Überraschende Börsenbilanz
Rezession treibt die Aktienkurse

In Rezessionsjahren steigen die Börsen rasant. Das belegen entsprechende Statistiken. Mit einer großen Ausnahme waren Abschwungjahre stets hervorragende Börsenjahre. Gemessen daran sind Kursrückgänge wie gestern nichts weiter als ein Luftholen vor neuen Hochs. Das erwarten auch die meisten Experten.

DÜSSELDORF. Die Ausgangslage ist klar: In allen fünf Rezessionsjahren der letzten fünf Jahrzehnte ist der Deutsche Aktienindex (Dax) gestiegen. 1967 während der Wirtschaftswunder-Krise um 51 Prozent, 1975 inmitten des Ölpreisschocks um 40 Prozent, 1982 beim zweiten Ölschock um 14 Prozent, neun Jahre später im Abschwung nach dem Wiedervereinigungsboom um 47 Prozent und schließlich 2003 um 37 Prozent, als Kriegsängste und die Folgen der geplatzten Technologieblase die Konjunktur in die Knie zwangen.

Auffällig ist, dass in Rezessionsjahren die Kurse stärker schwanken als in herkömmlichen Zeiten. Anfang 2003 fiel der Dax in nur zwei Monaten um ein Drittel, nachdem er in den vorangegangenen drei Jahren bereits mehr als die Hälfte eingebüßt hatte. Doch am Ende siegte der Optimismus mit den Aussichten auf eine bessere Zukunft. Niedrige Zinsen und damit billiges Geld, das in Abschwungjahren kaum attraktive Anlagealternativen findet, beflügelten die Aktienmärkte in den Rezessionsjahren zusätzlich, ganz besonders 2003.

"Wie üblich wird die Konjunktur auch diesmal sechs bis neun Monate nach dem Tiefpunkt an den Börsen anziehen", ist Gottfried Heller von der Fiduka Vermögensverwaltung überzeugt. Dass die Wirtschaft ihren Tiefpunkt erst in diesen Monaten erreicht, also nachdem die Börsen bereits stark nach oben ausgebrochen sind, ist für den langjährigen Weggefährten des verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany ein typisches Phänomen und Kennzeichen großer Trendwenden. "Nach leichten Rücksetzern wird die Börse weiter steigen", ist Heller überzeugt.

Mahnungen, diesmal könnte der Abschwung länger als in den vergangenen fünf Rezessionen dauern, irritieren ihn nicht. Immerhin bricht die Wirtschaftskraft in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich um sechs Prozent ein. 1975, im stärksten Abschwungjahr der Nachkriegsgeschichte, sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 0,9 Prozent. Die aktuellen Wirtschaftsdaten lassen sich noch am ehesten mit dem Abschwung 1931 und 1932 vergleichen, als das BIP um jeweils gut sieben Prozent sank.

Aus dieser Zeit stammt allerdings auch das einzige Beispiel, in dem Anleger in der Rezession kein Geld verdiente. Wer sich damals schon im ersten Rezessionsjahr, 1929, Aktien kaufte, weil die deutsche Wirtschaft um 0,4 Prozent sank, wurde bitter bestraft. Denn der Abschwung der Realwirtschaft dauerte länger als ein Jahr. 1930 sank das BIP um 1,4 Prozent und in den zwei Folgejahren um jeweils gut sieben Prozent.

Seite 1:

Rezession treibt die Aktienkurse

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%