Umfrage in der Branche
Steuersparfonds werden weiter verkauft

Deutschlands Vertriebe fordern Anleger weiterhin zur Zeichnung von Steuersparmodellen auf. Und dies, obwohl der designierte Finanzminister Peer Steinbrück am Wochenende angekündigt hat, den umstrittenen § 15b Einkommensteuergesetz (EStG) rückwirkend zum 10. November einzuführen. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts in der Branche.

DÜSSELDORF. Der noch amtierende Finanzminister Hans Eichel war am vergangenen Donnerstag damit gescheitert, den genannten Paragrafen zum 10. November einzuführen, da Umweltminister Jürgen Trittin den Kabinettsbeschluss im Umlaufverfahren nicht unterzeichnete. Sein Vorhaben war am Dienstag bekannt geworden und hatte in den beiden folgenden Tagen einen beispiellosen Wettlauf um Anleger für Film- und Windkraftfonds sowie in Ausnahmefällen für Schiffsbeteiligungen ausgelöst.

§ 15b EStG begrenzt sofort mit anderen Einkünften verrechenbare steuermindernde Anfangsverluste auf zehn Prozent. Darüber hinaus gehende Verluste können nur mit künftigen Gewinnen aus der selben Beteiligung verrechnet werden. Aktuelle Film- und Windkraftfonds bieten typischerweise Anfangsverluste von rund 100 Prozent. Die Vertriebsplattform Bit AG empfiehlt den angeschlossenen Vermittlern, „weiterhin die Zeit bis zum 22. November für die Ansprache ihrer Kunden zu nutzen“. Die Chancen noch ein paar Tage Geld zu verdienen sieht die Bit darin, dass „CDU-Kreise“ Steinbrücks Ankündigung nicht akzeptierten und auf einer Einführung des § 15b EStG erst mit der Regierungserklärung am 22. November drängten.

Andere Vermittler machen offensichtlich unseriöse Angebote. So wurde einem Kunden in Kenntnis der Aussage Steinbrücks noch am Montag, also vier Tage nach Fristablauf, angeboten, sich fristwahrend an einem Filmfonds zu beteiligen. Dieses Angebot zur Rückdatierung ist offenbar kein Einzelfall. So berichtet Stefan Loipfinger, unabhängiger Analyst geschlossener Fonds, von Initiatoren, die Vertriebe zur Rückdatierung ihrer Fonds-Zeichnungsscheine aufgefordert hätten.

Der Hamburger Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Wolfgang Kemsat, Berater von Fondsanbietern, warnt Anleger und Emissionshäuser ausdrücklich vor Rückdatierungen. Der Anleger könne wegen Steuerhinterziehung, der Geschäftsführer des Fondsanbieters wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung belangt werden. Das Risiko, entdeckt zu werden, beziffert er auf zehn Prozent. „Ein gestandenes Emissionshaus wird sich das nicht antun.“ Jochen Lüdicke, Partner der Anwalts- und Steuerberatersozietät Freshfields Bruckhaus Deringer, warnt ebenfalls vor Steuerhinterziehung. Er empfiehlt Anbietern ausdrücklich, die Empfangs- und Sendeberichte der Fax-Geräte aufzubewahren, um den rechtzeitigen Beitritt zu dokumentieren.

Anleger sollten keine Beteiligung ohne Rücktrittsrecht und zugesicherter Rückzahlung der Einlage inklusive Agio eingehen. Dieses Rücktrittsrecht kann an den 22. November gekoppelt werden, endet aber Lüdicke zufolge mit dem Tag der Gesellschafterversammlung kurz vor Weihnachten, in der die Anleger entscheiden, in welche Filme sie investieren.

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