Trotz der Yukos-Affäre erwarten Analysten keine Abkehr der Investoren, aber mehr Risikobewusstsein
Energiebedarf macht Ölwerte krisenfest

Die erste Aufregung über die Yukos-Affäre, die Verhaftung des Konzernchefs Michail Chodorkowskij, hat sich gelegt – geblieben ist ein schaler Nachgeschmack. Zwar haben sich die Ölaktien von ihrem Kursrückschlag Ende Oktober wieder einigermaßen erholt, doch die Ereignisse um den russischen Ölkonzern haben bei Investoren wie Anlegern für einige Verunsicherung gesorgt. Nach wie vor wird befürchtet, dass verstärkt Kapital aus dem Land abfließt. Gleichwohl haben Ölwerte nach Expertenansicht Potenzial, weil die steigende Energienachfrage der dominierende Faktor ist.

DÜSSELDORF. Bei den börsennotierten Ölgesellschaften, die sich besonders stark im rohstoffreichen Russland engagieren, erwarten Analysten bisher keine großen Nachwirkungen auf Grund der Yukos-Affäre. „Was mit Yukos passiert ist, wird sich nicht langfristig im Investorenverhalten widerspiegeln“, sagt Harald Feldhoff, Ölexperte der WGZ-Bank. Die Risikokomponente sei in den Planungen der Ölgesellschaften bereits enthalten, und das politische Risiko sei in Russland besser einschätzbar als etwa im Nahen Osten. Nach Ansicht von Dennis Nacken, Analyst bei Helaba Trust, ist allerdings „das Länderrisiko tendenziell gestiegen“. Dies sei einer der Gründe, warum er den Ölsektor auf eine neutrale Gewichtung heruntergesetzt habe. Schließlich müssten sich die Ölgesellschaften in Regionen mit einem höheren Risiko engagieren, um weiteres Wachstum zu erwirtschaften und zu expandieren.

Beispiele dafür gibt es reichlich. So hat der britische Ölmulti BP erst kurz vor der Verhaftung des Yukos-Chefs für 7 Mrd. $ ein Joint Venture gegründet und plant pro Jahr rund 1 Mrd. $ an Investitionen. Auch Shell investiert Milliarden in die Förderung. Und die US-Konzerne Exxon-Mobil und Chevron hatten sogar über einen Einstieg bei Yukos verhandelt. Allerdings können nach Ansicht von Londoner Marktbeobachtern Exxon-Mobil und Chevron-Texaco ihre Pläne für einen Einstieg bei Yukos auf absehbare Zeit begraben. „Mit dem Schlag gegen Chodorkowskij ist klar geworden, dass Putin die finsteren Privatisierungskapitel der frühen 90er-Jahre nicht unbedingt zugeschlagen lässt“, sagt ein Marktbeobachter in London.

„Unter dem Strich kann man heute noch nicht viel zu den Investitionen der Unternehmen sagen“, meint Jason Kenney, Analyst bei ING Financial Markets. Dazu brauche es eine langfristigere Perspektive von mindestens sechs Jahren. Der Yukos-Effekt auf die Aktien der europäischen Ölmultis sei daher kaum messbar.

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