Trotz schlechter Quartalszahlen sehen Analysten für die Titel des Bergbauunternehmens gute Chancen
Hoher Nickelpreis beflügelt Inco-Aktie

Der Nickelpreis an der Londoner Metallbörse (LME) scheint derzeit kaum Grenzen zu kennen. Allein in diesem Jahr legte der Kurs des silberweiß glänzenden Metalls fast 60 % zu – mehr als der jeder anderen an der LME gehandelte Rohstoff.

DÜSSELDORF. Vom Höhenflug des Metalls profitieren in erster Linie die Produzenten. So kletterte die Aktie des zweitgrößten Nickelherstellers der Welt, Inco Ltd., seit Mai um knapp 70 % auf über 40 Can-Dollar. Dabei lief das Geschäft bei den Kanadiern in den vergangenen Monaten alles andere als nach Plan. Wegen eines 13wöchigen Streiks, bei dem 3 000 Arbeiter – rund ein Drittel der gesamten Belegschaft – die Arbeit niederlegten, musste Inco seinen größten Betrieb in der Provinz Ontario vorübergehend ganz still legen. Bis Ende August entging dem Unternehmen auf diese Weise nach eigenen Angaben eine Wochenproduktion von rund 2 000 Tonnen. Zusätzlich entstanden Streikkosten von knapp 46 Mill. US-Dollar für Maschinen und Gehälter, die normalerweise als Produktionskosten angerechnet werden. Dementsprechend enttäuschend sehen die am Dienstagabend vorgelegten Quartalszahlen aus: Das Bergbauunternehmen, das neben Nickel auch geringere Mengen an Kupfer und Platin fördert, verzeinet einen Quartalsverlust von 27 Mill. US-Dollar (16 Cents je Aktie) nach einem Gewinn von 91 Mill. Dollar (45 Cents/Aktie) im Vorjahr.

Daniel A. Roling von Merrill Lynch hält Inco-Papiere trotzdem für eine gute Investition: „Das Quartal war zwar außergewöhnlich schlecht, die Umsatzausfälle können aber schnell wieder ausgeglichen werden.“ Die starke Marktposition und der hohe Nickelpreis seien dafür die optimalen Voraussetzungen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Einstieg.“ Denn sollte die Nachfrage konstant auf dem hohen Niveau der vergangenen Wochen bleiben – wovon Roling ausgeht –, werden die Titel spätestens im nächsten Jahr kräftige Gewinne abwerfen, so der Rohstoffexperte. Kurzfristig orientierten Investoren rät der Analyst aber vom Kauf ab: „Schnelles Geld ist in dieser Branche nicht zu machen.“ Denn entscheidend sei auch eine anhaltende Verbesserung der Wirtschaftslage in Europa, da trotz der gestiegenen Nachfrage aus dem asiatischen Raum immer noch über 40 % des gesamten geförderten Nickels in den Staaten der Europäischen Union verarbeitet werden.

„Inco hatte ja schon vor einer Woche die ersten Gewinnwarnungen veröffentlicht. Die schlechten Quartalszahlen kamen daher nicht überraschend“, pflichtet David Charles von Griffiths McBurney Partners bei. Da der Markt auf die Warnung schon kaum reagiert habe, bestätigte er sein Anlageurteil „kaufen“. Wichtiger als der Blick zurück seien die Erwartungen für die Zukunft.

„Für uns bleibt Inco der klare Favorit in der Branche,“ erklärt Ian Howat, Analyst bei National Bank Financial, und lobt vor allem die Expansionsstrategie des Unternehmens: „Inco überprüft gerade eine neue Produktionsstätte in Neu-Kaledonien und wird voraussichtlich das Voisey’s-Bay-Projekt in Kanada gegen Ende 2006 starten.“ Er beziffert den fairen Wert für die Aktien mit 45 Can-Dollar.

Das gleiche Kursziel setzt Ron Coll von Jennings Capital an. „Das Quartalsergebnis war zwar ein Schock – allerdings ohne Auswirkungen auf das zukünftige Geschäft“, urteilt der Analyst. „Solange die Nachfrage das Angebot übersteigt, sehe ich keine Gründe, die gegen ein Fortsetzen der Kursrally sprechen.“ In diesem Jahr rechnet Inco, dessen Marktanteil beim Nickel bei über 20 % liegt, mit einen Umsatz von gut 2,3 Mrd. US-Dollar. „Der wird 2004 sicherlich weit übertroffen“, so Coll. Denn das Ergebnis hänge stark vom Nickelpreis ab. Und vor allem die steigende Nachfrage aus China und Indien werden den Preis stabil halten – „mindestens bis Mitte des nächsten Jahres“.

Das bezweifelt auch die Internationale Nickelstudiengruppe in London nicht. Da die Minengesellschaften in den vergangenen Jahren mit fallenden Rohstoffpreisen ihr Produktionsniveau kaum erhöht haben, sehen die Experten für 2004 ein Angebots-Defizit von rund 30 000 Tonnen. Analyst Matthew Fewings von Mitsui Bussan Commodities geht sogar von 55 000 Tonnen und einem Durchschnittspreis von 10 550 im Vergleich zu rund 9 000 Dollar je Tonne in diesem Jahr aus.

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