Überforderte Analysten
"Die Ratings waren offensichtlich falsch"

Analysten waren schlichtweg überfordert, riskante Papiere, die jetzt die Krise auslösten, ausreichend zu untersuchen, meint Christoph Schmitt, Kapitalmarktexperte der Sozietät Haarmann. Der Gesetzgeber solle darüber nachdenken, Ratingagenturen einer Zulassungspflicht zu unterwerfen.

Herr Schmitt, die Finanzmärkte sind in Aufruhr. Wie gefährlich ist die Lage?

Ob und wie lange die gegenwärtige Krise andauern wird, ist schwer vorherzusagen. Sie ist letztlich darauf zurückzuführen, dass Anleger in Papiere investiert haben, die viel weniger wert sind als angenommen. Obwohl diese Papiere Forderungen gegen US-Hauskäufer bündeln, die zum Teil kein oder kein geregeltes Einkommen besitzen, erhielten sie von den Ratingagenturen gute Bewertungen. Im Vertrauen darauf haben Hedge-Fonds, aber auch Investoren wie Pensionsfonds und Versicherungen gekauft.

Der Schwarze Peter liegt bei den Ratinganalysten?

Die Ratings waren in diesen Fällen offensichtlich falsch, ja. Allerdings ist es für Analysten oft schlicht unmöglich, in der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit die sehr komplexen rechtlichen Strukturen dieser Papiere ausreichend zu analysieren.

Nicht zum ersten Mal. Warum haben Vermögensmanager dennoch darauf vertraut und sich für lumpige fünf Prozent Zinsen solche Risiken reingeholt?

Der Markt war geprägt von viel Liquidität und einem sehr hohen Druck, ordentliche Renditen zu erzielen. Bei fallenden Zinsen war an den normalen Anleihemärkten nicht mehr viel zu verdienen, also haben die Manager bei diesen zwar höher verzinsten aber auch riskanteren Papieren zugegriffen.

Ohne selbst zu prüfen.

Das ist ohnehin kaum möglich. In der Regel bekommt niemand alle Verträge, schon gar nicht die Kreditverträge zwischen dem Hauskäufer und der Bank, zu sehen. Und wenn, dann sind das oft mehr als 500 Seiten starke Papierstapel. Die kann in der Kürze der Zeit kaum einer durcharbeiten.

Über Probleme im US-Hypothekenmarkt berichten Medien schon seit zwei Jahren.

Keine Frage, die Krise kommt nicht völlig überraschend.

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