvenz will der Konzern allerdings vermeiden. Tausende Privatanleger und eine Reihe institutioneller  Investoren haben bei Rickmers Anleihen im Nennwert von insgesamt 275 Millionen Euro gezeichnet.

Die an Hamburgs Elbe residierende Rickmers Holding AG ist mit 114 Schiffen im Management einer der größten Vermieter von Containerfrachtern weltweit. Wegen enormer Überkapazitäten auf den Weltmeeren sorgten die niedrigen Charterraten in den vergangenen Jahren für hohe Verluste, vor allem bedingt durch Sonderabschreibungen auf die Schiffe. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 kamen bei 374 Millionen Euro Umsatz Nettoverluste von 199 Millionen Euro zusammen. Die Reederei gehört bislang noch zu 100 Prozent dem 64-jährigem Unternehmer Bertram Rickmers.

Laut einer Ad-hoc-Meldung sollen nun alle „relevanten Stakeholder“, zu denen neben Alleinaktionär Rickmers auch die Banken und Anleihegläubiger gehören, einen Beitrag leisten, um eine Sanierung des Konzern zu ermöglichen. Der Konzern hat neben den Anleiheschulden auch etwa 1,425 Milliarden Euro an Bankschulden in den Büchern stehen.

Die im Juni 2013 begebene Anleihe mit einem Kupon von 8,875 Prozent ist im Juni 2018 fällig. Ihr Kurs sinkt seit fast zwei Jahren in immer tieferes Gewässer und bewegt sich derzeit nur noch um acht Prozent ihres Nennwerts. Als Trost bleibt Anleihegläubigern, dass laut Plan alle Anleger die im Juni fällige Zinszahlung noch voll erhalten sollen. Das unter der Bedingung, dass die Gläubiger zu diesem Zeitpunkt bereits die dafür notwendigen Beschlüsse gefasst haben, sprich, dass sie einen gemeinsamen Vertreter gewählt und ermächtigt haben. Im Kurs spiegelt sich derzeit nur noch diese letzte Ausschüttung wider. Die Anleihe war seinerzeit von der Rickmers Holding unter dem Versprechen „Wertentwicklung im gesamten Schiffslebenszyklus“ begeben worden.

Unternehmenschef Bertram Rickmers soll nun laut Sanierungsplan fast dreißig Millionen Euro neu in das Unternehmen stecken. Der bisherige Alleinaktionär soll eine Bareinlage von zehn Millionen Euro leisten. Auch soll er für eine „Werftenverbindlichkeit“ in Höhe von umgerechnet knapp zehn Millionen Euro gerade stehen. Weitere zehn Millionen Euro soll er als abrufbares Darlehen für künftigen Liquiditätsbedarf zur Verfügung stellen. Bereits 2016 hatte Rickmers 13 Millionen Euro als Bareinlage in das Unternehmen gesteckt.

Gleichzeitig muss Rickmers auf rund 75 Prozent seiner Aktienanteile verzichten. Sie sollen auf eine neu zu gründende Luxemburger Gesellschaft namens „Luxco“ übergehen, die einen großen Teil der Verbindlichkeiten der Rickmers Holding bündelt. Darunter fallen die Anleihen und einen Teil eines Darlehens der HSH Nordbank. Rickmers wird dann nur noch 24,9 Prozent seines Unternehmens halten. Der Rest soll über die „Luxco“ an Investoren verkauft werden. Die Erlöse sollen in einem „noch zu verteilenden Schlüssel“ an die HSH Nordbank, die Anleihegläubiger und an eine weitere Bank gehen. Der Sanierungs- Plan wurde in maßgeblichen Teilen vom Münchner Restrukturierungsteam One Square Advisors unter Frank Günther mit erarbeitet.

Wie viel am Ende für die Anleihegläubiger übrig bleibt, ist bislang noch unklar. Anlageexpertin Manuela Tränkel von Mandura Asset Management in München hofft bei den Sanierungsbeiträgen auf ein „ausgewogenes Verhältnis zwischen Banken und Anleihegläubigern.“ Häufig waren Anleihegläubiger bei Insolvenzen im Mittelstandssegment fast leer ausgegangen. Die Banken hatten ihre Darlehen dagegen mit vorhandenen Vermögenswerten besichert und waren frühzeitig in Restrukturierungsgespräche eingebunden.

Gerade im Falle Rickmers mit seiner hohen Nettoverschuldung und dem sich permanent verschlechternden Bilanzbild befürchtet Tränkel, dass Banken und Finanzstrategen einen Informationsvorsprung hatten. „Aus den Kursbewegungen könnte man schließen, dass einige mehr wussten als andere,“ mutmaßt sie. Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft SdK findet: „Wir hätten uns gewünscht, dass auch die Anleihegläubiger ihre Wertpapiere in Aktien tauschen können. Dann hätten sie an einer späteren Erholung des Konzerns direkt partizipieren können.“

Details werden die tausenden Gläubiger erst in einigen Tagen erfahren. Den Geschäftsbericht will Rickmers wie geplant am 28. April vorlegen. Ob er von Wirtschaftsprüfern bestätigt sein wird, dazu macht der Konzern keine Angaben.

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