Trotz Gesundheitsreform
Ausgewählte Pharmatitel bieten Chancen

Die Branche ist im langjährigen Vergleich günstig bewertet. Analysten bevorzugen Altana, Schering und Sanofi-Synthelabo.

DÜSSELDORF. Pharma-Aktien führen zurzeit ein Schattendasein an der Börse. Die Anleger setzen dort auf eine konjunkturelle Erholung. Im Fokus stehen daher Aktien, die von einem Wirtschaftsaufschwung überproportional profitieren – die wenig zyklischen Titel von Medikamentenherstellern gehören nicht dazu. Dazu kommen einige brancheninterne Probleme, die Anleger verschrecken: ein starker Preiswettbewerb in vielen Märkten, Patentausläufe und fehlgeschlagene Neuzulassungen von Medikamenten führen die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einer Studie als Minuspunkte an. Auch die Vorschläge für Gesundheitsreformen in europäischen Staaten wie Frankreich und Deutschland lasten auf den Kursen.

Nach Ansicht von Peter Düllmann, Pharma-Analyst bei Sal. Oppenheim, ist das Umfeld für die Konzerne aber nicht so schlecht wie viele Investoren vermuten: „Die Risiken sind in den Kursen mittlerweile weitgehend eingepreist“, sagt er. Im historischen Vergleich seien Pharma-Aktien zurzeit günstig. Der traditionelle Aufschlag, der den Unternehmen wegen der hohen Margen, die sie erzielen, an der Börse zugestanden wird, sei auf 20 % gesunken – im langjährigen Durchschnitt betrage die Prämie ungefähr 40 %.

Eine Kaufempfehlung für Pharma-Werte traut sich Düllmann allerdings auch nicht abzugeben: „Wir nehmen vorerst eine neutrale Haltung ein, bis klar ist, wohin es an der Börse geht.“ Erst wenn sich der Trend am Markt von den Zyklikern weg bewege, sei die Zeit für Pharma gekommen, so Düllmann.

Alexander Groschke, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), sieht für die europäischen Medikamenten-Hersteller zurzeit keinen einheitlichen Trend. Er setzt daher auf die selektive Auswahl viel versprechender Einzeltitel. Entscheidender für den Kursverlauf der Einzelwerte sei nämlich weniger der allgemeine Branchentrend als viel mehr die einzelnen Unternehmensdaten. Unter diesem Gesichtspunkt sieht Groschke Schering und Altana als „Outperformer“. Schering habe das Potenzial, ertragsstark zu wachsen und habe viel versprechende Medikamente in der Pipeline. Die Kursverluste der vergangenen Monate sieht er dabei eher als zusätzliches Kaufargument.

Für Oppenheim-Analyst Düllmann ist Altana Top-Favorit der Branche, weil das Unternehmen über eine gute Kombination aus erfolgreichen Produkten und hoffnungsvollen Präparaten in der späten Forschungsphase verfüge. Dazu komme die chancenreiche Expansion auf den weltweit wichtigsten Pharmamarkt USA. Eine überdurchschnittliche Kursentwicklung traut er außerdem den Aktien von Sanofi-Synthelabo zu. Sollten die Franzosen den Patentstreit um das Blutverdünnungs-Mittel „Plavix“ gewinnen – wofür Düllmann gute Chancen sieht – werde das Unternehmen „weiterhin zu den am schnellsten wachsenden Konzernen der Branche gehören“.

Eine neutrale Gewichtung empfehlen sowohl Düllmann als auch Groschke für Novartis, Aventis und Glaxo-Smith-Kline. AstraZeneca und Roche bewertet Groschke dagegen skeptisch. „Bei Roche kamen in den vergangenen Monaten gute Nachrichten, aber das hat die Börse schon mit Kurssprüngen quittiert“. Daher sei der Wert „zu teuer“. AstraZeneca belasteten Patentausläufe. Ob diese durch Neuentwicklungen ersetzt werden können, bleibe abzuwarten.

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