Trend in unsicheren Zeiten
Discounter und Bonuspapiere sind gefragt

Die Investoren setzen verstärkt auf Zertifikate. Fachleute raten dazu, die Konstruktion der Produkte gründlich zu studieren.

FRANKFURT/M. Die Rechnung der Banker ist aufgegangen: In unsicheren Börsenzeiten verkaufen sich Produkte gut, die einen Bonus oder einen Rabatt versprechen. Zertifikate auf Aktien oder Indizes werden immer häufiger in die Anlegerdepots eingebucht. Insbesondere die Umsätze bei Discount-Zertifikaten (Discounter) haben sich deutlich erhöht. „Ich habe das Gefühl, dass nun auch Kundenberater in der Bank und Anlageberater auf diese Produkte aufmerksam geworden sind“, kommentiert Derivatespezialist Florian Brechtel von der Deutschen Bank.

Der Reiz dieser Produkte liegt darin, dass die Anleger auch Gewinne erzielen können, wenn die Kurse nicht steigen. Discount-Papiere sind etwa sinnvoll, wenn die Börsenkurse nicht von der Stelle kommen. Am Beispiel von solchen Zertifikaten auf Aktien ist das leicht zu erkennen: Sie werden mit einem Abschlag (Discount) auf den aktuellen Aktienkurs ausgegeben. Billiger als die Aktie sind sie, weil ihre Gewinnchancen durch einen Höchstbetrag (Cap) begrenzt sind. Mit den Papieren kann man auch auf leicht sinkende Notierungen setzen. Wichtig ist aber: Durch die Konstruktion dieser Zertifikate hat der Anleger das Nachsehen, wenn die Börsen stark steigen oder stark fallen.

Während die so genannten rollenden Discounter bei Anlegern gut ankommen, sind bei der neusten Variante dieser Papiere – mit Namen wie „Double Chance“, „Runner“ oder „Sprinter“ – kaum Umsätze festzustellen. Rollende Zertifikate sind Discount-Papiere, die nur einige Monate laufen, also in der steuerpflichtigen Spekulationsfrist von einem Jahr bleiben; sie bieten einen höheren Discount als länger laufende. Die zweite Gruppe ist komplizierter konstruiert. Vereinfacht dargestellt gilt: Wenn der Kurs der zu Grunde liegenden Aktie am Laufzeitende innerhalb einer bestimmten Bandbreite liegt, erzielen die Besitzer der Papiere die doppelte Rendite gegenüber den Standard-Papieren mit einer Höchstgrenze.

Bei den Bonuszertifikaten gibt es trotz des viel versprechenden Namens nichts geschenkt. Sie funktionieren wie folgt: Der Anleger erhält eine festgelegte Rückzahlung am Ende der Laufzeit, falls die zu Grunde liegende Aktie den Bonuskurs nicht übersteigt und während der Laufzeit nicht auf oder unter die so genannte Bonusschwelle gefallen ist. Diese Rückzahlung entspricht genau dem Bonuskurs. Endet die Aktie dagegen oberhalb oder unterhalb dieses Korridors, so bekommt der Kunde die Aktie oder bei Indexpapieren den Gegenwert ausbezahlt. Der Knackpunkt: Die Banken enthalten den Käufern der Papiere die Dividendenerträge der Aktien vor. Und: Bonuszertifikate werden vor allem auf dividendenstarke Titel wie Versorger begeben.

Weiterhin investieren Anleger stark in Indexzertifikate; vor allem Dax-Indexzertifikate sind gefragt, wie auch Harald Schnabel, Chef des Orderbuchführers Euwax AG bei der Stuttgarter Derivatebörse, bestätigt. Offenbar haben bereits viele Anleger verstanden, dass diese Papiere viel günstiger sind als Fonds, fallen doch keine Gebühren wie Ausgabeaufschläge an.

Abgesehen davon geht der Trend bei Indexzertifikaten zu unbegrenzten Laufzeiten – auch bei neuen Produkten auf Währungen oder Rohstoffen, wie Commerzbank-Experte Christopher Maaß betont. Anleger sollten aber wissen: Den Banken wird bei diesen Produkten ein Kündigungsrecht eingeräumt – oft bereits nach drei Jahren. Allerdings muss dies lange vorher bekannt gegeben werden, und wegen des Imageschadens werden viele Banken dies vermutlich nicht riskieren.

Auf jeden Fall handelt es sich bei den Zertifikaten um einen Wachstumsmarkt, auch wenn die Umsätze im ersten Quartal 2003 niedriger waren als im Vorquartal (s. Grafik). Brechtel: „Das ist oft zu beobachten. Gegen Jahresende gibt es meist heftige Bewegungen am Aktienmarkt. So schichten etwa Fondsmanager ihre Depots um; das nutzen Derivatefans gerne für eigene Aktivitäten.“ Zu Jahresanfang laufe das Geschäft dann meist schleppend an.

Jedoch ist zu empfehlen: Wer die Konstruktion der komplizierteren Papiere nicht verstanden hat, sollte die Hände davonlassen, weil er sonst die Risiken unterschätzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%