Überzogene Gewinnschätzungen hemmen Kursgewinne
US-Analysten fürchten Rückschläge

Wenn in dieser Woche die Hochphase der Quartalsberichte beginnt, dürften die Erwartungen geschlagen werden. In den USA wird nach Angaben des Finanzdatenanbieters Thomson Financial, wo Daten aller Analysten zusammenlaufen, im Durchschnitt ein Ertragszuwachs bei den Unternehmen im S&P-500-Index von 17,2 % erwartet.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Doch Analysten bezweifeln, dass starke Zahlen die Börsen nach oben treiben werden. Im Gegenteil: Sie fürchten Rückschläge. „Die Unternehmen müssen nicht nur die offizielle Schätzung übertreffen, sondern auch die oft viel höhere Flüsterzahl“, sagt Tobias Levkovich, Chefstratege der Citigroup.

Kein Zweifel: Die „Flüsterzahl“ ist zurückgekehrt. Gemeint sind damit inoffizielle Prognosen mit halboffiziellem Status. Analysten und Händler flüstern sie sich auf Handelsfluren zu, und in Internetforen finden sie sich neben den offiziellen Erwartungen. Flüsterschätzungen liegen oft weit über den öffentlichen Schätzungen der Bankprofis – mit fatalen Folgen. „Der Markt wird durch gute Zahlen, die jeder erwartet, nicht nach oben gezogen“, prognostiziert HSBC-Trinkaus-Experte Dirk Guber.

Beispiel: In der vergangenen Woche meldete der Aluminium-Riese Alcoa einen Gewinnsprung von 135 %. Dennoch brach die Aktie ein. Ähnliches erlebten die US-Investmentbanken, deren Quartal einen Monat früher endet. Goldman Sachs, Morgan Stanley, Lehman Brothers und Bear Stearns übertrafen die offiziellen Prognosen bei weitem. Doch auch hier fielen die Aktienkurse.

Anleger kennen dieses Phänomen aus der Endphase des Internet- Börsenbooms. Im Frühjahr 2000 konnten viele High-Tech-Firmen die überschäumenden und inoffiziell viel höheren Erwartungen nicht mehr erfüllen, obwohl sie Ertragszuwächse vorlegten. „Sobald die Erwartungen nicht mehr übertroffen werden, wackeln die Kurse“, sagt Chefstratege Richard Bernstein von Merrill Lynch.

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