Tui-Bonds belastet
Analysten sind bei Tui skeptisch

Die Freude der Tui-Aktionäre über die geplante Fusion der Touristiksparte mit der britischen First Choice teilen die Anleihebesitzer von Tui nicht. Denn ihre Stellung ist nach der Fusion der Touristiksparte mit First Choice noch unklar. Das belastet die Kurse der Papiere.

FRANKFURT. Tui hatte vor gut zwei Wochen angekündigt, die Touristikaktivitäten in ein neues Unternehmen namens Tui Travel einzubringen, an dem Tui 51 Prozent und First Choice 49 Prozent hält. Während die Aktie seitdem deutlich zugelegt hat, fielen die Kurse der Tui-Bonds leicht.

Der Zusammenschluss wird zwar mittels Aktientausch vollzogen und erhöht daher nicht die Verschuldung von Tui. „Dafür ist aber unsicher, wo die ausstehenden Bonds im Konzern angesiedelt werden“, meint Bettina Deuscher, Analystin für Unternehmensanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Besicherte Bankschuldverschreibungen und Leasing-Verpflichtungen könnten Vorrang vor den Anleihen bekommen und die Bondbesitzer somit im Insolvenzfall schlechter stellen. „Außerdem ändert sich die Aktionärsstruktur und damit der grundsätzliche Einfluss auf Finanz- und Dividendenpolitik“, sagt Deuscher.

Auch die Ratingagenturen sehen diese Probleme und prüfen eine Herabstufung der Bonitätsnoten. Diese sind mit „B1“ von Moody’s und dem zwei Stufen besseren „BB“ von Standard & Poor’s (S&P) ohnehin im spekulativen Junk-Bereich angesiedelt. Ratings hat Tui erst seit Oktober 2005. Die angestrebte Einstufung im sicheren Bereich Investment-Grade verpasste der Konzern damals wegen der Übernahme der Reederei CP Ships, die die Verschuldung deutlich erhöhte. Seither haben die Ratingagenturen unter anderem wegen schwacher Quartalszahlen die Daumen weiter gesenkt.

Für das Gesamtjahr hat Tui einen Nettoverlust von knapp 847 Mill. Euro ausgewiesen. Die Nettoverschuldung konnte der Reise- und Schifffahrtskonzern allerdings auf rund 3,2 Mrd. Euro leicht senken. Bis Ende 2008 will Konzernchef Michael Frenzel die Nettoverschuldung auf 2,5 Mrd. Euro reduzieren. Das hält Markus Rohleder, Analyst bei der DZ Bank, „für machbar“. Er betont aber, dass bei der Bonitätsanalyse die Verschuldung nur eine Seite der Medaille ist: „Mit Blick auf die Finanzkennzahlen sind auch hohe Cash-Flows und ein gutes operatives Ergebnis wichtig.“ Zudem hat Tui neben den Nettofinanzschulden noch Leasingverpflichtungen, Pensionsrückstellungen und andere Verbindlichkeiten, so dass sich adjustierte Finanzverbindlichkeiten von rund 7,7 Mrd. Euro ergeben.

Mit Blick auf das künftige Ergebnis macht der Zusammenschluss mit der auf individuellere Baustein-Reisen spezialisierten First Choice Hoffnung. „Das Management von First Choice hat es geschafft, aus einer Firma mit schwachen Margen ein profitables Unternehmen zu machen“, sagt Analystin Carmen Hummel von der Hypo-Vereinsbank (HVB). Allerdings müsse sich erst zeigen, ob der Preisverfall in der Container-Schifffahrt tatsächlich gestoppt ist, warnt Deuscher von der LBBW. Sorgen macht zudem der geplante Kauf von LTU durch Air Berlin. Die Konsequenzen für Tui seien noch nicht absehbar, doch angesichts der neuen Konkurrenz eine mögliche Belastung“, meint Rohleder. Tui hat seine Airlines unter der Marke Tuifly zusammengeführt und kooperiert bislang auch mit LTU und Air Berlin.

Für Investoren, die Anleihen kaufen und bis zur Fälligkeit liegen lassen wollen, eignen sich Tui-Papiere laut Rohleder nicht mehr: „Wer in Tui investiert ist, muss am Ball bleiben und notfalls die Reißleine ziehen, also die Bonds vor der Fälligkeit verkaufen.“ Hummel von der HVB ist optimistischer und geht davon aus, dass die Liquidität von Tui ausreicht, um in den nächsten Jahren die Anleihen zu bedienen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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