Umfrage offenbart große Wissenslücken
Viele Deutsche sind Finanz-Analphabeten

Trotz der zunehmenden Notwendigkeit von privater Altersvorsorge kennt sich ein Großteil der Deutschen nur unzureichend mit Finanzprodukten aus. So schätzte nicht einmal die Hälfte der 30- bis 50-Jährigen die Sicherheit verschiedener Anlageformen richtig ein, hieß es in einer jetzt veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Basis einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung (BST). Ein Drittel wisse nicht, dass die Kündigungskosten von Kapitallebensversicherungen in den ersten Jahren nach Vertragsabschluss die höchsten von allen Anlageprodukten seien.

Reuters/rez BERLIN. In der vergangenen Woche hatte auch der Bundesverband der Investmentfondsbranche (BVI) Lücken und Nachholbedarf in puncto finanzieller Bildung festgestellt. In einer zusammen mit dem Marktforschungsinstitut GfK durchgeführten Umfrage gab zum Beispiel ein Viertel der Befragten zu, noch nicht privat für das Alter vorzusorgen, ein weiteres Drittel fühlt sich ungenügend abgesichert.

In der Bertelsmann-Erhebung wurden die Befragten unter anderem gebeten, fünf Kategorien von Anlageformen hinsichtlich Risiko, Rendite und Kosten zu bewerten: Kapitallebensversicherung, Aktien und Aktienfonds, Sparbuch, festverzinsliche Wertpapiere und Immobilienfonds. Als besonders bedenklich bezeichnete das DIW die Einschätzungen zur Sicherheit gegen Wertverlust: "Die sicheren Anlageformen werden im Durchschnitt der Bevölkerung noch nicht einmal von der Hälfte der Befragten richtig angegeben."

So stuften nur 47,6 Prozent Kapitallebensversicherungen zutreffend als sichere Anlageform ein. Lediglich 27,2 Prozent nannten das Sparbuch, während fast 27 Prozent Aktien und Aktienfonds angaben, obwohl die Frage gestellt wurde, nachdem der Deutsche Aktienindex in den zwei Jahren zuvor die Hälfte seines Wertes verloren hatte. Dagegen wurden Aktien als Anlage mit dem langfristig höchsten Wertzuwachs nur von rund der Hälfte genannt. Dabei steigt tendenziell die Zahl der richtigen Antworten mit der Höhe des Einkommens der Befragten.

Zur Beurteilung der Folgen dieses sich abzeichnenden Finanz-Analphabetismus auf das Vorsorgeverhalten bezogen die Forscher auch das derzeitige Verhalten der Befragten mit in ihre Untersuchung ein. Insgesamt kannten sich Frauen etwas weniger gut mit finanziellen Dingen aus als Männer, Ostdeutsche schnitten etwas schlechter ab als Westdeutsche. Nach Darstellung des DIW empfinden zwei Drittel der Befragten, die sich am wenigsten mit Finanzprodukten auskennen, Finanzfragen als schwierig und fühlen sich bei Entscheidungen unsicher.

Als Konsequenz aus der Studie plädiert das DIW dafür, bereits an Schulen finanzielle Allgemeinbildung zu lehren. Zudem müsse für eine erhöhte Transparenz und Vergleichbarkeit von einzelnen Finanzprodukten gesorgt werden - gegebenenfalls, so das DIW, durch gesetzlichen Zwang.

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