Trotz der Kurseinbrüche empfehlen Fachleute für Neueinsteiger Konsumwerte und Bankentitel
Analysten liebäugeln mit Brasilien

Immer mehr Investmentbanken sehen gute Gelegenheiten für Neueinsteiger in den südamerikanischen Aktienmarkt - obwohl die Kursverluste an den dortigen Börsen in den vergangenen Wochen schmerzhaft waren. Gerade Brasilien gilt als interessant.

SAO PAULO. „Die ausländischen Investoren haben Gewinne realisiert“, sagt Tomás Awad, Akienstratege der brasilianischen Großbank Itaú, „einige Aktien sind deshalb interessant geworden.“ Auch die Investmentbank Merrill Lynch, die vor kurzem südamerikanischen Aktien noch skeptisch betrachtet hatte, weist nun auf Chancen in Brasilien „in den nächsten Wochen“ hin.

Allerdings brauchen Anleger eine gewisse Ausdauer. Denn die Stimmungslage an den Märkten dürfte noch eine Weile für fallende Kurse sorgen: Die drohenden Zinserhöhungen in den USA lasten auf den Aktienkursen. Zudem sorgt die erwartete Konjunkturabbremsung in China für besorgte Mienen, weil die Region wichtiger Rohstofflieferant für das Reich der Mitte ist. Entsprechend lösten sich an den Börsen in Argentinien und Chile sich die Kursgewinne seit Jahresanfang in Luft auf. Für Brasilien-Anleger schlägt 2004 sogar ein Minus von 16 % zu Buche.

Die Schweizer Bank UBS empfiehlt bereits seit längerem den Einstieg in Brasilien. In ihrem Modellportfolio für Lateinamerika reduzierte sie den Anteil mexikanischer Aktien schon vor Wochen auf 38 % und erhöhte den Anteil brasilianischer Unternehmen auf 50 %. Aktien von Unternehmen aus Chile (7 %) und Argentinien (3 %) empfiehlt UBS weiterhin nur zurückhaltend. „Brasilien bietet gute Einstiegschancen für Investoren mit mittelfristigen Zeithorizont“, meint die UBS. Die Bank verweist auf die vergleichsweise gesunde Wirtschaft: Trotz der Verschuldung droht keine Krise. Wegen des Exportbooms produziert die Wirtschaft einen Leistungsbilanzüberschuss, der Staatshaushalt ist im Plus, und alle Zinszahlungen für 2004 sind gesichert.

Entscheidend ist jedoch: Es mehren sich die Anzeichen, dass Brasilien vor einer deutlichen Konjunkturerholung steht. Mehr als 3,5 % Wachstum in diesem Jahr erwarten Morgan Stanley und UBS. „Im nächsten Jahr könnten es sogar noch mehr werden“, sagt Klaus Wellershoff, Chefökonom von UBS. So steigen erstmals seit zwei Jahren wieder die Reallöhne, die Stellenangebote nehmen zu. So sind unter den Anlagetipps wieder mehr die Konsumaktien vertreten. Nach einer Umfrage des Finanzdienstleisters Thomson Financial sehen brasilianische Investmentbanker das größte Kurspotenzial für Unternehmen der Branchen Telekom, Getränke, Handel und Autozulieferer – und nicht mehr für Bergbau- oder Stahlfirmen, wie noch vor kurzem.

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